
Aus den 60 Larven, die im November 2024 aus einer Pfütze im Tiergarten Wolbeck geborgen wurden, sind mittlerweile rund sieben Zentimeter große Feuersalamander geworden. In der Artenschutzstation des Allwetterzoos Münster wachsen sie unter geschützten Bedingungen auf – mit deutlich besseren Überlebenschancen als in freier Wildbahn. Denn dort grassiert der Hautpilz Bsal, der 2013 erstmals nachgewiesen wurde und seitdem ganze Feuersalamander-Populationen ausgelöscht hat. In Deutschland ist Nordrhein-Westfalen das am stärksten betroffene Bundesland. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Pilz auch das Münsterland erreicht.
Die Larven stammen aus einer Rettungsaktion der NABU-Naturschutzstation Münsterland. „Wir sind froh, dass wir die Larven, die die NABU-Naturschutzstation Münsterland gerettet hat, aufnehmen konnten. Die Tiere haben sich gut entwickelt und wir hatten nur wenige Verluste. Eine gewisse Larvensterblichkeit ist zwar normal, bei uns waren es zum Glück aber nur fünf, die die Weiterentwicklung zum Feuersalamander nicht geschafft haben“, sagt Dr. Philipp Wagner, Kurator für Artenschutz und Forschung im Allwetterzoo Münster. Die verbliebenen 55 Tiere seien der Startpunkt einer Erhaltungszucht, mit der der Zoo langfristig regionale Populationen sichern wolle.
Die Artenschutzstation bietet Schutz, ist jedoch bewusst nicht hermetisch abgeriegelt. Durch ein teilweise offenes Dach gelangen Regenwasser, Laub oder kleine Tiere hinein. Kurator Wagner erklärt: „Das ist absichtlich so, damit die Tiere mit Keimen und Bakterien in Kontakt kommen und auch normale Temperaturschwankungen erleben. Unser langfristiges Ziel ist es, dass wir Tiere auswildern können.“
Jede gerettete Tierart kann entscheidend sein
Immer wieder wird hinterfragt, ob sich der Aufwand für eine solch kleine Tierart wie den Feuersalamander überhaupt lohnt, da seine Rettung keinen direkten Nutzen für den Menschen hat. Doch Wagner widerspricht solchen Zweifeln. Das Ökosystem gleiche einem Jenga-Turm, sagt er. „Jedes Mal, wenn eine Tierart ausstirbt, wird ein kleiner Holzscheitel herausgezogen. Irgendwann wird der Turm wackelig und stürzt ein. Doch wann das sein wird, und welches Holzstück ihn zum Einstürzen bringt, ist im Vorhinein nicht klar.“ Es sei daher die Verantwortung des Menschen, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten – und dafür könne der Feuersalamander wichtig sein.

Abfallwirtschaftsbetriebe Münster unterstützen den Allwetterzoo
Unterstützt wird der Allwetterzoo seit Jahren von den Abfallwirtschaftsbetrieben Münster (awm). Ohne diese Hilfe wäre das Projekt kaum in der jetzigen Form möglich. „Als ein Unternehmen, dem Nachhaltigkeit und Artenschutz sehr wichtig sind, ist das Feuersalamander-Projekt eines, das wir sehr gerne unterstützen. Die neue Artenschutzstation ist ein wichtiger Meilenstein und macht uns zu stolzen Paten von 55 beeindruckenden und schützenswerten Tieren“, sagt Dr. Daniel Baumkötter, technischer Betriebsleiter der awm. „Wir freuen uns nicht nur darauf ihre Entwicklung auch in den kommenden Jahren beobachten zu dürfen und das Projekt begleiten zu können. Gemeinsam mit dem Zoo wollen wir perspektivisch zu weiteren Projekten für den Tier-und Artenschutz zusammenarbeiten, die wir selbst im Kontext von Rekultivierungsmaßnehmen der Zentraldeponie II in Coerde umsetzen wollen.“
