
Das Cineplex stand am Dienstag ganz im Zeichen eines Films, der gar nicht für das Kino gemacht wurde, sondern für das Fernsehen. Gemeint ist natürlich der Münster-Tatort, dessen neue Folge „Die Erfindung des Rades“ im Kinopalast am Albersloher Weg gestern gleich in mehreren Sälen seine Premiere feierte. Und weil sich Mechthild Großmann mit dieser Folge aus ihrer Rolle als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm verabschiedete, waren besonders viele aus dem Team vor und hinter den Kameras anwesend.
Achtung, Spoiler: Im folgenden Text wird auch das Ende des neuen „Tatort“ ausführlicher beschrieben.
Allen voran natürlich Axel Prahl (Kommissar Frank Thiel), Björn Meyer (Mirko Schrader), ChrisTine Urspruch (Silke „Alberich“ Haller) und Claus D. Clausnitzer („Vaddern“ Thiel) – nur Jan Josef Liefers (Prof. Karl-Friedrich Boerne) fehlte. Alle würdigten Mechthild Großmann noch einmal als eine geschätzte Kollegin, die sie bei den zukünftigen Dreharbeiten vermissen werden. Das taten sie in Einzelgesprächen mit uns vor der Aufführung im Cineplex, vor allem aber auch danach, als alle zusammen noch einmal vor dem begeisterten Publikum auf die Bühne traten. Axel Prahl bekannte dabei, dass er in diesem Moment von seinen eigenen Emotionen überrascht sei und umarmte seine langjährige Schauspielkollegin lieber, als lange zu reden.
Vorfilm mit legendären Klemm-Momenten
Immer wieder betonte Großmann dabei, dass es doch nur eine kleine Rolle gewesen sei, die sie beim Tatort spielte und für die sie meist nur vier bis acht Drehtage im Jahr hatte. Mit wesentlich mehr Aufwand sei sie mit Bühnenschauspiel und Lesungen unterwegs und das wolle sie auch weiter tun. In ihrem letzten Münster-Tatort, der am 7. Dezember im Fernsehen gezeigt wird, war ihr Einsatz noch einmal etwas größer als sonst üblich. Schon bei der Drehbuchgestaltung wurde nach ihren Wünschen gefragt, man habe sogar gefragt, ob sie wie einst Friederike Kempter in ihrer Rolle als Kommissarin Nadeshda Krusenstern mit einem Filmtod aussteigen wolle. „Nee, das ist mir zu nahe dran,“ hat die 77-Jährige darauf geantwortet und ein wenig mit ihrem Alter kokettiert. Tatsächlich steigt sie mit Liebe aus der Rolle aus, auch wenn sie den allerletzten Drehtag mit einer Ohrfeige für ihren Filmpartner Hannes Hellmann (in der Rolle des Fahrradfabrikanten Kurt Hobrecht Senior) sehr genossen hat.
Bevor am Dienstagabend die neue Folge „Die Erfindung des Rades“ auf der großen Leinwand zu sehen war, zeigte das Produktionsteam noch einen extra für diesen Anlass zusammengestellten Vorfilm mit vielen geradezu legendären Auftritten von Mechthild Großmann als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm, die das Rauchen nicht lassen kann, jeden wichtigen Menschen in Münster persönlich kennt und mitunter gerne Tango tanzt. Ganz am Ende, nach der eigentlichen Tatortfolge, gab es für sie stehenden Applaus vom Publikum.
„Der Film macht einfach Spaß“
ChrisTine Urspruch genießt das gemeinsame Anschauen eines Tatorts mit dem Publikum im Kino und empfindet es als „einen Traum, ihn so zu sehen“, verriet sie im Gespräch mit ALLES MÜNSTER. Gerade diese Folge kann sie aber auch empfehlen, sich am 7. Dezember im Fernsehen anzusehen: „Das Schöne ist, dass die immer so in den Zeiten switcht, also hin und her schaltet zwischen früherer Zeit, 19. Jahrhundert, wo das Rad erfunden wurde, wo auch immer, ob in Münster oder nicht, und der heutigen Zeit. Man vergisst es manchmal und es verschwimmen so die Zeitebenen und das hat mir sehr gut gefallen an dem Film.“ Axel Prahl meint, dass diese Folge wegen des Themas Fahrrad sehr gut zu Münster passt: „Gerade für die Stadt Münster, finde ich, ist es eine ganz große Empfehlung. Und der Film macht einfach Spaß, hat viele cineastische Momente und es sind großartige Figuren dabei.“
Auch uns hat diese Folge gut gefallen. Nicht nur, weil auf die schwarz-weißen Szenen aus dem Jahr 1882, in dem hier vielleicht das moderne Fahrrad erfunden wurde, bunte Szenen aus dem modernen Münster folgen, durch dass die beiden Hauptdarsteller Axel Prahl und Jan Josef Liefers radeln. Sondern vor allem, weil die Geschichte recht locker erzählt ist und viele witzige Elemente hat, bei denen man mitunter aber ganz schön aufpassen muss, um sie nicht zu verpassen. Dadurch steuert sie schwungvoll einem wirklich würdevollen Finale entgegen, in dem Staatsanwältin Wilhelmine Klemm mit ihrer alten Liebe in einem VW-Bus aus gemeinsamen Hippie-Jahren die Stadt über die Schulstraße verlässt, die da gerade in schönster japanischer Kirschbaumblütenpracht steht. Einfach herrlich!

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Super Fotos. Danke Michael Bührke👍