
Einmal jährlich trainieren Fachleute in Nordrhein-Westfalen den Umgang mit einem möglichen Ausbruch gefährlicher Waldschädlinge. In diesem Jahr stand dabei der Eschenprachtkäfer im Mittelpunkt, ein Insekt, das ursprünglich aus Asien stammt und durch Verschleppung weltweit bereits erhebliche Schäden an Eschen verursacht hat. Ein Auftreten in NRW könnte heimische Eschen stark gefährden.
An der Simulation beteiligten sich das Team Wald- und Klimaschutz des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft von Wald und Holz NRW sowie weitere Partner, darunter Regionalforstämter und Fachleute des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen macht deutlich, warum solche Übungen aus Sicht des Landes wichtig sind: „Der Wald in Nordrhein-Westfalen bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, liefert den Rohstoff Holz, schützt das Klima und ist für viele Menschen ein Ort der Erholung. Zugleich ist der Wald auch den globalen Folgen der Klimaveränderung ausgesetzt. Dazu gehört das Risiko der Ausbreitung von Käfern, die heimische Bäume schädigen. Regelmäßige Übungen unserer forstlichen Fachleute vor Gefahren durch invasive Insekten sind daher ein wichtiges Instrument des aktiven Waldschutzes.“
Übungscharakter und Notfallplan
Ziel der Übung sei es, die vorgesehenen Schritte aus einem Notfallplan unter Praxisbedingungen zu testen, Abläufe zu überprüfen und die Reaktionsfähigkeit zu sichern. Grundlage sind demnach Maßnahmen aus Rahmen-Notfallplänen des Julius-Kühn-Instituts, das in Deutschland für solche Fragen fachlich zuständig ist, wie es in einer Medienmitteilung von Wald und Holz NRW heißt.
Schwieriger Nachweis im Labor
Der Eschenprachtkäfer, wissenschaftlich Agrilus planipennis, befällt vor allem Eschen. Er schädigt die Bäume stark und kann sie zum Absterben bringen. Für den sicheren Nachweis der Art ist nach Angaben der Beteiligten in der Regel eine Bestimmung durch ein spezialisiertes Labor notwendig, weil sich Prachtkäferarten und auch typische Befallsmerkmale kaum eindeutig voneinander unterscheiden lassen. Finden Fachleute Hinweise auf einen Befall an Eschen, könne die Wahrscheinlichkeit jedoch erhöht sein, dass es sich um den Eschenprachtkäfer handelt.
Risiko durch Einschleppung und EU-Einstufung
Thomas Wälter, Leiter des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft, verweist auf die Risiken durch internationalen Waren- und Reiseverkehr: „In einer globalisierten Welt lässt sich trotz umfassender und proaktiver Schutzvorkehrungen nicht immer verhindern, dass sogenannte Quarantäneschadinsekten aus anderen Regionen unbeabsichtigt nach Nordrhein-Westfalen gelangen. Da dies für unsere Wälder schwerwiegende Folgen haben kann, wollen und müssen wir auf einen solchen Ernstfall bestmöglich vorbereitet sein“, so Wälter.
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Die Europäische Kommission stuft den Eschenprachtkäfer als prioritären Unionsquarantäneschädling ein. Für diese Schädlinge gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, weil bei einer Ausbreitung schwerwiegende wirtschaftliche, soziale oder ökologische Folgen erwartet werden. Sollte der Eschenprachtkäfer in NRW nachweislich auftreten, wäre nach Angaben von Wald und Holz NRW der Pflanzengesundheitsdienst der zentrale Ansprechpartner. Dieser ist dem Team Wald- und Klimaschutz im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft zugeordnet.
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