So ein Firlefanz Coppenrath hat einen Klassiker der Kinderbuchliteratur neu aufgelegt

Der Kinderbuchklassiker wurde neu aufgelegt. (Foto: Bührke)
Der Kinderbuchklassiker wurde neu aufgelegt. (Foto: Bührke)

Die deutsche Variante der Bohem Press hat einer echten Perle der Kinderbuchliteratur zu neuem Leben verholfen, dem wunderschönen Klappbuch „Schöner Vogel Firlefanz“ von Christian Kämpf. 1973 erstmals erschienen, dürften einige seiner frühen Leserinnen und Leser inzwischen schon Großeltern sein. Der Originalität des Werks tut das allerdings keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

Da steht er also in der Landschaft, der große und schöne Vogel mit dem bunten Gefieder. Zwischen den Worten Anfang und Ende steht ein mysteriöser Satz, der auch Teil eines Werks der Skulptur Projekte sein könnte: „Die Geschichte denkt ganz wie von alleine“. Doch so ganz wie von alleine denkt sich das Buch nicht, es will entdeckt werden, und das läuft anders als bei den meisten Büchern. Zwischen den Pappdeckeln finden sich keine Seiten, sondern etwas, das an ein aufwendiges Faltblatt oder Leporello erinnert. Um den sich ständig ändernden Inhalt zu erkunden, werden die Seiten seitlich aufgezogen. Daher rührt auch der ursprüngliche Begriff Ziziezieh-Bilderbuch. So wird aus dem Schnabel des Vogels plötzlich eine rote Nase und immer mehr wundersame Fantasiegestalten bevölkern die Seiten. Auch der Text entwickelt sich immer weiter. Am Ende liegt auf dem Tisch oder der Bettdecke ein langes Panorama der tollsten Figuren und Objekte.

Ausgetauschter Text und verkehrter Vogel

Der Klappentext. (Foto: Bührke)
Der Klappentext. (Foto: Bührke)

Auf den ersten Blick wird klar, dass „Schöner Vogel Firlefanz“ kein Werk des 21. Jahrhunderts ist. Die bunten, fantasievollen Illustrationen von Christian Kämpf sprechen in jedem Detail die Sprache der Pop-Art und Psychedelic Cartoon Art der späten 60er und frühen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Filmfans erkennen eventuell eine gewisse Ähnlichkeit mit den Illustrationen des Trickfilms „Yellow Submarine“ (1968) von Heinz Edelmann, der auch den spookigen Vorspann der deutschen TV-Kultreihe „Der phantastische Film“ (1970) gezeichnet hat. Christian Kämpf gehört bis heute zu den bekanntesten Kinderbuchillustratoren Deutschlands. Der ursprüngliche Text von Lothar Klünner wurde ausgetauscht gegen den des Autors Thomas M. Hartmann. Ein ungewöhnlicher Schritt, zu dem sich der Verlag da entschlossen hat. Verlagssprecher Tomas Rensing erklärt die Gründe: „Der Autor ist inzwischen verstorben und wir konnten keinen Kontakt zu den Erben herausfinden“. Außerdem waren mehrere Begriffe so antiquiert, dass der Text ohne Erläuterung vermutlich stellenweise kaum zu verstehen gewesen wäre, vor allem nicht für Kinder. 

Wer noch das Original aus den 70ern besitzt, inzwischen übrigens ein gesuchtes Sammlerstück, wird eine weitere Veränderung bemerken. Auf der ursprünglichen Titelseite schaut der Vogel nach links, auf der neuen nach rechts. Auch hier kennt Rensing den Grund: „Der Illustrator und Annabel Lammers fanden es so dynamischer und es hat den Vorteil, sogleich die neue von der alten Auflage unterscheiden zu können.“ Annabel Lammers ist Programmleiterin bei Bohem Press.

Kein gewöhnliches Kinderbuch

An diesem Buch werden sehr unterschiedliche Menschen Freude haben. Zunächst vermutlich die Generation ab Mitte 50, die das Original noch aus ihrer Kindheit kennt, aber auch alle anderen, die Fans der etwas schrägen, leicht psychedelischen Variante des Pop-Art sind. Dann natürlich Kinder, die das Buch gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern entdecken. Auch, oder gerade weil, dieses Buch den Seh- und Lesegewohnheiten moderner Kinderbücher kaum entspricht, dürfte es spannend sein, wie die kleinen literarischen Entdeckerinnen und Entdecker auf „Schöner Vogel Firlefanz“ reagieren.

Schöner Vogel Firlefanz; Bohem Press GmbH. Erscheinungstermin: 17. August 2026, Sprache: Deutsch. Seitenzahl der Print-Ausgabe: 1; ISBN: 978-3-959-39258-7, Lesealter: Ab 3 Jahren. Abmessungen: 25,4 x 0,8 x 20,5 cm. 24,00 Euro (Hardcover)
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