Metal, Moshpits und klare Botschaften Rising Insane, Callejon und Beyond the Black beschließen das 5. Oelde Open Air

Beyond the Black, hier mit Frontfrau Jennifer Haben, waren schon zum zweiten beim Oelde Open Air zu Gast. (Foto: Claudia Feldmann)
Beyond the Black, hier mit Frontfrau Jennifer Haben, waren schon zum zweiten beim Oelde Open Air zu Gast. (Foto: Claudia Feldmann)

Der erste Act eines Festivalabends hat es nicht immer leicht. Während die letzten Besucher noch auf das Gelände kommen, muss vor der Bühne erst einmal Bewegung entstehen. Rising Insane haben diese Aufgabe am Samstag beim Oelde Open Air – besonders schwer macht es ihnen das Publikum allerdings nicht. Schon früh entsteht vor der Sparkassen-Waldbühne der erste Moshpit des Abends. Es ist der Auftakt zu einem zweiten Festivaltag, an dessen Ende die Veranstalter ein positives Fazit der fünften Ausgabe ziehen.

Am Freitag hatten Avalanche Effect aus Münster, SETYØURSAILS und Lord of the Lost den Vier-Jahreszeiten-Park bespielt. Einen Tag später geht es musikalisch mit Rising Insane, Callejon und Beyond the Black weiter. Durch den Abend führt erneut die Bielefelder Musikbloggerin und Content-Creatorin Anna Hubschrauber.

Dass das Publikum am Samstag von Beginn an mitzieht, registrieren auch Rising Insane. „Macht mal Lärm für euch selbst, ihr seid die, die das hier am Leben halten“, ruft Sänger Aaron Steineker den Zuschauern zu. Für die Band ist der Auftritt zudem besonders aktuell: Erst einen Tag zuvor ist das neue Album „Deathrace“ erschienen. Steineker weist auf die Veröffentlichung und die für November geplante Tour hin, anschließend spielt die Band den Titelsong des neuen Albums.

Vom „Stimmungstest“ zum ersten Moshpit

Rising Insane kennen die Sparkassen-Waldbühne bereits von einem früheren Auftritt. Als Steineker wissen will, wer damals schon dabei war, gehen zahlreiche Hände nach oben. Einige Stammgäste des Oelde Open Airs sind also auch bei der fünften Ausgabe wieder vor der Bühne. „Ich bin hier, um euch den Arsch aufzureißen – lasst uns ’ne gute Zeit haben“, gibt Steineker die Richtung vor. Zwischendurch folgt ein von ihm selbst so bezeichneter „Stimmungstest“. Die Band spielt kurze Sequenzen aus Papa Roachs „Last Resort“ und „Teenage Dirtbag“ von Wheatus, ehe mit „Maniac“ ein 80er-Jahre-Klassiker in der Metalcore-Version von Rising Insane folgt. Die Reaktion vor der Bühne fällt eindeutig aus. „Das ist geil!“, befindet Steineker.

Der erste Moshpit des Abends - vor der Sparkassen Waldbühne. (Foto: Claudia Feldmann)
Der erste Moshpit des Abends – vor der Sparkassen Waldbühne. (Foto: Claudia Feldmann)

Doch der Auftritt bleibt nicht ausschließlich bei Party und Moshpit. Steineker spricht darüber, dass Menschen derzeit in einer Welt voller Chaos, Angst und Hass lebten – während man in Oelde gemeinsam feiern könne. „Lasst uns das nicht hinnehmen“, lautet seine Botschaft.

Ein Einhorn und eine technische Panne

Bei Callejon wird es anschließend nicht nur härter, sondern auch humorvoll. Sänger Bastian „Basti“ Sobtzick schaut demonstrativ auf die Setlist und macht eine Bewegung, als müsse er erst eine Brille zurechtrücken. „Ich muss mal schauen, was wir jetzt spielen“, sagt er. Die Antwort: „Dunkelherz“.

Auch vor der Bühne gibt es etwas zu sehen. Dort sind die Pit Unicorns im Einsatz – ein Security-Team, das bei Rock- und Metalveranstaltungen unter anderem im Bühnengraben für Sicherheit sorgt und ankommende Crowdsurfer auffängt. Passend zum Namen schicken sie ihr aufblasbares Einhorn, das Maskottchen des Teams, ins Publikum. Es wandert über die Köpfe der Zuschauer.

Dass bei einem Livekonzert nicht alles nach Plan läuft, zeigt sich wenig später vor „Krähe“. Technische Probleme sorgen für eine kurze Unterbrechung. Sobtzick nimmt es gelassen: „Das ist live.“ Die unfreiwillige Pause nutzt er kurzerhand für Werbung in eigener Sache. Ein neues Callejon-Album sei auf dem Weg. Wie es heißt, verrät er allerdings nicht: „Wir bringen bald ein neues Album raus, nämlich: sag ich nicht.“ Weitere Neuigkeiten sollen über die Social-Media-Kanäle der Band folgen. Auch die bei Metalshows bekannte „Wall of Death“ bekommt bei Callejon einen eigenen Namen. Vor „Snake Mountain“ fordert Sobtzick eine „richtig schöne Wall of Love“. Das Prinzip bleibt dasselbe: Zwei Gruppen stehen sich gegenüber und bewegen sich aufeinander zu. Die Fans folgen dem Aufruf und setzen die augenzwinkernd umbenannte „Wall of Love“ vor der Bühne in die Tat um.

Klare Botschaft gegen Faschismus

Gegen Ende des Sets wird der Ton ernster. „Schrei nach Liebe“ kündigt der Frontmann als „den wichtigsten Song, der wahrscheinlich je geschrieben wurde“ an – als einen Song gegen Nazis. Dann folgt eine unmissverständliche Botschaft: „Egal, wie schlimm eigene Probleme sind: Niemals ist die Lösung Faschismus!“

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Der Ärzte-Klassiker muss vor der Waldbühne kaum noch erklärt werden. Das Publikum grölt textsicher mit. Und der Song ist an diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal zu hören: Schon Lord of the Lost hatten „Schrei nach Liebe“ am Freitag in ihr Set aufgenommen. Zwei Bands, zwei Festivaltage – und derselbe musikalische Protest gegen Rechtsextremismus.

Ein gebrochener Finger, den kaum jemand bemerkt

Zum Abschluss kehren alte Bekannte auf die Sparkassen-Waldbühne zurück. Beyond the Black waren bereits 2024 beim Oelde Open Air zu Gast. Diesmal kommt die Band um Jennifer Haben erneut als Headliner nach Oelde – und hat mit „Break the Silence“ ein noch eher frisches Album im Gepäck, das im Januar erschienen ist. Schon der Beginn ist entsprechend inszeniert. Ein großer Vorhang verdeckt zunächst die Bühne, bevor er fällt und den Blick auf die Band freigibt. Gitarren, Licht und die symphonischen Elemente des Sounds bestimmen anschließend die Show.

Dass die Gitarren dabei immer wieder auch mit Soli in den Mittelpunkt rücken, ist angesichts einer Geschichte bemerkenswert, die Jennifer Haben dem Publikum erzählt. Erst vor Kurzem habe sie ein Anruf ihres Gitarristen erreicht: Er habe sich den kleinen Finger gebrochen. Die gute Nachricht sei direkt hinterhergekommen – er habe das komplette Set einmal durchgespielt und festgestellt, dass es trotzdem funktioniere. Auf der Waldbühne ist von der Verletzung tatsächlich kaum etwas zu bemerken. Wäre da nicht der kleine blaue Verband am Finger, dürfte sie vielen Zuschauern verborgen geblieben sein.

Nach rund zwölf Jahren Bandgeschichte wirkt Beyond the Black auf der Bühne entsprechend routiniert. Haben führt sicher durch die Show, animiert immer wieder zum Klatschen und fordert die Zuschauer direkt heraus. Vor „Shine and Shade“ gibt sie die Richtung vor: „Beim nächsten Song will ich, dass ihr alle springt.“ Dass die Band große Bühnen gewohnt ist, zeigt sich dabei nicht nur in der Inszenierung, sondern auch im souveränen Zusammenspiel mit dem Publikum.

Daneben gibt es ruhigere Momente. Zu Beginn eines Synthesizer-Medleys setzen sanfte Töne einen Kontrast zu den härteren Passagen, Verfolgerspots richten sich auf die Bühne. Besonders bildgewaltig wird es bei „Ravens“: Jennifer Haben erscheint mit überdimensionalen Flügeln auf der Bühne, begleitet von akustischer Gitarre.

„Wir sind mega zufrieden“

Mit dem Ende des zweiten Abends ist auch die fünfte Ausgabe des Oelde Open Airs Geschichte. Veranstalter Markus Schulte zieht gegenüber ALLES MÜNSTER ein positives Resümee. „Eine absolut gelungene Veranstaltung, glückliche Leute, der Wettergott war auf unserer Seite, die Bands haben geliefert – wir sind mega zufrieden.“ Getragen werde das Festival weiterhin von der Stadt, Sponsoren und Medienpartnern. Auch an Ticketpreisen um 50 Euro wolle man festhalten. Viel Zeit zum Zurücklehnen bleibt den Veranstaltern ohnehin nicht. Die Vorbereitungen für die nächste Ausgabe laufen bereits. Auch 2027 soll das Oelde Open Air wieder an zwei Tagen stattfinden: am 20. und 21. August.

Mit Beyond the Black ging das 5. Oelde Open Air am späten Samstagabend zu Ende. (Foto: Claudia Feldmann)
Mit Beyond the Black ging das 5. Oelde Open Air am späten Samstagabend zu Ende. (Foto: Claudia Feldmann)

Der erste Headliner steht mit den Münsteranern H-Blockx bereits fest. Und offenbar läuft der Vorverkauf gut. Die Fans würden ihnen „jetzt schon die Karten aus den Händen reißen“, sagt Schulte. Auch die nächste Ankündigung ist bereits absehbar. „Im Herbst kommt der zweite Headliner“, kündigt Schulte an. Einen Hinweis auf die musikalische Richtung gibt es ebenfalls: „Geht natürlich wieder in den Bereich Rock-Metal.“ Mit weiteren Bands befinden sich die Veranstalter bereits in Gesprächen.

Damit endet die fünfte Ausgabe auf der Sparkassen-Waldbühne – während die sechste hinter den Kulissen längst begonnen hat.

Fotostrecke: Oelde Open Air (21.-22.08.2026)

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