
Ob Interpreten wie ClockClock und DJ Cyril am Freitag oder Verifiziert, Blumengarten und Meute am Samstag – wer noch mit Musik von Schallplatten und CDs aufgewachsen ist, hatte es möglicherweise schwer, die Programmpunkte auf der Hauptbühne beim Stadtfest „Münster Mittendrin“ einzuordnen. Ganz anders war es für diese Generationen am Sonntagabend, da wurden sehr viele Refrains mitgesungen, weil man sie schon seit Jahrzehnten kennt: Von „Thunderstruck“, „Hells Bells“ und „Highway To Hell“ bis „Radio Gaga“, „Bohemian Rhapsody“ und „It’s A Kind Of Magic“. Nur dass AC/DC und Queen hier natürlich nicht im Original auf der Domplatz-Bühne standen, sondern professionelle Tribute-Bands. Und die ließen so einiges vom Spirit ihrer Vorbilder spüren.
Das Ganze könnte man als Theater abtun, und tatsächlich hatte es viel Theatralisches. Folgerichtig bezeichnet sich die italienische Band Break Free als eine „Queen-Tribute Show“. Eine echte Show zog vor allem Giuseppe Malinconico in seiner Rolle als Freddie Mercury ab, von den Posen bis zum Outfit, bei dem auch ein ordentlicher Schnauzbart nicht fehlen durfte. Aber auch stimmlich kam er dem Vorbild nahe genug, dass man fast glauben konnte, die echten Queen zu erleben. Zudem bewegte sich Mercury-Darsteller Malinconico über die Bühne wie ein Wirbelwind und animierte das Publikum immer wieder zum Mitsingen oder in typischer Call-and-Response-Manier zu den entsprechenden Antwortrufen.
Gitarrist Paolo Barbieri erinnerte mit seiner lockigen Mähne schon rein äußerlich sehr an Brian May, wie er in den 80er Jahren aussah. Sein Instrument spielte er hervorragend – nur hatte es nicht den unverwechselbaren Klang von Mays einst selbst gebauter „Red Special“. Für eine solide Basis sorgten Kim Marino am Schlagzeug und der ziemlich muskulöse Sebastiano Zanotto am Bass, bei Stücken wie „Another One Bites The Dust“ sogar mit noch mehr Funk als beim Original. Überhaupt spielten Break Free die Lieder von Queen nicht immer so, wie man es von Tonträgern kennt, sondern orientierten sich auch an bekannten Live-Arrangements ihres Vorbilds. Das wurde schon beim Eröffnungsstück klar, einer recht schnellen Version von „We Will Rock You“.
AC/DC-Tribut mit viel Pyrotechnik
Musikalisch etwas eintöniger war es bei der ersten Band, die der australischen Hardrock-Legende AC/DC ihren Tribut zollte. Dafür gab es auch bei We Salute You viele Show-Elemente, vor allem pyrotechnische. Immer wieder schossen Flammen am vorderen Bühnenrand hervor, und am Ende sorgten allerhand rund um die Band positionierte Kanonen für Knalleffekte bei „For Those About To Rock“ – also bei dem Lied, aus dessen Textzeilen sich die Musiker ihren Namen entliehen haben. Einige Stücke zuvor wurde zum Glockenklang im Intro von „Hells Bells“ die große Glocke heruntergelassen, die bei dem gesamten Konzert sonst weit oben unterm Tribünendach hing.
Dabei wäre solcher Schnickschnack gar nicht nötig. Denn die deutsche Band um den englischen Sänger Grant Foster, der sich offensichtlich mehr an Brian Johnson als an Bon Scott orientierte, arbeitete sich solide durch das Repertoire ihres Vorbilds durch. Wie beim Original war auch bei ihnen der Lead-Gitarrist für die Show-Effekte zuständig. Diese Rolle ist mit Florian „Flo“ Schmid erst vor einigen Monaten neu besetzt worden. Er füllte sie nicht nur mit ausgelassenen Gitarren-Soli aus, sondern wirbelte wie Angus Young in Schuluniform mit kurzen Hosen über die Bühne – bei den letzten Liedern sogar mit nacktem Oberkörper.
Auffällig ist, dass am Sonntag nicht so viele Zuschauer zum Domplatz gekommen waren, wie an den beiden Tagen zuvor. Mit geschätzten drei bis viertausend aber auch nicht so wenige, wie zwischenzeitlich befürchtet. Es scheint für die Veranstalter nicht leicht zu sein, für den Abschlussabend ein Programm zu finden, das ähnlich viel Publikum zieht, wie Roland Kaiser es einige Jahre getan hat. Vielleicht entwickeln sich die zwei Finalistinnen des Wettbewerbs „Voice of Münsterland“ eines Tages zu solchen musikalischen Highlights. Als in der Umbaupause zwischen We Salute You und Break Free die Gewinnerin von den beiden gekürt werden sollte, nötigten ihre Gesangskünste jedenfalls einigen Respekt ab.
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