
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Münster fordert als Reaktion auf die PISA-Ergebnisse 2025 mehr Personal, eine Entlastung der Schulen und zusätzliche Unterstützung für besonders belastete Standorte. Die Landesregierung müsse die Finanzierung und Personalplanung mit einem langfristigen Bildungsplan absichern.
Ein solcher „10-Jahres-Plan Gute Bildung NRW“ solle über Legislaturperioden hinausreichen und die Verantwortung von Bund, Land und Kommunen verbindlich zusammenführen, wie der GEW-Stadtverband Münster diese Woche in einer Medienmitteilung erklärte. Geld und Personal müssten stärker nach dem tatsächlichen Bedarf der Schulen verteilt werden.
Förderung muss auf Diagnose folgen
Gisela Westerfeld vom Leitungsteam des Stadtverbands begrüßt grundsätzlich das Ziel, Basiskompetenzen zu stärken und Bildungsungleichheit zu bekämpfen. Leistungserhebungen und Zielvereinbarungen allein reichten dafür jedoch nicht aus. Aus festgestellten Problemen müssten konkrete Förderangebote folgen, deren Finanzierung und personelle Ausstattung verlässlich gesichert seien. „An Diagnosen mangelt es nicht. Wir wissen seit Jahren, wo Probleme liegen. Entscheidend ist jetzt, aus der richtigen Problembeschreibung auch die richtigen Konsequenzen zu ziehen“, sagt Westerfeld.
GEW-Geschäftsführer Carsten Peters fordert eine stabile Grundausstattung für alle Schulen. Zusätzliche Mittel müssten darüber hinaus gezielt an Standorte mit besonders großen Herausforderungen fließen. „Ungleiche Ausgangslagen brauchen eine ungleiche Verteilung von Ressourcen, wenn am Ende vergleichbare Chancen entstehen sollen.“
Leistungen in Mathematik und Lesen gesunken
Nach dem OECD-Länderbericht zu PISA 2025 sind die durchschnittlichen Leistungen in Deutschland gegenüber 2022 in Mathematik und Lesen gesunken. In den Naturwissenschaften blieb die Veränderung dagegen statistisch nicht signifikant. Über die gesamte PISA-Reihe betrachtet wurden 2025 in allen drei Bereichen die bislang niedrigsten Durchschnittswerte gemessen.
Die GEW sieht angesichts der Ergebnisse und des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg politischen Handlungsbedarf. Schulen benötigten ausreichend qualifiziertes Personal, Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen und mehr Zeit für individuelle Förderung, Fortbildung und die gemeinsame Unterrichtsentwicklung.
GEW begrüßt Ziele des Schulkompasses
Den Schwerpunkt auf Basiskompetenzen im „Schulkompass NRW 2030“ unterstützt die Gewerkschaft grundsätzlich. Das Landesprogramm sieht unter anderem verbindliche Lesezeiten und eine Stärkung von Deutsch und Mathematik vor. Die vorgesehenen Maßnahmen beschreibt das Schulministerium in seiner Broschüre. Neue Vorgaben und zusätzliche Daten allein verbesserten den Unterricht aber noch nicht, betont die GEW. Dafür müssten die Beschäftigten Zeit und Unterstützung erhalten.
Auch Schulgebäude, Räume für den Ganztag und die digitale Ausstattung seien unmittelbar mit pädagogischer Qualität verbunden. Die Gewerkschaft fordert deshalb, die Verantwortung von Bund, Land und Kommunen stärker miteinander zu verbinden. Bildungschancen dürften nicht von den finanziellen Möglichkeiten einzelner Kommunen abhängen.

Die PISA-Studie offenbart vieles, unter anderem die Qualität des Lernens im deutschen Bildungssystem. Leider ist das deutsche Schulsystem ein völliges Versagen, wenn es darum geht, Kinder in künftige Arbeiter, Wissenschaftler, Lehrer oder Verkäufer einzuteilen. Mit anderen Worten: Wer einmal auf einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einer Hauptschule gelandet ist, hat kaum noch eine Chance, seine Zukunft zu ändern; das Kind wird in eine Schublade gesteckt, weil seine Intelligenz angeblich nicht dem System entspricht. Nicht alle Kinder sind für Berufe wie Arzt oder Arbeiter geschaffen, und es ist ungerecht, nicht auch andere Wege zur Ausübung anderer Tätigkeiten zu ebnen. Als Ausländer habe ich selbst Rassismus und Ignoranz seitens der Schule erlebt, und niemand half uns dabei, unsere Rechte zu verteidigen. Ignoranz und Angst prägen Lehrer, die ihren Abschluss zwar haben, denen aber die eigentliche Berufung zum Unterrichten fehlt. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass Kinder gedemütigt und als unfähig abgestempelt werden. Wenn das System schlecht ist, ist es nur natürlich, dass Kinder keine Gelegenheit erhalten, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Mittelmäßigkeit, Inkompetenz und Unprofessionalität der deutschen Lehrerschaft spiegeln sich in den PISA-Ergebnissen wider – in einem Umfeld, in dem niemand mehr wirklich lernen will. Nicht Geld ist die Lösung, sondern Qualität und Professionalität; Lehrer zu sein ist eine Frage der Berufung und des Willens, nicht bloß des Gehalts oder eines schwachen, mittelmäßigen Unterrichts.