Retten, bis niemand mehr ertrinken muss Titus Molkenbur ist seit 10 Jahren in der zivilen Seenotrettung aktiv / Unser Interview mit dem gebürtige Münsteraner im Vorstand von Sea-Watch e.V.

Die Aurora, eines von insgesamt zwei Schiffen, dass Sea-Watch aktuell im Mittelmeer im Einsatz hat. (Foto: Milad Amin)

Endlich Sommer. Das bedeutet für viele Menschen, dass Besuche an Badeseen, an den Kanal oder auch ins Freibad anstehen, um Spaß, Erholung und vor allem Erfrischung zu finden. Wer in den Urlaub fährt, hat oft das Meer als Ziel. Nord- und Ostsee, Atlantik oder auch das Mittelmeer. Gerade letzteres steht für mediterranen Genuss und Erholung wie kein zweites in Europa.

Doch das Mittelmeer steht wie kein zweiter Ort für eine komplexe politische Situation: Migration. Die leidtragenden sind Menschen, die als letzten Ausweg auf ein sicheres und geordnetes Leben für sich und ihre Familien den Weg nach Europa suchen. Doch das Übersetzen von Nordafrika oder der Türkei birgt viele Gefahren und endet für viele Menschen tödlich. Entweder durch Ertrinken oder durch Pushbacks und die Rückführung durch insbesondere Libysche Kräfte, die die Boote abfangen und die Menschen auf den überfüllten Booten zurückbringen und in der Regel in Internierungslager bringen.

Die, die es in internationale Gewässer schaffen geraten dafür in vielen Fällen in Seenot. Hilfe bekommen sie hier von der zivilen Seenotrettung. Einer, der diese in den vergangenen 10 Jahren aktiv mitgeprägt und erlebt hat ist der gebürtige Münsteraner Titus Molkenbur. Er ist seit 2024 im Vorstand von Sea-Watch e.V., einer Nichtregierungsorganisation, die nach eigenen Angaben nicht wegschaut, die hilft und immer wieder dafür sorgt, dass das Sterben im Mittelmeer nicht in Vergessenheit gerät.

Alles Münster hatte die Chance sich mit Titus Molkenbur zu unterhalten.

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Du bist seit Jahren in Berlin, bist aber Münsteraner, oder?

Das Stimmt. Meine Eltern leben auch noch immer in Münster. Ich selbst bin aber nach meinem Abi am Paulinum im Jahr 2010 erst nach Bayreuth zum Studium, und dann nach Berlin gekommen.

Das Thema zivile Seenotrettung bestimmt schon länger dein privates wie berufliches Leben. Kannst Du einmal Deinen Werdegang kurz zusammenfassen?

Angefangen hat alles, als ich als eines der Gründungsmitglieder von Jugend Rettet, einer NGO junger Menschen, die sich der Rettung von Menschenleben auf See verschrieben, habe. Mit unserem Schiff, der IUVENTA, retteten wir im Jahr 2016 mehr als 14.000 Menschen. Im Herbst 2017 schrieb ich mich für den Master Migration Mobility and Development in London ein. Bevor ich bei Jugend Rettet anfing, hatte ich einen Bachelor in Philosophie und VWL gemacht. Der Master war dann ein Versuch, alles, was ich mit Jugend Rettet erlebt hatte, besser zu verstehen.

2020 wurde die lebensrettende Arbeit unserer Crew mit dem Amnesty International Human Rights Award ausgezeichnet. Als Geschäftsleiter von United4Rescue baute ich bis Dezember 2020 das größte zivilgesellschaftliche Bündnis zur Förderung der Seenotrettung auf. Dort koordinierte ich die Kampagne „Wir schicken ein Schiff“, welche das Versprechen der evangelischen Kirche umsetzte, ein weiteres Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken. Seit Juli 2021 bin ich bei der NGO Sea-Watch e.V. und dort seit Oktober 2024 Teil des geschäftsführenden Vorstandes.

Wenn Du auf die vergangenen 10 Jahre zivile Seenotrettung zurückblickst. Was hat sich in dieser Dekade für Dich und die Seenotrettung generell verändert?

Das gesamte Thema ist medial in den Hintergrund getreten. Und wenn es einmal in den Medien behandelt wird, dann immer sehr negativ. Migration wird immer häufiger als Ausrede genutzt, um von anderen Problemen und Verfehlungen von Politik und Co abzulenken. So haben leider immer mehr Parteien der sogenannten „Mitte“ rechtspopulistische Positionen übernommen. Schuld sind immer die anderen. Migration wird nur noch als Problem diskutiert.

Hast Du Zahlen, an denen die Dimensionen erkennbar werden?

Seit 2015 waren zivile Seenotrettungsorganisationen an der Rettung von über 175.000 Menschen beteiligt. Seit 2014, dem Beginn der Aufzeichnung, sind laut der Internationalen Organisation für Migration über 32.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Seit 2022 steigt die Todesrate auf dem zentralen Mittelmeer wieder an. Allein im vergangenen Jahr waren das 2573 Menschen, und die Dunkelziffer dürfte sehr viel höher sein. Und da sind Pushbacks und Rückführungen nach Libyen noch nicht mit inbegriffen.

Das ist aber ein sehr negativer Blick. Gibt es denn auch positives zu berichten?

Ja, auf jeden Fall. Die zivilgesellschaftliche Unterstützung nach wie vor sehr groß. United4Rescue hat rund 1000 Bündnispartner:innen. Es gibt zehntausende, die uns als Fördermitglieder oder durch Spenden jeden Monat unterstützen. Europaweit sind 21, darunter zehn deutsche Nichtregierungsorganisationen, in der Seenotrettung aktiv.

„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Dieser Satz stammt vom Evangelischen Kirchentag 2019. Er war Teil der Abschlusspredigt von Sandra Bils. (Foto: Lynn Giersberg)

Vor 10 Jahren wurde Sea-Watch gegründet. Vor 10 Jahren sagte die Bundeskanzlerin a.D., Angela Merkel, auch den gewichtigen Satz „Wir schaffen das!“ Aber haben wir es auch geschafft? Was sind die aktuellen Herausforderungen?

Da ist der gesellschaftliche Rechtsruck, die Polarisierung der Gesellschaft und des Diskurses eines der größten Probleme. Zudem treffen uns als spendenfinanzierte Organisation auch die Themen Inflation und finanzielle Lage unsere Unterstützer. Diese multiplen Krisen führen zu weniger Spenden. Zudem wird die Rettung von in Seenot geratenen für uns und unsere Partner:innen immer schwieriger.

Inwiefern wird das schwieriger?

Wenn ein Schiff Menschen aus Seenot gerettet hat, darf es nicht mehr den nächstgelegenen, eigentlich immer italienischen, Hafen ansteuern. Es werden Häfen zugewiesen, die sehr weit weg sind. Das kostet Zeit und Treibstoff und geht vor allem auf Gesundheit und Wohlbefinden der Geretteten. Auch muss sich ein Schiff umgehend auf den Weg zu diesem Hafen machen.

Aber macht sich ein Schiff nicht eh immer nach der Inobhutnahme von gerettet direkt auf den Weg zu einem „sicheren“ Hafen?

Die Praxis war in der Vergangenheit eigentlich eine andere. So können Schiffe wie die Sea-Watch 5 mehrere Hundert Menschen aufnehmen und temporär versorgen. Damit konnten immer mehrere in Seenotgeratene Boote und ihre Besatzungen aufgenommen werden. Mit der neuen Direktive, die gegen geltendes Recht verstößt, müssen wir nach der Aufnahme sofort zurück. Egal, ob wir einen oder hunderte Menschen gerettet haben.

Was sagt denn die deutsche Politik dazu, dass ausgewählte Deutsche Schiffe so anders behandelt werden als die vielen tausend anderen, auch unter deutscher Flagge fahrenden, die im Mittelmeer kreuzen?

Was soll von einer Regierung erwartet werden, die Menschenrechte angreift und infrage stellt. Das gilt ja nicht nur für die Migrationsbewegungen auf dem Mittelmeer. Auch bei Migrant:innen, die die Kanaren über den Atlantik erreichen wollen oder den Landweg über die Balkanroute und die anderen Fluchtrouten nutzen. Die Regierungsparteien CDU und SPD übernehmen immer mehr AfD Positionen. Ganz aktuell hat ja das Auswärtige Amt die finanzielle Unterstützung für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer und anderswo eingestellt. Das Argument: Wir Seenotretter würde de facto mit Schleppergruppen zusammenwirken und irreguläre Migration fördern. Ein Mythos der Rechten, der auf mehreren Ebenen falsch ist.

Zum Beispiel?

Wir würden vor der Küste Libyens warten und Lichtsignale an die Schlepper senden. Aber da wir nicht in Hoheitsgewässer der Libyer fahren, müssten wir einen mindestens 150 Meter hohen Turm auf dem Schiff haben, nur um die Erdkrümmung zu überbrücken. Von der Lichtquelle, die 12 Seemeilen (22,224 km, Anmerk. der Red.) weit scheint mal ganz abgesehen. Und dann ist da die schiere Größe der Meeresoberfläche und unseren wenigen Boote. Da eine koordinierte Aktion abzulesen, ohne dafür aber auch nur einen Beweis vorlegen zu können, das ist extrem fadenscheinig und durchsichtig. Hier geht es nur um rechte Klientelpolitik und das ablenken von den eigenen, hausgemachten Problemen daheim. Wer nach Zusammenarbeit mit Schleppern sucht, sollte sich die von der EU finanzierte sogenannte libyische Küstenwache anschauen, die nachweislich in Menschenhandel involviert ist.

Und was die Italiener angeht: Italien hat schon faschistische Regierung. So verstößt Piantedosi gegen internationales Recht und Flüchtende und Retter:innen werden kriminalisiert. Kein Tag an EU-Außengrenzen, an denen nicht Rechtsbrüche stattfinden. Erst gestern hat eines unserer Flugzeuge wieder fünf Leichen auf dem Wasser treiben sehen.

Piantedosi? Du meinst Matteo Piantedosi, den seit Oktober 2022 tätigen Innenminister Italiens?

Genau den meine ich, bzw. das Piantedosi Dekret vom Januar 2023. Die rechte italienische Meloni-Regierung eskalierte die Behinderung der zivilen Flotte seitdem durch 28 Festsetzungen von zivilen Rettungsschiffen sowie der systematischen Zuweisung weit entfernter Häfen zur Ausschiffung geretteter Personen.

Die dadurch verursachten, unnötigen Fahrtzeiten der zivilen Flotte summieren sich auf mehr als 761 verlorene Tage Einsatzzeit. Das entspricht über zwei Jahre durchgehenden Rettungseinsatz für ein Schiff. Die 300.000 zusätzlich zurückgelegten Kilometer entsprechen mehr als sieben Erdumrundungen. Insgesamt verlor die zivile Flotte durch Festsetzungen und die Zuweisung entfernter Häfen mehr als 1.300 Einsatztage, was mehr als 3,5 Jahren entspricht.

Hat es hier in den vergangenen 10 Jahren noch weitere größere Veränderungen gegeben?

Klar. Sea-Watch, und das ist uns ganz wichtig, ist hier nur eines von sehr vielen tollen Beispielen, was Zivilgesellschaft leisten kann, aber wir alle stehen vor den gleichen Herausforderungen. Alle Akteur:innen mussten lernen, dass wir uns nicht (mehr) auf die Politik verlassen können. Dabei gab es am Anfang richtig gute Kooperationen. Insgesamt waren wir bei der Rettung von 47.000 Menschen beteiligt und arbeiten hier eng und gut mit anderen NGOs gut zusammen. So ist unser Schiff Aurora in erster Linie dafür da, die Situation zu stabilisieren und italienische Behörden zur Rettung zu bewegen. In der Regel sind es dann aber andere Schiffe wie unsere Sea-Watch 5 oder auch die Humaity 1 vom Verein SOS Humanity, die die Menschen an Bord nehmen und an Land bringen. Ganz am Anfang haben wir auch gemeinsam staatlichen Institutionen kooperiert, aber das ist schon lange her. Und heute, dass Malta nicht mal mehr ans Telefon und rettet nicht, ITA MRCC informiert zivile Schiffe nicht.

ITA MRCC was?

Das steht für die italienische Seenotrettungsleistelle. Wenn ein Boot in Seenot gerät, dann ist für die Koordinierung des Such- und Rettungseinsatzes der Staat zuständig, in dessen Such- und Rettungsregion sich das Boot befindet. Das regelt das Internationale Übereinkommen von 1979 zur Seenotrettung, das SAR-Übereinkommen. Jegliche Informationen über einen Seenotfall werden an das zuständige RCC (Rescue Coordination Centre) weitergeleitet. Sofern es eine explizite Seenotrettungsleitstellen in einem Staat gibt, wird von MRCCs (englisch: Maritime Rescue Coordination Center) gesprochen.

Aber müsst ihr denn zwingend mit den Italienern zusammenarbeiten? Es gibt doch noch andere Mittelmeeranrainerstaaten.

Ohne Italien geht es nicht. Das Land ist aktuell der einzige Staat in unserem Einsatzgebiet, der die Rettungseinsätze ziviler Schiffe koordiniert und Rettungsschiffen einen sicheren Hafen zuweist.

Zurück zu Euch und Eurer Arbeit. Wie ist Sea-Watch aktuell im Mittelmeer aufgestellt?

Wir haben 150 Angestellte, betreiben zwei Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge. Zudem verstehen wir uns als Netzwerker. Nur wenn wir alle gemeinsam handeln, uns absprechen und koordinieren, haben wir eine Chance effektiv zu helfen.

Schiffe leuchten mir ein. Aber warum habt Ihr Flugzeuge?

Die Crew unserer Flugzeuge dokumentiert in erster Linie Menschenrechtsbrüche, die wir leider fast täglich erleben. Und da sind europäische Staaten oder die Grenzagentur Frontex involviert, die wir versuchen zur Verantwortung zu ziehen. Da uns die Behörden keine Informationen zukommen lassen und vor allem mit Libyschen, von der EU finanzierten Milizen zusammenarbeiten, müssen wir selbst herausfinden, wo unsere Hilfe benötigt wird. Flugzeuge sind da einfach das beste aller Mittel, da sie schnell einen großen Aktionsradius überblicken können und die Koordinaten dann an Behörden und Schiffe in der Umgebung weitergeben können.

Libysche Milizen? Das klingt aber nicht nach dem Friedensnobelpreisträger EU?

Libyen ist das Haupttransitland von Menschen, die von Nordafrika aus sichere EU-Staaten erreichen wollen. Momentan befinden sich rund 65.000 von UNHCR (UNO-Flüchtlingshilfe) registrierte Flüchtende und Asylsuchende in Libyen.

Das alles hier im Detail aufzuarbeiten, würde den Rahmen sprengen und ist ein eigenes Thema für sich. Aber das, was die EU und ihre Grenzschutzbehörde FRONTEX in Zusammenarbeit mit den Milizen macht ist, um es möglichst neutral auszudrücken, sehr unmenschlich. Die Zahlen gehen seit 2023 wieder zurück.

Demgegenüber steigt die Todesrate. Menschen werden durch „Migrationsabkommen“ und schmutzige Deals mit Milizen auf immer gefährlichere Routen gedrängt.

Die meisten Flüchtenden und Migrant:innen versuchen, einen sicheren Hafen in Italien zu erreichen. Die sogenannte libysche Küstenwache fängt viele dieser Personen ab und bringt sie in Internierungslager. 2023 griffen die libyschen Küstenwachen mehr als 21.000 Menschen auf, die die Überfahrt wagten. (Mehr zu dem Thema gibt es beim Recherchenetzwerk Outlaw Ocean unter www.theoutlawocean.com, Anmerk. d. Red,)

Seit 2015 wurden mindestens 336.057 Menschen auf der Flucht abgefangen und nach Libyen und Tunesien zurück gezwungen, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. In den vergangenen 10 Jahren hat die EU die tunesischen und libyschen Behörden im Bereich Grenzkontrolle, einschließlich der sogenannten libyschen und der tunesischen Rettungsleitstelle und Küstenwache, mit rund 242 Millionen Euro finanziert und sich somit an den Menschenrechtsverletzungen mitverantwortlich gemacht.

Die EU will das Mittelmeer zu einer Black Box machen und sich bestmöglich abschotten. Kapital kann und soll sich frei bewegen können – Menschen aber nicht. Deswegen gibt es auch Mare Solidale. Ein Rettungsprogramm für das zentrale Mittelmeer, das wir versuchen, auch politisch in der EU fest zu verankern.

Crewmitglied der Seabird sucht mit einem Fernglas nach Booten in Seenot im zentralen Mittelmeer. (Foto: Vic Harster)

Um was genau handelt es sich bei Mare Solidale?

Der ganze Titel ist: Mare Solidale, ein Meer der Solidarität. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen – wie könnte ein europäisches Rettungsprogramm heute aussehen? Es handelt sich um ein europäisches Rettungsprogramm. Es würde auf den internationalen Übereinkommen basieren, insbesondere dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), dem Internationalen Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) und der Internationalen Konvention für Seenotrettung (SAR-Konvention). Diese Übereinkommen regeln die Rettung von Menschen in Seenot und deren Ausschiffung an sicheren Orten. Die Europäische Kommission hat durch ihr Mandat die Möglichkeit, ein derartiges Programm zu initiieren und koordinieren und ist somit die geeignete Institution, um solch ein Programm zu starten. Wer mehr wissen will, der kann alles unter sea-watch.org nachlesen.

Das klingt ambitioniert. Aber wie geht ihr mit Kritikern in Eurem direkten Umfeld um?

Das ist nicht weniger wichtiger als die politische Arbeit. Denn im direkten Dialog geht es nicht um Zahlen und Statistiken, da geht es um Menschen, um Nachbarn und Gesichter, die täglich auf den Straßen sehen. Im Internet ist schnell was geschrieben. Aber im direkten Austausch von Angesicht zu Angesicht zu sagen, dass unsere Arbeit falsch ist, dem kann ich dann direkt entgegnen: Also bist Du für die Barbarei und bist damit okay, dass Menschen, auch Kinder, für Deine Einstellung sterben. Ist dir das wirklich egal? Die Personen müssten sich ja sonst für eine andere Lösung einsetzen – etwas an ihrer Einstellung und ihrem eigenen Handeln ändern. So einfach ist das.

Sea-Watch ist nicht nur auf dem Mittelmeer aktiv. Der Verein ist auch aktiv dabei die Problematik und die Gefahren der über das Mittelmeer zu flüchtenden Menschen in die Öffentlichkeit zu tragen. (Foto: Tobias Koenig)

Das ist sicherlich schwierig und persönlich aufreibend. Aber das hat dann auch zur Folge, dass erlebte aufzuarbeiten. Nicht nur die Anfeindungen im Internet. Wenn Eure Crews Menschen retten oder gezwungen sind, nur noch die Leichen zu bergen, das macht etwas mit ihnen. Wie helft Ihr den Menschen, das erlebte zu verarbeiten?

Das macht wirklich etwas mit einem. Ich selbst war auch schon auf einem Schiff im Mittelmeer aktiv. Auch habe ich sehr konkrete Morddrohungen bekommen, da unsere Arbeit von Faschisten als Gefahr gesehen wird. Aus diesem Grund haben wir ein Supervisionsnetzwerk aufgebaut. Mit vielen Unterstützern können wir unseren ehren- und hauptamtlichen Mitgliedern sowie den Menschen der anderen Akteure die neben Sea-Watsch im Mittelmeer aktiv sind, helfen, das erlebte zu verarbeiten. Wir sind da also sehr privilegiert, Flüchtende haben diese Möglichkeiten nicht, obwohl sie viele Schlimmeres durchleben müssen.

Wie sieht denn Eure Zukunftsplanung aus?

Ganz einfach, eigentlich. Wir Retten, bis niemand mehr ertrinken muss, auch wenn Gegenwind stärker wird. Deswegen auch der Vorstoß mit Mare Solidale. Perspektivisch sind sichere und legale Fluchtwege die einzige Lösung. Zumal Migration etwas völlig Normales für Menschen ist und schon seit Jahrtausend geschieht – aus den unterschiedlichsten Motivationsgründen. Veränderung passiert nur durch Druck auf Politik. Und da müssen alle mithelfen, das Thema im Fokus behalten, uns informieren und Druck machen. Politische Kategorien sind veränderbar.

Danke für das Gespräch, aber eine Abschlussfrage brennt dann doch noch unter den Nägeln. Ein Titus aus Münster?

Ja, der Name ist im Kontext mit Münster schon besonders zu sehen (lacht!). Und auch ich war in meinen Jugendjahren mit dem Board unterwegs. Aber das Projekt Skateboarden ist krachend gescheitert. Ich habe mich dann auf andere Dinge fokussiert.

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