
Zwischen Tradition und Zeitgeist: Thorsten Brendel, Präsident des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval (BMK), ordnet im Interview an Aschermittwoch ein, wie sich der Karneval in Münster verändert, was organisatorisch besonders fordert und warum das Ehrenamt das Fundament des Ganzen bleibt.
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Hat sich die Rolle des Rosenmontagszugs und generell der Karneval in Münster verändert? Mehr Event oder weiterhin klar Brauchtum?
Grundsätzlich haben wir erstmal ein jahrhundertealtes Brauchtum, was natürlich auch mit der Zeit gehen muss. Das heißt, die Musik wird manchmal lauter und ist nicht mehr so schunkelig, sondern auch mal ein bisschen mehr zum Tanzen, ein bisschen mehr zum Feiern. Das hat sich natürlich schon deutlich geändert. Karneval heißt erstmal immer, Leuten eine schöne Zeit zu bieten, auch mal ein paar Momente Sorgenfreiheit zu geben und einfach mal nicht an das tägliche Doing zu denken und einfach was anderes zu haben. Von daher ist dieses Brauchtum, also der Zweck des Karnevals, auch zu Alten zu gehen, zu Kindern zu gehen etc. schon immer noch sehr gut erhalten. Es hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt, aber es ist immer noch das Brauchtum, was es ist, verbunden mit momentan ein bisschen „mehr Party“, weil das natürlich die jüngere Generation schon sehr gerne haben möchte.
Was sagst du den ganzen Ehrenamtlichen, ohne die so ein großer Tag wie Rosenmontag nicht laufen würde?
Mit Blick auf den BMK kann ich wirklich den Hut ziehen und da bin ich auch wirklich sehr dankbar. Die Leute sind teilweise an Rosenmontag seit 6:00 Uhr unterwegs gewesen. Das sind wirklich monatelange Vorbereitungen und Planungen, wo es am Ende natürlich auch schon mal viel Druck und generell viel Verantwortung gibt. Das ist so viel Arbeit, die man von draußen so gar nicht erkennt und sieht. Ohne die Ehrenamtlichen würde es nicht funktionieren. Natürlich brauchen wir starke Partner, wie Höffner, wie die Sparkasse etc., die das Ganze finanziell und materiell unterstützen.

Aber was die Ehrenamtlichen vor allem auch in den Gesellschaften wirklich das ganze Jahr über leisten, die Tanzgruppen, die das ganze Jahr trainieren, die Wagen, die oft das ganze Jahr über gebaut werden – da fällt mir kaum irgendetwas anderes ein, wo es wirklich so mit Herzblut zur Sache geht. Wo die Leute quasi ihr eigenes Geld vom Wagen runterwerfen, in Form von gekauftem Wurfmaterial. Das alles ist einfach unfassbar. Unser Oberbürgermeister Tilman Fuchs stand während des Umzuges auf dem Sentenzbogen neben mir und sagte: „Es ist Wahnsinn, was der Karneval bewegt.“
Ein kurzer Rückblick auf die Session. Was ist dir hier besonders in Erinnerung?
Mir ist besonders im Kopf geblieben, dass dieses Jahr wirklich ganz viel Harmonie war. Dass eigentlich alle Gesellschaften an einem Strang gezogen haben. Es war wirklich toll. Die Tollitäten untereinander haben sich wirklich super verstanden und miteinander Spaß gehabt. Jeder hat jeden respektiert und es war eine, wie ich finde, sehr harmonische Session.
Welche Veränderungen gab es im Vergleich zum Vorjahr bei der Organisation der großen Veranstaltungen, und mussten erneut besondere Herausforderungen bewältigt werden?
Die Herausforderungen in puncto Sicherheit waren ungefähr die gleichen wie im letzten Jahr. Wir mussten allerdings noch ein paar Sicherheitsmaßnahmen zusätzlich aufbringen. Das hat uns natürlich auch nochmal wieder sehr vor Herausforderungen gestellt. Wir glauben auch nicht, dass es in Zukunft weniger wird. Aber auch in diesem Jahr hatten wir einen sehr guten Kontakt mit der Stadt Münster, vor allem auch mit unserem Oberbürgermeister Tilman Fuchs. Er hat sich wirklich sehr herzlich eingebracht und geschaut, was man wie machen kann. Wir sind da wirklich sehr glücklich und dankbar, wie die Kommunikation mit der Stadt, insbesondere mit dem Oberbürgermeister, in diesem Jahr gelaufen ist.

Wie erlebt der BMK den närrischen Nachwuchs in den Gesellschaften? Ist da weiterhin Bewegung drin?
Wir sind extrem glücklich mit der Nachwuchsarbeit. Beispielsweise sind da die Junggeister der KG Böse Geister zu nennen, oder auch die AKG-Junioren aus Amelsbüren, die wirklich alle einen ganz tollen Job machen. Aus der KG ZiBoMo aus Wolbeck kommen ganz viele Leute hoch, auch in den Senat und in die Vorstände. Die Jugendarbeit hat sich in den letzten Jahren im Münsteraner Karneval sehr toll entwickelt und so kann es weitergehen.
Was braucht der Karneval in Münster für die Zukunft?
Er braucht weiterhin ein sicheres Konzept, weil die finanziellen Sorgen natürlich nicht kleiner werden. Die ganzen Aufwendungen, die Kosten für Terrorabwehr, sonstige Kosten werden höher. Die Veranstaltungssäle werden teurer, das Bier wird teurer. Da müssen wir schauen, dass Karneval für alle bezahlbar bleibt, damit Karneval wirklich das bleibt, was es ist und zwar wirklich für alle, für jeden – arm und reich. Jeder soll sich Karneval leisten können. Das ist genau das Ziel, dafür kämpfen alle Gesellschaften und auch der BMK gemeinsam.

Dein Wunsch für Münsters Karneval?
Dass wir es noch mehr schaffen, in die Stadtgesellschaft einzudringen. Dass die Leute, die den Karneval sehen, auch wirklich verstehen, was wir machen. Es muss nicht jeder gut finden. Wir wissen, dass wir ganz besonders sind. Es gibt auch in Social Media immer viele, die sagen: „Ach, ich bin froh, dass ich hier und da nicht da bin.“ Das respektiere ich total, das verstehe ich. Ich gehe auch nicht zu jedem Fest, was mich nicht interessiert. Das ist völlig in Ordnung. Aber die Menschen müssen sehen, was wir tun, was wir Gutes tun, was wir in den Altenheimen,für Menschen mit Behinderung, für Wohnungslose machen. Der Auftrag von Karneval ist, auch zu den Leuten zu gehen, die vielleicht auch mal nicht kommen können, ob finanziell, gesundheitlich oder warum auch immer. Das ist das, was der Karneval schaffen muss. Wenn wir es dann hinbekommen, die Gesellschaften weiterhin so am Leben zu halten, wie es aktuell läuft, dann bin ich tatsächlich sehr zufrieden.
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