Seltene Geburt im Allwetterzoo Persischer Leopard durch künstliche Besamung zur Welt gekommen

Fürsorglich trägt Nahla ihren Nachwuchs durch das Freigehege. (Foto: Markus Hagelstein)
Fürsorglich trägt Nahla ihren Nachwuchs durch das Freigehege. (Foto: Markus Hagelstein)

Große Freude im Allwetterzoo: Leopardin „Nahla“ hat vor rund drei Wochen ein Jungtier zur Welt gebracht. Die Geburt ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich: Zum einen gehört „Nahla“ zu den stark gefährdeten Persischen Leoparden – weltweit gibt es schätzungsweise weniger als 1000 Exemplare dieser Unterart. Zum anderen wurde die Trächtigkeit durch künstliche Besamung erreicht – ein bedeutender Fortschritt für den Artenschutz.

Das Junge wurde am 3. Juli in einer geschützten Höhle auf der Außenanlage geboren, wie es in einer Pressemitteilung des Allwetterzoos heißt. Erstmalig beobachtete das Tierpflegeteam am vergangenen Wochenende, wie „Nahla“ ihren Nachwuchs aktiv über das Gehege trug – ein klares Zeichen für das fürsorgliche Verhalten der jungen Mutter. „‚Nahla‘ kümmert sich sehr gut um ihr Junges und holt sich zuverlässig ihr tägliches Futter. Bisher läuft alles bestens – was wir zwar gehofft, aber bei einer Erstgebärenden nicht als selbstverständlich angesehen haben“, erklärt Dr. Imke Wiemann, Zootierärztin im Allwetterzoo Münster. Die vierjährige Leopardin wurde bereits zum zweiten Mal künstlich besamt. Die Spermien stammen von einem Männchen, das im Rahmen eines russischen Auswilderungsprojekts per Hand aufgezogen wurde und dem europäischen Erhaltungszuchtprogramm zur Verfügung steht. Bisher konnte dieses Männchen sich auf natürlichem Weg nicht fortpflanzen. „Dass nun auf diesem Weg ein Jungtier entstanden ist, ist ein wichtiger Erfolg – nicht nur für den Zoo, sondern für das gesamte Zuchtprogramm. Es bringt neue genetische Vielfalt in die Population“, betont Wiemann.

Das Leopardenjunge ist aktuell noch selten zu sehen. (Foto: Markus Hagelstein)
Das Leopardenjunge ist aktuell noch selten zu sehen. (Foto: Markus Hagelstein)

Die Besamung erfolgte vor etwa vier Monaten – bei Raubkatzen wie Leoparden lässt sich der optimale Zeitpunkt dafür gut erkennen, da sie in dieser Phase ein deutlich verändertes Verhalten zeigen. Der Eingriff selbst wurde unter Vollnarkose mit einer besonders schonenden Methode durchgeführt, die sich bereits zuvor im Zoo – etwa bei Goldkatzen – bewährt hat. Der Erfolg konnte anschließend über Hormonanalysen aus Kotproben bestätigt werden. Um „Nahla“ und ihrem Nachwuchs möglichst viel Ruhe zu gewähren, bleibt der hintere Bereich der Leopardenanlage weiterhin für Besucher*innen gesperrt. Auch das Pflegeteam vermeidet unnötige Störungen und betritt den Bereich nur im Notfall. Die erste tierärztliche Untersuchung des Jungtieres ist für etwa die achte Lebenswoche geplant. Dabei erfolgt auch die erste Impfung sowie eine Entwurmung.

Stark gefährdete Unterart mit Zukunftsperspektive

Der Persische Leopard wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet eingestuft. Die letzten freilebenden Tiere finden sich hauptsächlich im Iran sowie in wenigen Regionen des Kaukasus. „Das bei uns geborene Jungtier hat deshalb eine enorme Bedeutung für den Erhalt dieser seltenen Unterart“, so Wiemann. Unterstützung erhält der Allwetterzoo Münster bei seinen Bemühungen vom WWF Deutschland. In Zusammenarbeit wurde das „Team Leopard Münster“ gegründet – eine Unterstützergruppe, deren Mitglieder durch regelmäßige Spenden den Schutz der Leoparden fördern. „Gerade in Zeiten des beschleunigten Artensterbens leisten internationale Erhaltungszuchtprogramme einen unverzichtbaren Beitrag für den weltweiten Naturschutz“, betont Aurel Heidelberg, Referent für die Ökoregion Kaukasus beim WWF Deutschland. „Sie ermöglichen es, durch Wiederansiedlungsmaßnahmen Lebensräume wieder mit einst ausgestorbenen Arten zu beleben und stellen gleichzeitig essenzielles Fachwissen für den Schutz verbleibender Wildpopulationen bereit.“

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