
Drei Bands, ein kleines Jubiläum und Lord of the Lost als Headliner: Das Oelde Open Air ist am Freitagabend in seine fünfte Ausgabe gestartet. Auf der Sparkassen-Waldbühne im Vier-Jahreszeiten-Park reichte das musikalische Spektrum von modernem Metalcore bis zu den düsteren, elektronisch geprägten Klängen des Headliners. Im Laufe des Abends füllte sich das Gelände zunehmend – und auch die Stimmung vor der Bühne nahm spürbar Fahrt auf.
Durch den Abend führt zum zweiten Mal Anna Hubschrauber. Die Bielefelder Musikbloggerin und Content-Creatorin beschäftigt sich auf ihren Kanälen vor allem mit Neuerscheinungen, Musikgeschichte sowie der Festival- und Konzertszene. Ihr Debüt als Moderatorin des Oelde Open Airs hatte sie im vergangenen Jahr.

Den Anfang macht mit Avalanche Effect eine Münsteraner Band. Die Metalcore-Formation eröffnet die fünfte Ausgabe des Oelde Open Airs mit modernem Metalcore. Auf der Setlist stehen unter anderem „The Eternal Now“, „After the Silence“ und „The Mess I Created“, aber auch ihre Interpretation des HIM-Klassikers „Join Me in Death“. Nach dem Auftritt beschreiben die beiden Sänger Max Nash und Noah Müller den Abend im Gespräch mit ALLES MÜNSTER als „aufregend“. Die Energie des Publikums habe sie komplett mitgenommen.
Einen besonderen Stellenwert innerhalb des Sets hat „Inner Strife“. Nash und Müller erklären, dass der Song die Mitglieder der Band miteinander verbinde. Bandgründer Oliver Viert nennt noch einen anderen Grund: „Der Song funktioniert live einfach gut.“ Er zeige „alle Facetten, die die Band hat“.
Die Stimmung nimmt Fahrt auf
Während sich das Gelände im Vier-Jahreszeiten-Park weiter füllt, verändert sich auch die Atmosphäre vor der Bühne. Als SETYØURSAILS übernehmen, ist deutlich mehr Bewegung im Publikum. Sängerin Jules Mitch braucht nicht lange, um den Ton für den Auftritt vorzugeben.
„Na, ihr süßen Mäuse?“, begrüßt sie die Zuschauer. Wenig später will sie wissen: „Habt ihr schon ein paar Bier geballert?“ Auch die Location selbst hat es ihr offenbar angetan. „Das ist übel schön, vollkommen insane“, sagt Mitch mit Blick auf die Sparkassen-Waldbühne. „Wir feiern euch!“ Beim Reden allein bleibt es nicht. Mitch fordert den „größten Circle Pit, den dieses Festival je gesehen hat“ – und vor der Bühne kommt entsprechend Bewegung auf. Neben den lockeren Ansagen setzt SETYØURSAILS auch ein deutliches gesellschaftliches Zeichen. Mitch hält eine Flagge mit der Aufschrift „No Place for Homophobia, Fascism, Sexism, Racism“ in die Höhe und positioniert sich damit gegen Homophobie, Faschismus, Sexismus und Rassismus.
Für einen weiteren Höhepunkt greift die Band auf einen Song zurück, der Mitch nach eigener Aussage durch ihre Jugend begleitet hat: „Break Stuff“ von Limp Bizkit. Das Cover kommt an. Nicht nur vor der Bühne wird mitgegangen – selbst die Security im Bühnengraben kann sich der Musik nicht ganz entziehen. „Habt ihr noch Spucke für ein paar Songs?“, fragt Mitch später. Bei „Fckoff“ wird das Publikum selbst zum Teil des Songs. Die Anweisung der Sängerin: „Ihr müsst ‚off‘ singen, bis ich weine.“
Lichtkegel über der Waldbühne
Als schließlich Lord of the Lost die Bühne übernehmen, hat sich nicht nur die Stimmung gegenüber dem frühen Abend verändert. Inzwischen ist es dunkel geworden im Vier-Jahreszeiten-Park – und damit bekommt die Show des Headliners auch optisch eine andere Dimension. Lichtkegel ziehen von der Bühne über die Zuschauer, Stroboskop-Blitze durchschneiden die Dunkelheit. Bei „Priest“ wird ein großes Drum-Intro mit eben diesen Lichtblitzen inszeniert.
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Musikalisch treffen bei der Band um Frontmann Chris Harms harte Gitarren und wuchtige Drums auf elektronische Klangflächen. Dazu kommt Harms’ markante Stimme – und eine Inszenierung, bei der Licht und Musik eng zusammenspielen. Harms sucht zugleich immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum. „Ich habe das Gefühl, dass ich gerade Zuschauer bin und ihr seid auf der Bühne. Das ist toll“, sagt er angesichts der Reaktionen vor ihm.
Etwas ausführlicher wird er vor „I Hate People“. Es gebe viele Gründe, Menschen lieb zu haben, erklärt der Sänger – allerdings auch genügend Gründe, sie nicht zu mögen. Dabei spricht er auch über den Umgang miteinander in sozialen Medien. Den folgenden Song bezeichnet Harms ausgerechnet als „Liebeslied an die Menschheit“. Zum Ende des Sets greift Lord of the Lost noch einmal auf einen bekannten Song zurück. Mit „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte bringt die Band einen der bekanntesten deutschsprachigen Songs gegen Rechtsextremismus auf die Sparkassen-Waldbühne. Beim Refrain bekommt die Band entsprechend lautstarke Unterstützung aus dem Publikum.
Mit Lord of the Lost endet so ein erster Festivaltag, an dem sich die Stimmung über die Stunden spürbar gesteigert hat. Was am frühen Abend mit dem Münsteraner Opener Avalanche Effect beginnt, entwickelt sich vor der Waldbühne zunehmend zu einem ausgelassenen Metalabend – bis schließlich Lichtkegel und Stroboskop-Blitze die inzwischen dunkle Kulisse des Vier-Jahreszeiten-Parks bestimmen. Am heutigen Samstag geht die fünfte Ausgabe des Oelde Open Airs weiter. Rising Insane und Callejon stehen auf der Sparkassen-Waldbühne, bevor Beyond the Black als Headliner das Festival beschließen. Es gibt noch Tickets für Kurzentschlossene.

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