„Nur ein klarer Fahrplan hilft uns weiter“ Musik-Campus: Universitätsrektor erwartet schnelle Präzisierung / Grüne: „Gut, dass es weitere Gespräche gibt“ / Volt: „Rational und dennoch mit Herz für Musik“ / CDU: „Das Gestrüpp der Bedenkenträger lichten“

WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels begrüßt den Beschluss des Stadtrats, die Idee eines gemeinsamen Musik-Campus von Stadt und Universität weiterzuverfolgen. (Foto: Carsten Pöhler)
WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels begrüßt den Beschluss des Stadtrats, die Idee eines gemeinsamen Musik-Campus von Stadt und Universität weiterzuverfolgen. (Foto: Carsten Pöhler)

Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster begrüßt den Beschluss des Rates der Stadt Münster, die Idee eines gemeinsamen Musik-Campus von Stadt und Universität weiterzuverfolgen. Der Änderungsantrag, der am Mittwoch in einer Sitzungsunterbrechung zwischen Grünen, SPD, Volt und internationaler Fraktion final abgestimmt wurde, spricht sich zwar für den Musik-Campus aus, versieht die Umsetzung allerdings mit einem deutlichen „Aber“. Nachdem sich WWU-Rektor Wessels vor der Ratssitzung nach all den bisherigen Verzögerungen noch etwas ungeduldig geäußert hatte, zeigte er gestern nun doch Verhandlungsbereitschaft.

„Von wenigen Ausnahmen abgesehen, haben sich alle Fraktionen positiv geäußert – das freut uns. Jetzt müssen und wollen wir zügig voranschreiten. Dies ist die Universität auch den Studierenden und Beschäftigten der Musikhochschule schuldig, die seit vielen Jahren in unzureichenden Räumen lernen und musizieren und zu Recht eine Entscheidung erwarten“, betont WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels. Die Universität müsse deswegen unmittelbar nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 15. Mai auf die neue Landesregierung zugehen, um gegebenenfalls über den geplanten Neubau einer WWU-Musikhochschule allein konkret zu verhandeln.

Der Rat hat sein „Ja“ mit einem deutlichen „Aber“ versehen. So will der Rat beispielsweise „Näheres zu einer möglichen Umsetzung“ in seiner kommenden Sitzung im Mai regeln. Die Universität erwartet daher, dass die Politik und Verwaltung ihre Rahmenbedingungen für den Bau des Musik-Campus möglichst schnell darlegen. „Dies muss deutlich vor der nächsten Ratssitzung geschehen, damit wir allen Beteiligten rechtzeitig unsere Einschätzung geben können, ob eine weitere Befassung mit dem Thema Musik-Campus im Mai überhaupt sinnvoll ist“, erläutert Johannes Wessels. „Wir weisen in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass uns allen nur ein klarer Fahrplan zugunsten des Musik-Campus hilft und uns in die Lage versetzt, konkret über Zuschüsse des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen zu verhandeln – und darum geht es in diesem Stadium.“

Grüne: Gut, dass es weitere Gespräche gibt

Auch das Sprecher-Duo der Grünen Ratsfraktion, Sylvia Rietenberg und Christoph Kattentidt, äußerte sich zur Ratsentscheidung zum Musik-Campus vom Mittwoch den Reaktionen darauf: „Unser Beschluss hat sich schon nach einem Tag als richtig erwiesen. Endlich kommen alle Beteiligte an einen Tisch und sprechen über gemeinsame Lösungswege beim Thema Musik-Campus. Wir begrüßen, dass Oberbürgermeister Lewe jetzt angekündigt hat, endlich eine führende Rolle beim Projekt einzunehmen und die zahlreichen offenen Fragen und Probleme gemeinsam mit den politischen Kräften im Stadtrat zu klären. Wie auch bisher stehen wir für konstruktive Gespräche gerne bereit. Wir begrüßen es außerdem, dass die Universität sich dazu entschieden hat, auf den Weg der direkten Kommunikation zu setzen. Wir haben Prof. Wessels noch aus der Ratssitzung heraus zu weiteren Gesprächen eingeladen.“

„Rational und dennoch mit Herz für Musik“

In einer Sitzungsunterbrechung hatten sich am Mittwoch Grüne, SPD, Volt und internationale Fraktion über einen Änderungsantrag zum Musik-Campus abgestimmt. (Foto: AM)
In einer Sitzungsunterbrechung hatten sich am Mittwoch Grüne, SPD, Volt und internationale Fraktion über einen Änderungsantrag zum Musik-Campus abgestimmt. (Foto: AM)

Laut einer Pressemitteilung der Ratsgruppe Volt hat sich nun herausgestellt, was in einem Grundsatzbeschluss für das Projekt stehen muss und was entgegen der ursprünglichen Vorlage gesondert beschlossen werden kann. Helene Goldbeck, die planungspolitische Sprecherin von Volt, erklärt dazu: “Wir freuen uns, dass der Musik-Campus auf den Weg gebracht wird und auch die Universität den Beschluss anerkennt. Es war uns stets wichtig eine Möglichkeit zu finden, diesem einmaligen Projekt zu einem erfolgreichen Start zu verhelfen und gleichzeitig den offenen Fragen und berechtigten Sorgen die verdiente Aufmerksamkeit zu geben.”

Tim Pasch, Sprecher der Volt Ratsgruppe, ergänzt: “Der vorgelegte Grundsatzbeschluss hat sein Ziel leider weit verfehlt. Es wurde sich viel vorgenommen mit der Anzahl an zu beschließenden Punkten. Da diese aber alle noch nicht in ausreichender Tiefe spruchreif waren, wurde eine Debatte weit über das Grundbekenntnis und die grobe finanzielle Schätzung hinaus angestoßen. Die Folgen waren, u.a. in Form der umfangreichen Fragenkataloge, unübersehbar. Das ärgerlichste hierbei ist, dass all das nicht der essenzielle Teil war, der zum jetzigen Zeitpunkt benötigt wird. Es brauchte ein klares Signal an die Universität – was wir mit diesem Änderungsantrag erreicht haben. Die langen Verzögerungen innerhalb der Ratssitzung, ebenso viele vorangegangene Gespräche, hätten sicher anders angegangen werden können, wenn die Verwaltung den notwendigen Grundsatzbeschluss in einer getrennten Vorlage zu den städtischen Belangen und Finanzierungsgrundlagen vorgelegt hätte. All diese werden nun richtigerweise getrennt von den Belangen der Universität in der kommenden Sitzung bearbeitet.”

„Das Gestrüpp der Bedenkenträger lichten“

Die CDU-Fraktion unterstützt den Einsatz von OB Lewe Lewe und WWU-Rektor Wessels, den gemeinsamen Musik-Campus weiter voranzubringen. „Der Universität kann man nur danken, dass sie nach dem Hängen und Würgen der Grünen im Rat nicht entnervt abgewinkt hat“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weber. Ein derartiges Ausmaß an Leichtfertigkeit und mangelnder Professionalität habe es im Rathaus noch nicht gegeben. In der Maisitzung des Rates komme es darauf an, „das Gestrüpp der Bedenkenträger zu lichten und die neue Landesregierung bei der Stange zu halten.“

Dabei seien die Gründe für den Musik-Campus ganz einfach, wie es in einer Presseerklärung vom Morgen heißt. „Die Stadt braucht neue Unterkünfte für ihre Musikhochschule und ihr Sinfonieorchester. Die Universität und das Land brauchen eine neue Musikhochschule. Allen zusammen fehlt mit der freien Musikszene eine gute Spielstätte. Die Uni liefert sogar ein Grundstück dafür am Schlossgarten. Was liegt näher, als gemeinsam ein gemeinsames Kulturprojekt zu starten statt drei getrennte“, sagte Weber. Der Musik-Campus werde seit Monaten vom Mehrheitswillen in der Stadtgesellschaft unterstützt. „Dümmer könnte es kaum laufen, diese Chance nicht endlich zu nutzen“, so der CDU-Fraktionschef.

(Aktualisiert: 10:03 Uhr)

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