
Ein lauer Sommerabend, wie der WDR ihn angekündigt hatte, wurde es leider nicht. Denn der Regen war ein hartnäckiger Gast. Trotzdem kamen laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fast 7.000 Menschen zum Sommerkonzert auf dem Schlossplatz in Münster, das die Landesregierung im Rahmen des NRW-Tags 2026 veranstaltete.
Wüst nahm es mit Humor: „Die besonders wichtigen Gäste sitzen im Regen.“ Denn die ersten Sitzreihen vor der Bühne waren unter freiem Himmel, während die überdachte Tribüne fast am Ende des Schlossplatzes stand. Doch auch der Platz dazwischen füllte sich mit vielen Gästen, von denen manche bis zum Ende unter Schirmen und Regencapes ausharrten. Wüst erinnerte sich an den NRW-Tag in Köln vor zwei Jahren. Da habe er auch „den Frack nass gekriegt“.
WDR übertrug das Konzert live im Fernsehen
Der Musik tat der Regen keinen Abbruch. Dirigent Ingmar Beck und seine Philharmonie Südwestfalen gaben auf Münsters Schlossplatz ihren Einstand. WDR-Moderatorin Anna Planken rief zu einem Extra-Applaus auf, „weil sie heute das erste Mal zusammen spielen“. Der WDR übertrug das Klassikkonzert live im Fernsehen. Für die Zuschauenden zu Hause gab es einen Einspieler, der die Stadt Münster vorstellte. Schließlich sollte sich bei dem Fest in der Domstadt ganz NRW willkommen fühlen.
Neben Wüst hielten auch Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen), NRW-Landtagspräsident André Kuper (CDU) und die Intendantin des WDR, Kartin Vernau, Grußworte. Alle betonten die Vielfalt und den großen Zusammenhalt innerhalb des Bundeslandes. Auch die sogenannten Gastarbeiter hätten das Land geprägt und zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen, so Wüst. Der WDR habe viele Veränderungsprozesse mit seiner Berichterstattung begleitet, sagt Vernau. Dabei habe es auch schwer zu ertragende Bilder gegeben, wie das Ende des Steinkohleabbaus 2018 oder die Flut im Ahrtal 2021. „Doch heute Abend ist der Schlossplatz für ein paar Stunden NRWs Wohnzimmer“, so Vernau. Kuper sagte: „Unser Land ist immer dann am stärksten, wenn wir uns gemeinsam engagieren.“ So sei es auch heute Abend: Die Musikerinnen und Musiker müssten aufeinander Acht geben damit gemeinsam Orchestermusik entstehe.
Zu jeden Stück hatte Anna Planken eine Anekdote parat, welche Verbindung es mit unserem Bundesland NRW gebe. So brauche es für den berühmtesten Komponisten des Landes nur vier Töne, um ihn zu erkennen. Und dann spielte das Orchester Ludwig van Beethovens „Sinfonie Nr. 5“…da, da, da, daaaa!
Beliebte Klassiker und Musik aus Filmen
Weitere Klassiker im Repertoire waren Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ oder „In diesen heil’gen Hallen“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte. Als die Titelmusik von „Game of Thrones“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ den Schlossplatz erfüllte, fühlten sich sicherlich einige an das alljährliche Sommerkino vor Münsters Schloss erinnert – das auch nicht immer mit lauen Sommerabenden gesegnet ist.
Besonders begeistert war das Publikum von den Solistinnen und Solisten. Die Mezzosopranistin Valerie Eickhoff aus Herdecke sang mit kräftiger, klarer Stimme Opernklassiker wie „Habanera“ aus George Bizets „Carmen“ oder „Somewhere“ aus dem Musical „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Dazu tanzte sie fast auf der Bühne und spielte mit ihrer Mimik passend zum Text. Das Publikum honorierte ihren Einsatz mit tosendem Applaus. Auch der britische Bass-Sänger William Thomas bekam für seine beeindruckenden Auftritte viel Applaus. Und das, wo er nach Anna Plankens Aussage die erste Oper, die er mit seinen Eltern sah, unglaublich langweilig fand.

Viel Applaus für junge Solisten
Als Planken das nächste Stück „Träumereien“ wie folgt ankündigte: „Und jetzt spielen Schumann und Schumann Schumann“, ertönte lautes Lachen im Publikum. Doch schnell war es wieder still, als Violinist Erik Schumann und Mark Schumann am Violoncello Robert Schumann spielten. Erik und Mark seien laut Planken allerdings nicht mit Robert verwandt.
Herausragend war an diesem Abend die Leistung des 15-jährigen Ben Stümke. Der Trompeter aus Aachen spielte höchst konzentriert den ersten Satz „Allegro moderato“ aus Oskar Böhmes „Konzert für Trompete und Orchester op. 18“. Erst gegen Ende des Stücks hob er seinen Blick gen Publikum. Applaus brandete auf und anerkennende Pfiffe schallten Richtung Bühne. Der Jugendliche danke mit einem breiten Lächeln.
Den Abschluss des Sommerkonzerts bildete ein britisches Stück. „Weil die Briten 1946 unser Bundesland gegründet haben“, so Planken, „und damit noch drei Jahre vor der Bundesrepublik.“ Zum „Marsch Nr. 1“ aus „Pomp and Circumstance op. 39“ von Edward Elgar klatschte das Publikum energisch im Takt. Doch damit war noch nicht komplett Schluss. Planken bedankte sich beim Publikum, das so lange im Regen ausgeharrt habe und bat: „Dafür sollten Sie mit einer Zugabe belohnt werden.“

- <span class="entry-title-primary">Sommerkonzert ohne Sommer …</span> <span class="entry-subtitle">... aber mit tollem Orchester und herausragenden Soli / Sommerkonzert auf dem Schlossplatz zum NRW-Tag 2026 zog viele Gäste an / Regen trübte die Stimmung nicht</span> - 30. August 2026
- Die Nacht ist der Star bei Götz Alsmann - 25. Mai 2025
- Wie erziehe ich meine Eltern? - 1. Mai 2024
