Studie: Grippeimpfung bei Rheuma sicher Bundesweite Untersuchung der Universität Münster

Influenza-Impfung bei Rheuma: Neue Daten aus Münster sprechen gegen die Sorge vor Krankheitsschüben nach der Impfung. (Archivbild: Michael Bührke)
Influenza-Impfung bei Rheuma: Neue Daten aus Münster sprechen gegen die Sorge vor Krankheitsschüben nach der Impfung. (Archivbild: Michael Bührke)

Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko, an Influenza zu erkranken. Viele verzichten jedoch aus Sorge vor Krankheitsschüben auf die Grippeimpfung. Eine neue bundesweite, prospektive Langzeitstudie kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Impfung für diese Patientengruppe in der Regel sicher ist und gut schützt.

An der Untersuchung nahmen 633 Betroffene aus ganz Deutschland teil. Bei 95 Prozent der Geimpften hatte die Influenza-Impfung keinen negativen Einfluss auf die Krankheitsaktivität. Schwere Nebenwirkungen oder Krankenhausaufenthalte traten laut Auswertung nicht auf. In der Grippesaison 2023/24 erkrankten 8,9 Prozent der in die Studie eingeschlossenen und geimpften Patientinnen und Patienten an Influenza, schwere Verläufe wurden nicht beobachtet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Vaccines“ veröffentlicht worden.

Wie es in einer Medienmitteilung der Universität Münster heißt, fehlten bisher belastbare Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Grippeimpfung in dieser Patientengruppe, auch weil Menschen mit Rheuma häufig von Impfstoff-Zulassungsstudien ausgeschlossen sind. Zugleich können Grippeinfektionen Krankheitsschübe auslösen, zudem erhöhen Erkrankung und bestimmte Therapien das Risiko für Infektionen und Komplikationen.

Kaum Schübe trotz Therapie mit Biologika

Nur etwa fünf Prozent der Studienteilnehmenden berichteten über vorübergehende Schübe nach der Impfung, therapeutische Anpassungen seien äußerst selten notwendig gewesen. PD Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, stellvertretende Leiterin der Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Münster, wird in der Mitteilung so zitiert: „Unsere Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die Influenza-Impfung verschlechtert den Krankheitsverlauf bei der großen Mehrheit der Betroffenen nicht.“ Zudem schütze der Impfstoff wirksam vor schweren Influenzaverläufen.

Ein Großteil der Teilnehmenden wurde mit immunsuppressiven oder immunmodulierenden Medikamenten behandelt, darunter auch Biologika. Dennoch seien weder schwere Impfreaktionen noch schwere Influenza-Verläufe aufgetreten. Auch bei gleichzeitiger Gabe weiterer Impfungen blieb die Verträglichkeit demnach hoch.

Studie sieht Beratung als wichtigen Faktor

Die Untersuchung fand außerdem Hinweise darauf, dass Patientinnen und Patienten, die im Jahr vor der Impfung häufiger oder länger Krankheitsschübe hatten, trotz Impfung etwas öfter an Influenza erkrankten. Alter, Begleiterkrankungen oder die Art der Rheuma-Therapie spielten dagegen keine entscheidende Rolle. Hasseli-Fräbel betont in der Mitteilung: „Das ist kein Argument gegen die Impfung.“ Gerade Menschen mit instabiler Erkrankung sollten gezielt beraten und besonders geschützt werden, da sie ein höheres Risiko für Komplikationen haben könnten.

Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, sich auch künftig gegen Influenza impfen lassen zu wollen. Gleichzeitig zeigte die Befragung, dass nur rund 60 Prozent Informationen zur Grippeimpfung direkt von einer Ärztin oder einem Arzt erhalten hatten. Aus Sicht der Forschenden unterstreicht das die zentrale Rolle ärztlicher Beratung für die Impfbereitschaft.

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