Oh oh Coerde In ihrer Kolumne "Hausfrau & Mutter, berufstätig" erinnert sich Iris Brandewiede etwas wehmütig an ihre Jahre im nördlichen Stadtteil

Hinterm Horizont...? So weit weg liegt der Stadtteil Coerde jedenfalls für viele Münsteraner. (Foto: Thomas Hölscher)
Hinterm Horizont…? So weit weg liegt der Stadtteil Coerde jedenfalls für viele Münsteraner. (Foto: Thomas Hölscher)

Schon als Kleinkind war ich fasziniert von dem damals blutjungen Stadtteil Coerde. Hier lebte Mamas Freundin „Tante Susi“, und zwar in einem richtigen HOCHHAUS, „im zwölften Stock“, sagte meine Mutter: Man musste mit einem AUFZUG hochfahren! Darin roch es streng nach kaltem Rauch, altem Teppich und etwas, das ich nicht zuordnen konnte.

Zuerst konnte ich auch nicht zuordnen, was ein Stock und eine Wohnung miteinander zu tun hatten. Das klärte sich auf, als ich mit Susis Tochter Miranda zum Spielen rausging. Sie nahm immer einen Stock mit, um später den leuchtenden runden Knopf mit der Zwölf drücken zu können. Allein mit unserer Körpergröße hätten wir den niemals erreicht!

Miranda war extrem blass und zart. Kein Wunder, denn sie aß nur Kartoffelpüree. Tante Susi bei der Herstellung zuzusehen, war eine vollkommen exotische Erfahrung: Es kam aus der Tüte!

Ich liebte die Besuche bei Susi, denn sie umwehte ein verruchtes Flair. Ihr Lebenslauf vereinte gleich mehrere Stationen, die im gutkatholischen münsteraner Leben so nicht vorgesehen waren: Sie war „trotz des Kindes“ geschieden! Sie lebte unverheiratet mit einem neuen Partner zusammen! Meine Eltern sagten, er sei ein Tommy, obwohl er Miranda zufolge John hieß. Als ehemaliger Seemann habe er sehr viele Tätowierungen, sagte mein Vater mit leicht bewunderndem Unterton. Leider habe ich den legendären Briten nie kennengelernt. Wenn ich nach ihm fragte, erhielt ich stets die Antwort, er sei auf der Suche nach Arbeit. Bis heute sehe ich John vor mir, mit schwingenden Armen und im Seebärschritt wie Popeye, den Blick fest auf den Boden geheftet, Arbeit suchend. Leider zog Susi fort, und wir verloren den Kontakt nach Coerde.

Jahrzehnte vergingen. Mein gutbürgerliches Leben nahm seinen Lauf. Was so nicht vorgesehen war: Meine Ehe knickte ein, das Budget ebenfalls, und die Kinder waren noch klein.

Münsters nördlicher Stadtteil Coerde ist nicht gerade als Schmuckstück berühmt. (Foto: Thomas Hölscher)
Münsters nördlicher Stadtteil Coerde ist nicht gerade als Schmuckstück berühmt. (Foto: Thomas Hölscher)

Wohnungsbesichtigung in Coerde.

Die Küche ist rosa gestrichen. „Die lassen wir so,“ plant die Große. Die winzigen Kinderzimmer haben Ausgänge auf einen Balkon. „Da können wir Eisbude spielen!“ plant die Kleine. Wir schauen auf einen großen Spielplatz und den gegenüberliegenden Häuserblock mit immerhin fünf Stockwerken. „Darren, nicht die Kira haun!“ brüllt eine junge Mutter und füttert die heulende Kira mit einem Tiefkühlwindbeutel. „Eine Tunnelrutsche!“ schreit die Große und drängt auf das Ende der Wohnungsbesichtigung. Der Vermieter grinst und beschleunigt den Rundgang. Vorne raus ein großer Balkon mit Blick auf Doppelhausgärten. Ein bärtiger Vater in Shorts steht am Kugelgrill, zwei blonde Mädchen hüpfen auf einem Trampolin. Die Mutter deckt mit dem Sohn den Tisch. „Nein, Rufus, das Messer gehört nach rechts. Anthea und Tabitha, bitte geht euch die Hände waschen!“ Meine Beiden überblicken die Brüstung nicht. Sie haben am Boden eine Schnecke gefunden. Die Kleine jubelt: „Guck, Mama, was die für feine Fühler hat!“ Die Große ergänzt: „Wir müssen die retten!“ Der Handschlag mit dem Vermieter kommt von Herzen. Dann lassen wir im Gebüsch beim Spielplatz die Schnecke frei und stürmen zur Tunnelrutsche.

"Was nicht schön ist, kann noch schön werden...", meint unsere Kolumnistin Iris Brandewiede. Denn der Hamannplatz in Coerde wird gerade umgestaltet. (Foto: Thomas Hölscher)
„Was nicht schön ist, kann noch schön werden…“, meint unsere Kolumnistin Iris Brandewiede. Denn der Hamannplatz in Coerde wird gerade umgestaltet. (Foto: Thomas Hölscher)

Sieben Jahre vergehen. Wege werden vertraut, Natur erkundet.
Im Sommer sausen wir morgens in Latschen auf Rollern und Leezen zum Bad im Kanal.
Im Winter kneippen wir morgens im Badeanzug auf den zugeschneiten Balkonen.
Die Brötchen holen wir auf dem Coerdemarkt. Jede Woche besuchen wir dort den Wochenmarkt und leihen danach stapelweise neues Lese- und Hörfutter in der Stadtteilbücherei.
Im Sommer feiern wir die Wochenenden in der Eisdiele vorm Supermarkt, im Winter mit Pizza aus der winzigen Bude neben dem Änderungsschneider.

Ein nicht vorhergesehenes Angebot lockt uns zurück in die Innenstadt. Schweren Herzens verlassen wir Coerde, obwohl wir so oft über „die letzten zwei Kilometer“ nach Hause geflucht haben.

Neulich, auf dem Weg zum Baumarkt, befahre ich altvertraute Wege. Der Hohe Heckenweg ist idyllisch bewachsen, seinem Namen die Ehre gebend. Die Bebauung wirkt so, als wäre sie immer da gewesen. Die T-Kreuzung am Ende aber macht ihrem Namen neuerdings alle Ehre. Ich lege den Kopf in den Nacken. Die Betonwand eines gigantischen Neubaus reicht exakt bis an den Gehweg und von dort bis hin den Himmel.

Ein klarer Fall für drei Wünsche an die gute Fee!

1. Mögen die Bürgerinitiativen, sozialen und lokalpolitischen Kräfte im Norden erfolgreich sein!
2. Im Zentrum von Coerde möge das lebendige Miteinander auf ewig ermöglicht werden!
3. Der Blick zum Horizont möge den Menschen an drei Seiten weiterhin offen bleiben!

 

Coerde ist Münsters jüngster Stadtteil, der in den 1960er-Jahren am Reißbrett entstand, um Wohnraum für die wachsende Stadt zu schaffen. 1966 wurde zur Nahversorgung der „Coerdemarkt“ eröffnet. Heute lebt eine besonders junge Bevölkerung aus 100 Nationen in Coerde. (Quellen: muenster.de, Wikipedia) 
Am 30. Juni, um 18 Uhr findet im Begegnungszentrum An der Meerwiese eine Informationsveranstaltung zur Neugestaltung des Hamannplatzes statt. Anmeldung unter hamannplatz@stadt-muenster.de
Mehr Infos unter www.stadt-muenster.de

Die Band REIF wirbt seit Jahren mit der Stadtteil-Hymne „Oh oh Coerde“ für die nördliche Naturidylle Münsters. Hier der Link zur Band: https://reifstyle.net
Am Ende der Bürgerfunkendung „Easy Listening -Musik am Feierabend“ von Ralf Clausen war der Song auf Antenne Münster bereits als Rausschmeißer und als ein Vorgeschmack auf einen Studiobesuch der Band zu hören. Die Sendung mit den ALLES MÜNSTER-Chefredakteuren Thomas Hölscher und Stephan Günther und dem Lied „Oh oh Coerde“ ganz am Ende könnt ihr komplett in der Mediathek von NRWision nachhören.

Iris Brandewiede

2 Kommentare

  1. Mein Mann und ich sind jetzt seit etwa 7 Jahren verheiratet. Wir waren glücklich verheiratet und hatten zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Vor 3 Monaten bemerkte ich ein seltsames Verhalten von ihm und ein paar Wochen später fand ich heraus, dass mein Mann jemanden sieht. Er fing an, spät von der Arbeit nach Hause zu kommen, er kümmert sich kaum mehr um mich oder die Kinder, manchmal geht er aus und kommt für 2-3 Tage nicht einmal nach Hause. Ich habe alles getan, um dieses Problem zu beheben, aber nichts trainiert. Ich machte mir große Sorgen und brauchte Hilfe. Als ich eines Tages im Internet surfte, stieß ich auf eine Website, die darauf hinwies, dass Dr. Igbinovia helfen kann, Eheprobleme zu lösen, zerbrochene Beziehungen wiederherzustellen und so weiter. Also dachte ich, ich sollte es ihm versuchen. Ich habe ihn kontaktiert und er hat einen Zauberspruch für mich gemacht. Zwei Tage später kam mein Mann zu mir und entschuldigte sich für sein Unrecht und versprach, es nie wieder zu tun. Seitdem hat sich alles wieder normalisiert Ich wurde auch in die Firma befördert, in der ich arbeite. Ich und meine Familie leben wieder glücklich zusammen. Alles dank Dr. Igbinovia. Wenn Sie einen Zauberwirker brauchen, der einen Zauber wirken kann, der wirklich funktioniert, schlage ich vor, dass Sie ihn kontaktieren, er wird Sie nicht enttäuschen. Dies ist seine E-Mail: doctorigbinovia93@gmail.com oder  WhatsApp/viber +12162022709 von dir genommen werden?

  2. Ist ja alles ganz gut und schön, aber ich wohne direkt am coerdemarkt und sehe fast jeden Abend, wie sich meist junge Männer an der Skybar treffen und Geld gegen Drogen tauschen und konsumieren. Ihre fetten Autos parken in 2. Reihe und leise sind die Kunden auch nicht immer. Es wird an fremde Autos und an Hauswände uriniert. Ordnungsamt wurde schon informiert, aber nichts tut sich. An der anderen Ecke stehen am Stromkasten fast täglich die Alkoholiker und tun auch ihre Blase an den Hauswänden leeren. Das ist auch Coerde! Traurig, aber wahr.

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