Oli radelt! Der 56-jährige Oli Trelenberg radelt für den guten Zweck durch Deutschland

Oli Trelenberg (r.) wird von Bürgermeisterin Angela Stähler vor dem historischen Rathaus empfangen. (Foto: Bührke)
Oli Trelenberg (r.) wird von Bürgermeisterin Angela Stähler vor dem historischen Rathaus empfangen. (Foto: Bührke)

Oli radelt, das ist für sich genommen wenig spektakulär, in Münster schon gar nicht. Bei Oli Trelenberg sieht die Sache allerdings anders aus – ganz anders! Seit 2015 ist der bald 56-Jährige in jedem Jahr auf seiner Leeze unterwegs, um Geld für unterschiedliche soziale Organisationen zu sammeln. Mehr als 41.000 Euro sind auf diese Weise bereits zusammengekommen. Gestern stand Münster auf seinem Reiseplan, wo er vor dem historischen Rathaus von Bürgermeisterin Angela Stähler begrüßt und in den Friedensaal begleitet wurde. 5500 Kilometer lagen da in diesem Jahr bereits hinter ihm.

Oli radelt - in diesem Fall über den Prinzipalmarkt. (Foto: Bührke)
Oli radelt – in diesem Fall über den Prinzipalmarkt. (Foto: Bührke)

„Ich will Menschen Mut machen“, betont Trelenberg, während um ihn herum der quirlige Radverkehr des Prinzipalmarkts rauscht. Dabei hat der gebürtige Schwerter eine Biografie hinter sich, die mehr Schicksalsschläge aufweist, als viele Menschen ertragen könnten, geschweige denn dazu bringen würde, sich für den guten Zweck zu engagieren. Oli Trelenberg ist gnadenlos offen, wenn es darum geht, von seinem Leben zu berichten. Die Kindheit geprägt von der Alkoholkrankheit des Vaters und den Übergriffen der Mutter, eine Schulzeit, die ohne Abschluss endete und mehrere gescheiterte Versuche, einen Beruf zu lernen. „Der Alkohol war da schon längst mein täglicher Begleiter“, wie Trelenberg berichtet. Mehrere Gefängnisaufenthalte, Wohnungslosigkeit, ein schwerer Arbeitsunfall, zwei gescheiterte Ehen, ein Leben in der Hölle. 2003 gelingt ihm dann die Flucht aus der Alkoholabhängigkeit, er begibt sich in ärztliche und psychotherapeutische Behandlung, 2009 entdeckt der damals 44-Jährige dann die Leidenschaft fürs Radfahren, die ihm neuen Lebensmut gibt.

Oli Trelenberg (l.) mit Bürgermeisterin Angela Stähler (r.) im Friedenssaal. (Foto: Bührke)
Oli Trelenberg (l.) mit Bürgermeisterin Angela Stähler (r.) im Friedenssaal. (Foto: Bührke)

2013 folgt der nächste Schicksalsschlag: Kehlkopfkrebs! Zwar hat Oli Trelenberg bereits Jahre zuvor das Rauchen aufgegeben, die Folgen holten ihn jedoch mit aller Macht ein. Die Therapie war hart und zeigt bis heute Folgen, die Stimme blieb ihm aber erhalten. Seinen Führerschein hat er abgegeben, um nicht aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen, die von der Krebsbehandlung zurückgeblieben sind, andere im Straßenverkehr zu gefährden. Das Radfahren war zwar nach und nach wieder möglich, allerdings mit großen Schwierigkeiten. „Die erste Tour nach meiner Krebstherapie endete nach sieben Kilometern, ich war total fertig. Ein Jahr später habe ich dann schon Deutschland auf dem Rad umrundet“, erinnert sich Oli Trelenberg. Nur knapp zwei Jahre nach der überstandenen Krebserkrankung beginnt Trelenberg 2015 damit, für den guten Zweck etliche Kilometer auf Fernradwegen und auf Tagestouren zurückzulegen. Seine jährlichen Aktionen stehen immer unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters von Hagen, auch Münsters Bürgermeisterin Angela Stähler hört gebannt den Erzählungen Trelenbergs zu: „Ich bin tief beeindruckt!“

Oli Trelenberg sammelt und sammelt, mal für den ASB Wünschewagen, dann für die Aktion „Engel mit Herz e.V.“ oder wie in diesem Jahr für „Strahlemaennchen.de – Herzenswünsche für krebskranke Kinder e.V.“ Zu 100 Prozent geht das gesammelte Geld an die jeweilige Aktion und dies, obwohl Trelenberg selber nur über ein Einkommen auf Hartz-IV Niveau verfügt, wie er offen berichtet. „Ich nehme auch keine Barspenden entgegen, die Leute könnten ja denken, dass ich davon abends Pizza essen gehe!“ Die Übernachtungen werden meist von den Städten organisiert, die er bereist. Und Olli radelt immer weiter, um mit jedem Kilometer Gutes zu tun. Seit Kurzem auf einem E-Bike, das ihm vom Hersteller geschenkt wurde, „Die wollten mir was Gutes tun“, wie er dankbar sagt. Die Spätfolgen der Krebsbehandlung ließen ihn auf seinem nichtmotorisierten Fahrrad keine Steigung mehr bewältigen, da kam die Fahrradspende gerade richtig.Mehrere Preise und Auszeichnungen erhielt er für sein ehrenamtliches Engagement, unter anderem die Ehrenurkunde der Stadt Hagen für beispielhaftes Engagement oder die Dankurkunde der Stadt Göttingen. Bisheriger Höhepunkt war vermutlich der Empfang beim Bundespräsidenten im Rahmen der Feier zum „Tag der Deutschen Einheit“.

Wer Oli Trelenbergs Aktion unterstützen möchte, findet alle Hintergrundinformationen auf seiner Webseite: https://www.oli-radelt.de/spendenprojekt-2021.htm
Michael Bührke

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