Punkrock-Wochenende für die ganze Familie Die Donots rockten beim Grand Münster Slam mit Fans und Freunden die Halle Münsterland.

Die Donots rocken beim Grand Münster Slam mit Fans und Freunden die Halle Münsterland. (Foto: Thomas Hölscher)

Was für ein Wochenende für Freunde der gepflegten Sportgitarre! Nicht einmal, nicht zweimal, nein gleich dreimal ging es für die Donots beim diesjährigen Grand Münster Slam auf die große Bühne in der Halle Münsterland. Zwei fette Abendshows ist man von den Donots ja schon gewohnt – schließlich findet der Grand Münster Slam schon zum achten Mal seit 2010 statt. dieses Mal setzte die bekannteste Ibbenbürener Band Münsters mit einem speziellen Konzert für Kinder am Samstagmittag dem ganzen nochmal eine Kirsche aufs Sahnehäubchen.

Eine musikalische und sportliche Höchstleistung, denn wer die Donots kennt, weiß, dass es bei Ihnen kein Halbgas gibt, sondern bei jedem Gig mindestens 120 Prozent gegeben werden. Wir haben uns am Samstagabend bei der finalen Show des Wochenendes einen Eindruck verschafft, ob die sympathischen Punkrocker dieses Marathonwochenende heil überstehen können.

Schon lange vor Einlass ist die Vorfreude deutlich sichtbar, die Schlange am Eingang der Halle Münsterland reicht fast bis zum Kino. Immerhin sind beide Samstagsshows ausverkauft, bei der zusätzlich anberaumten Show am Freitag gab es nur noch ein paar Restkarten an der Abendkasse. Der große Zuspruch ist nicht weiter verwunderlich, jeder Abend des Grand Münster Slams ist ein kleines Festival für sich, denn traditionell wird nicht an reichlich hochkarätigem Support gespart.

Britisches Duo mit maximaler Durchschlagskraft
„The Meffs“ aus Essex bieten ein würdiges Warm-Up. (Foto: Thomas Hölscher)
„The Meffs“ aus Essex bieten ein würdiges Warm-Up. (Foto: Thomas Hölscher)

Auch bei der Bandauswahl für den Samstagabend beweisen die Gastgeber ein glückliches Händchen, wie schon um kurz nach 18 Uhr „The Meffs“ aus Essex eindrücklich unter Beweis stellen. Das britische Duo klingt definitiv, als wären mehr als zwei Leute auf der Bühne. Doch Lily Hopkins an Gitarre und Leadgesang und Lewis Copsey an den Drums schaffen es selbst zu zweit, wie eine komplette Band zu klingen. Das liegt vor allem an der unglaublichen Soundwand, die Hopkins dank gut ausgestattetem Effektbrett ihrer Gitarre entlockt, dabei ebenso energiegeladen wie mitreißend die Stimmbänder einsetzt, während Copsey dazu mit gekonnter Präzision die Trommeln bearbeitet. Ein würdiges Warm-Up, das in anderen Konstellationen locker als Headliner-Show durchgehen würde.

Heisskalt liefern experimentierfreudige Klangwände
Der großen Soundwand schließen sich „Heisskalt“ nahtlos an. (Foto: Thomas Hölscher)

Der großen Soundwand schließen sich „Heisskalt“ nahtlos an, wenn auch direkt in doppelt so großer Besetzung. Auch hier wird mit einem ausgesprochen variablen Gitarrensound beeindruckt, jedes Saiteninstrument darf sein Signal durch jeweils ungefähr einen Quadratmeter Effektboard pumpen, was durchaus an die Klangwände experimentierfreudiger 70er-Jahre-Rockbands erinnert. Nur halt in gut und eingängig. Energetisch lässt man hier nichts anbrennen, wer kann, macht reichlich Kilometer während des Sets. Textlich merkt man, dass viel Hirnschmalz investiert wurde, alles klingt sehr authentisch, dabei aber durchdacht und auf eine Weise einfach wirkend, die im Vorhinein sehr viel Arbeit erfordert. Chapeau, auf die ein oder andere Zeile samt lässigem Vortrag wären selbst die großen Kettcar stolz.

Volle Breitseite Elektropoppunk aus Berlin
Eine Show, die man wirklich erlebt haben muss: Großstadtgeflüster aus Berlin. (Foto: Thomas Hölscher)

Beim letzten Support-Act wird die Bühne samt Banner mit Bandlogo etwas größer, immerhin entern Großstadtgeflüster aus „einem kleinen Vorort von Potsdam“ die Bretter. Und wie sie das tun! Nach einem epischen, geigenlastigen Intro bekommt das Publikum die volle Breitseite Elektropoppunk um die Ohren gehauen. Sängerin Jen Bender hat mit ihrer einmaligen Bühnenpräsenz zwischen feiner Dame und Berliner Göre die Menge ab der ersten Minute fest im Griff, Raphael Schalz entlockt den Tasteninstrumenten ein saalfüllendes Synthesizerfundament samt großer Melodien, während die bei elektronischer Musik immer noch – zu unrecht – selten anzutreffenden akustischen Drums dem Ganzen die nötige Lebendigkeit und den satten Punch hinzufügen.

Eine Show, die man wirklich erlebt haben muss. Der geneigte Münsteraner Musikfreund kennt den in der schwarzen Szene beliebten Hit „Ich muss gar nichts“ sonst eher von düsteren Partys am Hawerkamp, aber das Konzept funktioniert auch ganz hervorragend in der großen Halle vor einem Punkrock-Publikum. Eine mutige, aber absolut richtige Wahl, um die Halle Münsterland endgültig auf Betriebstemperatur zu bringen.

Keine Müdigkeit bei den Donots nach ihrem Konzert-Marathon
Woher auch immer diese fünf Herren die Energie nehmen, die Donots starten ab der ersten Minute durch wie das blühende Leben. (Foto: Thomas Hölscher)
Woher auch immer diese fünf Herren die Energie nehmen, die Donots starten ab der ersten Minute durch wie das blühende Leben. (Foto: Thomas Hölscher)

Nach kurzem Umbau ist es dann an der Zeit, die Gastgeber zu begrüßen. Werden sie sich erschöpft von bereits zwei Headlinershows in den letzten 24 Stunden auf die Bühne schleppen? Aus purer Erschöpfung nur ein Akustikset spielen? Sowas von nein! Woher auch immer diese fünf Herren die Energie nehmen, sie starten ab der ersten Minute durch wie das blühende Leben, als wären sie frisch aus dem Urlaub auf die Bühne spaziert und nicht mit zu wenig Schlaf und zwei fetten Partys in den Knochen. Also, zumindest würden Sie das tun, wenn nicht die Technik den Raketenstart ein wenig durch instabilen Sound beim Intro verzögern wurde.

Aber sie wären nicht die Donots, wenn sie den holprigen Start nicht mit einem breiten Grinsen, ein paar humorigen Sprüchen und einem ordentlich Brett Sportgitarren quittieren würden. So brettern sich die Fünf erstaunlich souverän durch ein mehr als amtliches Best-of-Set aus über 30 Jahren Bandgeschichte, getragen von einem Publikum, das durchgehend komplett ausrastet, die Security mit massenhaftem Crowdsurfing auf Trab hält, mitgrölt, tanzt, singt, springt und keine Gelegenheit zu Mosh- oder Circle Pits auslässt. Ein mehr als deutlicher Beweis, warum die Donots als eine der besten deutschen Livebands gehandelt werden.

Akustischer Punkrock und prominente Unterstützung
Die Donots werden als eine der besten deutschen Livebands gehandelt. (Foto: Thomas Hölscher)
Die Donots werden als eine der besten deutschen Livebands gehandelt. (Foto: Thomas Hölscher)

An dem Zeitpunkt, zu dem viele andere Bands bereits erschöpft die Bühne verlassen würden, wechseln die Ibbenbürener nur kurz das Set, um mit zwei Gastmusikern verstärkt ihrer neuen Leidenschaft zu frönen: Akustischem Punkrock. Das klappt ganz wunderbar, die Highlights des Unplugged-Albums „Schwert aus Holz“ werden zum Besten gegeben und reichlich bejubelt. A propos Gäste – auch an diesem Abend gibt es einen Überraschungsgast. Nachdem sich am Freitag die H-Blockx die Ehre gaben, ist heute Bosse an der Reihe, die Gastgeber tatkräftig zu unterstützen. Ohnehin ist dem gesamten Konzertabend anzumerken, dass hier langjährige Freunde gemeinsam genau das machen, was sie lieben.

Jetzt ist aber wirklich Schluss? Weit gefehlt. Nachdem die akustischen Instrumente abgeräumt sind, wird noch einmal ein fetter Zugabenblock rausgehauen, bevor der Abend nach fast 2 ½ Stunden Headliner-Show mit „So long“ einen absolut würdigen Abschluss findet. Der Ohrwurm bleibt – wie üblich – noch ein paar Tage im Ohr. Es sei denn, die höchstwahrscheinlich nicht zum offiziellen Programm gehörenden Dudelsackklänge zwischen schottischen Highlands, Ruhrpottromantik und Eurodance, die vor dem Ausgang stilecht im Kilt zum Besten gegeben werden, schneiden sich noch ein wenig tiefer in den Gehörgang. Von der Freude und der Energie dieses Wochenendes werden in jedem Fall sowohl Fans als auch Bands sicherlich noch einige Zeit lang zehren können – allerdings sicherlich erst nach einer heißen Dusche und einer großen Mütze Schlaf.

Letzte Artikel von Michael Wietholt (Alle anzeigen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert