
Der am kommenden Wochenende stattfindende NRW-Tag hat nicht nur das alljährliche Stadtfest „münster mittendrin“ zu einem seiner vielen Bestandteile degradiert. Auch das beliebte Kulturereignis „Schauraum – Das Fest der Museen und Galerien“ setzt dieses Jahr aus. Ganz verzichten müssen Kunstfreunde darauf aber nicht, denn das Kulturamt bietet für kommenden Samstag die gewohnten kostenlosen geführten Schauräume-Rundgänge zu Galerien und anderen Ausstellungsorten an. Einige Ausstellungen beginnen mit voller Absicht erst in dieser Woche zum NRW-Tag.
Wie sonst beim Kulturfestival „Schauraum“ laden Münsters Museen, Galerien und Ateliergemeinschaften während des NRW-Tages ein, die kulturelle Vielfalt der Stadt zu entdecken. 33 Kunst- und Kultureinrichtungen öffnen dafür am 29. August von 11 bis 19 Uhr ihre Türen und bieten bei freiem oder ermäßigtem Eintritt ein vielfältiges Programm.
Wer an den Schauräume-Rundgängen teilnehmen möchte, kann sich ab heute (Mittwoch, 26. August, 15 Uhr) für die begrenzten Plätze anmelden. Möglich ist das ausschließlich online unter https://schauraum.kunstraum-muenster.de/nrw-tag-2026/. Selbstverständlich können die Ausstellungen auch unabhängig von den Rundgängen besucht werden.
Geführte Spaziergänge im Überblick
Insgesamt 16 fachkundig begleitete Rundgänge zu ausgewählten Kunstorten bietet das Kulturamt an. Die kostenlosen einstündigen Spaziergänge führen durch die Innenstadt oder zum Hafen.
Rundgang 1: Galerie Ostendorff und Galerie Clasing; zeitgenössische Malerei und Skulptur, unter anderem mit Werken von Maxim Wakultschik, Marion Niessing und Juan del Rio; ab 14, 15, 17 und 18 Uhr; Treffpunkt: Info-Pagode am Historischen Rathaus.
Rundgang 2: Sammlung Deilmann und Diözesanbibliothek; von künstlerischem Nachwuchs der Kunstakademie bis zur Künstlervereinigung „Schanze“, ab 14.30, 15.30, 16.30 und 17.30 Uhr; Treffpunkt: Info-Pagode am Historischen Rathaus.
Rundgang 3: Kunsthandel Schlächter und Galerie Frye & Sohn; klassische Moderne trifft auf zeitgenössisches Stillleben von Thomas Weczerek; ab 15, 16, 17 und 18 Uhr; Treffpunkt: Info-Pagode am Historischen Rathaus.
Rundgang Hafen: Kunsthalle Münster und Speicher II; Filme und Skulpturen von Zauri Matikashvili sowie die Ausstellung „Doubt no doubt” mit Thomas Wrede, Stefan Kürten und dem Künstlerduo Wolfgang Winter/Berthold Hörbelt bei mike karstens projects; ab 15, 16, 17, 18 Uhr; Treffpunkt: Eingang Kunsthalle Münster/Speicher II, Hafenweg 28.
Einige der Ziele dieser Rundgänge stellen wir im Folgenden etwas ausführlicher vor.
„Verführung zum Sehen von Vielfalt“
Unter dem Titel „Light becoming Matter“ präsentiert die Galerie Ostendorff vom 29. August bis zum 19. September aktuelle Kunstwerke von Maxim Wakultschik. Oft sind es Portraits, die beim Vorbeigehen farblich und strukturell changieren. Wenn man sich nähert und genauer hinschaut, sieht man eine Unzahl an feinen, absolut regelmäßig parallel angeordneten, farbigen Holzstäbchen. Zwischen und hinter ihnen schimmern weitere Farben und Motivelemente durch, die die Tiefenwirkung potenzieren.
Einer anderen Technik bedienen sich die Werke der „Multipersonality Series“. Hier entstehen durch die gleichmäßige Zerteilung zweier gemalter Bilder in senkrechte Streifen und ihre wechselseitige Montage auf eine Auflage, die in gleich breite Lamellen nach vorne gefaltet ist, mindestens drei Bilder. Während der Bewegung des Betrachters vor dem Bild ergeben sich drei Hauptansichten: von links, von rechts und von vorne. Im frontalen Blick mischen sich beide Portraits. Momentan arbeitet Wakultschik an weiteren neuen Techniken. Man darf gespannt sein – immer jedoch entsteht für den Betrachter ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Fläche, Tiefe, Farbe, Licht und eigener Wahrnehmung. Die Ausstellung wird am Samstag (29. August) ab 16 Uhr bei Anwesenheit des Künstlers eröffnet.
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„Mit einem Augenzwinkern auf die Welt schauen“
Die Welt mit einem „anarchistischen Augenzwinkern“ zu betrachten: Dazu lädt die Diözesanbibliothek Münster ein, wenn sie ab Freitag, 28. August, vier Wochen lang eine Ausstellung der Freien Künstlergemeinschaft Schanze e.V. zeigt. Unter dem Titel „Ein anarchistisches Augenzwinkern“ sind bis Freitag, 25. September, aktuelle Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Gemeinschaft im Foyer der Diözesanbibliothek zu sehen. Die Werke zeichnen sich durch unterschiedliche künstlerische Positionen, Ausdrucksformen und Genres aus.
Die Ausstellung wird im Rahmen des NRW-Tags 2026 in Münster und der Veranstaltungsreihe „Schauräume. Museen und Galerien in Münster beim NRW-Tag“ am Freitag, 28. August, um 16 Uhr eröffnet. Darüber hinaus ist sie parallel zum NRW-Tag am Samstag, 29. August, von 11 bis 19 Uhr im Rahmen einer Sonderöffnung zu besichtigen. An diesem Tag erwartet die Gäste ein Begleitprogramm mit Lyriklesungen der ausstellenden Künstlerinnen und Künstler. Um 11.20 Uhr liest Thomas M. Hartmann, um 14 Uhr folgt eine Lesung mit Andreas Laugesen, bevor um 16 Uhr Miriam ihre Texte präsentiert.
Ab Montag, 31. August, ist die Ausstellung bis zum 25. September zu den regulären Öffnungszeiten der Diözesanbibliothek Münster von montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zugänglich. Der Eintritt ist frei. Die Freie Künstlergemeinschaft Schanze e.V. mit Sitz in Münster gehört zu den traditionsreichen Künstlervereinigungen der Region. 2019 beging sie ihr 100-jähriges Bestehen.
Spiel von Nähe und Distanz
Die Kunsthalle Münster zeigt noch bis zum 13. September mit „You may not want to be here“ die erste institutionelle Einzelausstellung von Zauri Matikashvili und gibt damit einen Einblick in das Schaffen des georgischen Künstlers, der seit 2005 in Münster lebt und arbeitet. Neben seiner neuen Zwei-Kanal-Installation Passing the Glass (2026), die im Rahmen der Ausstellung in der Kunsthalle Münster ihre Premiere feiert, werden mit In Katernberg (2022) und Made in Europe (2023) zudem zwei ältere Filme Matikashvilis gezeigt. Ergänzt werden die filmischen Werke durch seine Serie You may not want to be here (seit 2024) – eine Reihe von Skulpturen, die sich durch den gesamten Ausstellungsraum ziehen und in einen Dialog mit seinen filmischen Arbeiten treten.
Die Filme Zauri Matikashvilis sind einzelnen Personen, Personengruppen oder Orten gewidmet. Aus unterschiedlichen Perspektiven nimmt er Themen wie Identität, traditionelle Rollenbilder, Segregation, Zugehörigkeit, Zerrissenheit, Rassismus und zunehmende Repression in den Blick. Vor dem Hintergrund einer Regression der Demokratie, der Konfrontation mit einem zunehmenden autoritären Populismus, einem allgemeinen politischen Rechtsruck sowie der Zunahme sozialer Ungleichheiten besitzen die Werke Matikashvilis eine besondere Dringlichkeit.
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