
Die NATO und das Jugendnetzwerk socioMovens haben am Donnerstag, 1. Oktober, im Historischen Rathaus in Münster den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens erhalten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm die Auszeichnung für das Bündnis entgegen. Mehrere Demonstrationen in der Innenstadt richteten sich gegen die NATO-Ehrung.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei der Preisverleihung die Bedeutung der NATO für die Sicherheit Europas betont. „Unsere dringendste Verantwortung heute ist es, zu verhindern, dass sich die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges weiter auf Europa ausweiten“, sagte er in seiner Laudatio. Geschlossenheit gegenüber Moskau habe sich bewährt und erst die Voraussetzungen für Dialog geschaffen. Neben der Partnerschaft mit den USA brauche es ein starkes und sicherheitspolitisch selbstbewusstes Europa.
Dass ein Militärbündnis einen Friedenspreis erhält, habe viele überrascht, räumte Merz ein. Zur Begründung verwies er auf den Westfälischen Frieden von 1648: Die souveräne Gleichheit der Staaten und das Prinzip kollektiver Sicherheit stärkten die Kraft des Rechts gegenüber dem Recht des Stärkeren. Die Unterstützung der Ukraine diene deren Selbstverteidigung und nicht dazu, den Krieg zu verlängern.
Die ausrichtende Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) würdigt mit der Auszeichnung den Beitrag der NATO zu Stabilität und Zusammenarbeit. Die Jury nennt dafür insbesondere die Aufnahme Finnlands und Schwedens, die Unterstützung der Ukraine und den KFOR-Einsatz im Kosovo.
Rutte betont Verantwortung des Bündnisses
Kanzler Merz und der WWL-Vorsitzende Dr. Reinhard Zinkann überreichten die Auszeichnung an Mark Rutte. Der NATO-Generalsekretär betonte, der Preis gebühre nicht ihm persönlich, sondern allen, die für das Bündnis stehen und sich für dessen Arbeit einsetzen.

„Wir leben in schwierigen Zeiten, der Frieden ist prekär. Das Bündnis setzt alles daran, ihn zu bewahren. Deutschland geht dabei voran und steht im Herzen des Bündnisses“, sagte Rutte. Eine stärkere Rüstungsproduktion sei keine Kriegstreiberei, sondern diene der Sicherheit der Bürger.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte in seiner Eröffnungsrede ebenfalls an den Friedensschluss von 1648 erinnert. Dieser zeige, dass auch unter schwierigen Bedingungen Wege zum Frieden möglich seien. „Frieden braucht die Bereitschaft zum Kompromiss – allerdings nicht um jeden Preis.“
Jugendpreis für europäische Verständigung
Mit dem Jugendpreis für socioMovens – Giving Europe a Soul würdigte die WWL soziales Engagement und europäische Verständigung. Das Netzwerk bringt junge Menschen insbesondere in Mittel- und Osteuropa in sozialen und ökologischen Projektwochen zusammen. Viele bleiben anschließend in lokalen Gruppen und im europäischen Netzwerk aktiv.
Unterstütze unsere Arbeit
Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!
Laudator Kardinal Michael Czerny hob politischen Realismus, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft zur Versöhnung als Voraussetzungen einer dauerhaften Friedensordnung hervor. Diesen Ansatz sah er auch in der Arbeit von socioMovens, das junge Menschen zusammenbringe und den Austausch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen fördere.
Was das Engagement für die Beteiligten bedeutet, schilderte unter anderem Daria aus Rumänien. Bei einem Projekt in Brüssel und im Europäischen Parlament sei ihr bewusst geworden, dass sie politisch etwas beitragen könne. „Ich habe eine Stimme und sie sollte gehört werden“, sagte sie. Ann aus Zagreb beschrieb freiwilliges Engagement als dauerhaftes Lernen durch die Begegnung mit anderen Menschen.
Dr. Reinhard Zinkann von der WWL betonte zum Abschluss, Verantwortung bedeute nicht allein höhere Verteidigungshaushalte, sondern auch Verständigung und den Bau von Brücken. Der Jugendpreis würdige die Fähigkeit junger Menschen, Frieden mit Leben zu füllen.
Protest gegen die NATO-Auszeichnung
Während der Verleihung gab es in der Innenstadt Proteste. Am Michaelisplatz fand eine Kundgebung statt, auch vor der Lambertikirche versammelten sich Demonstrierende. Als die Gäste zum Abschluss auf den Sentenzbogen des Rathauses traten, übertönten lautstarke Rufe der Gegendemonstranten die von einer Kapelle gespielten Nationalhymnen.

Zu einem Demonstrationszug vom Schlossplatz hatten die DFG-VK Münster, die Friedensinitiative Münster (FiM), die Pax Christi Basisgruppe Münster, die Initiative „Signal aus Münster u. Osnabrück“ und der DGB Münster aufgerufen. Die Gruppen kritisieren, die Ehrung eines Militärbündnisses verwische den Unterschied zwischen ziviler Konfliktlösung und militärischer Machtpolitik. Auch das Bündnis „Frieden statt NATO“ hatte mobilisiert. Die Aufrufe verbanden die Kritik mit Forderungen nach Diplomatie und Abrüstung.
Gegen 19:00 Uhr waren alle angemeldeten Versammlungen beendet. Laut einer Polizeisprecherin seien in der Spitze etwa 260 Teilnehmende gezählt worden. Soweit sei alles friedlich verlaufen.

Bereits bei einem Bürgerdialog der WWL im Mai waren unterschiedliche Positionen deutlich geworden. „Der Preisträger passt nicht zum Preis“, erklärte die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder laut einem Bericht der Landeskirche. Der frühere Staatsminister Michael Roth hielt dem entgegen: „Die NATO stellt eine der Voraussetzungen für Frieden dar.“
Alternativer Friedenspreis für Connection
Einen Gegenentwurf zur NATO-Ehrung setzte eine Initiative aus Münsters Bürgerschaft mit dem Alternativen Westfälischen Friedenspreis. Die erste, mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt Connection e.V. am 25. September im Historischen Rathaus. Die evangelische Theologin Margot Käßmann hielt die Laudatio. Connection unterstützt international Kriegsdienstverweigerer und Deserteure. Die Veranstalter wollen damit den Schutz von Menschen würdigen, die sich aus Gewissensgründen dem Militärdienst und dem Krieg entziehen.
Friedenspreis seit 1998
Die WWL ist ein Zusammenschluss von rund 120 Unternehmern, Institutionen und Persönlichkeiten aus Westfalen und Lippe. Sie vergibt den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens regulär alle zwei Jahre für besonderes Engagement für nachhaltigen Frieden und internationale Verständigung. Haupt- und Jugendpreis sind mit insgesamt 100.000 Euro dotiert. Die erste Verleihung fand 1998 zum 350. Jahrestag des Friedensschlusses statt.
2025 erhielt die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer einen Sonderpreis. Im Jahr zuvor wurden Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und das Deutsch-Polnische Jugendwerk ausgezeichnet. Zu den früheren Preisträgern gehören auch Alexis Tsipras und Zoran Zaev, die für ihre Einigung im Namensstreit zwischen Griechenland und Nordmazedonien gewürdigt wurden.
- DGB Münster fordert schärferen Mieterschutz - 16. Oktober 2026
- Herbstsend bekommt Kameraüberwachung - 14. Oktober 2026
- Kein Blindgänger an der Lambertikirche<span class="badge-status" style="background:#004F9F">Liveblog</span> - 11. Oktober 2026
- <span class="entry-title-primary">Rutte nimmt Friedenspreis entgegen</span> <span class="entry-subtitle">NATO und Jugendnetzwerk socioMovens in Münster ausgezeichnet – Proteste begleiten die Verleihung</span> - 1. Oktober 2026
- Westfälischer Friedenspreis 2026<span class="badge-status" style="background:#004F9F">Liveblog</span> - 1. Oktober 2026
- Fotostrecke: NRW-Tag (28.-30.08.2026) - 31. August 2026
- Münsters FDP wächst zur Ratsfraktion – mit ehemaligem AfD-Mandat - 3. Oktober 2026
- <span class="entry-title-primary">Rutte nimmt Friedenspreis entgegen</span> <span class="entry-subtitle">NATO und Jugendnetzwerk socioMovens in Münster ausgezeichnet – Proteste begleiten die Verleihung</span> - 1. Oktober 2026
- Westfälischer Friedenspreis 2026<span class="badge-status" style="background:#004F9F">Liveblog</span> - 1. Oktober 2026
Unterstütze unsere Arbeit
Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!
