
Wer am Abend des 12. August einen freien Blick nach Westen hat, sollte nach oben schauen: Über dem Münsterland ist eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten. Dabei werden bis zu 87 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt – so stark wie seit der Sonnenfinsternis im August 1999 nicht mehr.
Die Finsternis beginnt um 19.16 Uhr und dauert bis in die Abendstunden. Da die Sonne zu dieser Zeit bereits vergleichsweise tief am Himmel steht, sind die Bedingungen für die Beobachtung besonders günstig. Wie die FH Münster in einer Mitteilung erklärt, empfiehlt Prof. Dr. Thomas Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen einen Standort mit freier Sicht nach Westen – etwa von einem Balkon oder einem Dach aus.
Warum die Finsternis so besonders ist
Zu einer Sonnenfinsternis kommt es nur bei Neumond, wenn sich der Mond genau zwischen Erde und Sonne schiebt. Der Kernschatten des Mondes trifft am 12. August unter anderem Grönland, Island, Spanien und die Balearen. Dort ist die Sonnenfinsternis vollständig zu sehen. Das Münsterland liegt dagegen im Halbschatten des Mondes. Deshalb wird die Sonne hier zwar nicht komplett, aber zu rund 87 Prozent verdeckt.
„Man sollte sich dieses Naturereignis nicht entgehen lassen, da die nächste Sonnenfinsternis mit ähnlich hoher Bedeckung erst im Jahr 2075 im Münsterland zu sehen sein wird“, sagt Jüstel.
Wer die Sonnenfinsternis verfolgen möchte, sollte seine Augen unbedingt schützen. „Um den Augen nicht zu schaden, sollte man eine spezielle Brille, die sogenannte SoFi-Brille aufsetzen“, betont Jüstel. Ein direkter Blick in die Sonne ohne geeigneten Schutz kann zu dauerhaften Schäden an der Netzhaut führen.
Auch für die Wissenschaft von Bedeutung
Sonnenfinsternisse liefern nicht nur eindrucksvolle Bilder, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die Forschung. So gelang es dem britischen Astronomen Sir Arthur Stanley Eddington während der Sonnenfinsternis von 1919, eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein zu bestätigen.
„Das Ergebnis war, dass die Positionen dieser Sterne durch die Lichtablenkung der Sonne im Vergleich zu Nachtaufnahmen ohne Sonne leicht verschoben waren. Das Ausmaß der Verschiebung entsprach genau Einsteins Vorhersage von 1,75 Bogensekunden. Damals eine Sensation, durch die Einstein weltberühmt wurde!“, erklärt Jüstel.
Auch heute nutzen Forschende Sonnenfinsternisse, um die Sonnenkorona genauer zu untersuchen. Während der Mond die Sonnenscheibe verdeckt, lassen sich bestimmte Emissionslinien besonders gut beobachten. Daraus können unter anderem Rückschlüsse auf die Temperatur der Korona gezogen werden.
Ob das Himmelsschauspiel tatsächlich zu sehen sein wird, hängt letztlich von den Wetterbedingungen am Abend des 12. August ab.
