
Am Dienstagabend lud OB Tilman Fuchs zu seinem ersten Neujahrsempfang im Rathaus ein. Zahlreiche Bürger und Bürgerinnen sind erschienen, um die Ansprache ihres neuen Oberbürgermeisters zu hören. Und sicherlich trägt an diesem Abend auch sein Gastredner dazu bei, dass der Festsaal aus allen Nähten platzt: Prof. Dr. Martin Winter. Der Chemiker arbeitet und forscht seit 30 Jahren im Bereich der elektrochemischen Energiespeicherung und Energiewandlung.
„So ein Neujahrsempfang ist ja immer eine gute Gelegenheit, nach hinten zu blicken, aber vor allem auch nach vorne zu schauen“, beginnt Fuchs seine Rede. „Erlauben Sie mir, dass ich heute weniger nach hinten gucke. Zwei Monate des Jahres Revue passieren zu lassen, geht relativ fix.“ Er lege den Fokus daher auf die Zukunft und sehe dort Herausforderungen, denen wir uns alle stellen müssen.
„Vorab möchte ich mich aber bei Ihnen für das große Vertrauen und die Offenheit, die mir entgegengekommen ist, bedanken. Die vielen Gespräche, die vielen Eindrücke, die Neugierde mir gegenüber, aber natürlich auch die formulierten Erwartungen haben mir den Einstieg in die Arbeit erleichtert“, so Fuchs.
Wir schaffen es nur gemeinsam
2025 sei zusammengefasst wieder ein Jahr im „Dauerkrisenmodus“. Kriege, Krisen, Klimawandel, Mangel am Wohnraum … und vieles mehr. Er sei aber davon überzeugt, dass gerade hier in Münster die Möglichkeit bestehe, trotz allem mit Zuversicht in die kommenden Monate zu gehen. „Weil es hier etwas gibt, was ich als wesentlich einschätze: Der Zusammenhalt und das daraus erwachsene Vertrauen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die eigene Stärke, aber auch in andere und damit das Bewusstsein, dass wir das gemeinsam schaffen und in Zusammenarbeit vieles gelingen kann.“

Fuchs spricht in seiner Rede von erforderlichen Transformationen. „Ich glaube, der aktuelle Blick in die Welt, in Europa, aber auch in Deutschland, löst bei vielen von uns ein Gefühl der Überforderung und manchmal sogar der Ohnmacht aus. Viele von uns hätten es lange nicht für möglich gehalten, dass unsere Demokratie so fragil und angreifbar geworden ist.“
Mehr Kommunikation
Die internationale Ordnung funktioniere nur mit Völkerrecht. Es brauche aus seiner Sicht das klare Bekenntnis, das gegenseitige Zuhören als die beste Form der politischen Willensbildung anzusehen. „Auf der kommunalen Ebene muss es unsere Aufgabe sein, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in unsere Politik zu stärken. Wir müssen noch mehr darüber kommunizieren, was wir tun und warum wir es tun. Und alleine, dass wir hier gemeinsam stehen, ist für mich ein Zeichen von Mut und Zuversicht für das vor uns liegende Jahr und dessen Herausforderungen. Die finanziellen Spielräume sind enger geworden, Vieles wird nicht mehr so möglich sein, wie wir es gewohnt sind. Aber umso wichtiger ist, dass wir da transparent und offen miteinander umgehen.“
Ohne Wirtschaft keine Stabilität
Auch wirtschaftlich sei eine Transformation unumgänglich. Eine Stadtgesellschaft sei schließlich abhängig davon, dass die Wirtschaft funktioniert. Die Energie- und Mobilitätswende, der Fachkräftebedarf, der Klimaschutz, alles verlange nach neuen Lösungen und vor allem nach Zusammenarbeit. „Denn eines steht fest: Die Stabilität von uns allen, die Stabilität der Demokratie, hängt wesentlich mit der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Gesellschaft zusammen.“
Die Kombination aus Dialog, Partnerschaft und Vertrauen sehe Fuchs als Stärke dieser Stadt. Exemplarisch hierfür sei die Entwicklung unserer Stadt zu „Battery City“. Hier zeige sich, was möglich sei, wenn Spitzenforschung, wirtschaftliche Innovation und unternehmerische Kompetenz, kommunale und staatliche Unterstützung zusammenkommen.
„Ich freue mich sehr, dass wir heute mit Prof. Dr. Martin Winter jemanden begrüßen dürfen, der diese Verbindung wie kaum ein anderer verkörpert und die Entwicklung maßgeblich geprägt hat. Seine Arbeit steht für wissenschaftliche Exzellenz, für internationale Vernetzung und für den Transfer von Forschung in Wirtschaft und Gesellschaft,“ kündigt Fuchs seinen Gast an.
Mit Humor lernt es sich leichter
„Die Batterie-Forschung ist in Münster in den letzten 18 Jahren massiv gewachsen,“ beginnt Winter seine gleichermaßen informative als auch humorvolle Rede. „Das prominenteste Batterie-System ist die Lithium-Ionen-Battertie. Übrigens wird das th in der deutschen Sprache üblicherweise nicht wie z ausgesprochen. Es gibt kein Zermometer, kein Zeater und auch keine Lizographie“, erläutert er dem amüsierten Publikum und entschuldigt sich umgehend bei dem Gebärdendolmetscher für diese Wortkonstrukte.
Menschen seien „Technologie-Romantiker“, heißt: grundsätzlich immer kritisch neuen Technologien gegenüber. Schon vor 140 Jahren habe man sich in der Presse über das neue Verbrenner-Automobil lustig gemacht, sei es schließlich ein Wagen ohne Pferde! Carl Benz habe die Menschheit gewarnt, dass Geschwindigkeiten jenseits von 50 km/h irreversible Hirnschäden verursache. „Heute ist es genau anders herum. Man hat erst den Hirmschaden und fährt dann zu schnell“, scherzt Winter. Es gebe weltweit fünf Länder, die kein generelles Tempolimit haben: Nordkorea, Somalia, Afghanistan, Haiti und … Deutschland.

Genug von Autos, Münster ist doch schließlich eine Fahrradstadt. Winter zählt sich selbst allerdings zu keiner der beiden Kategorien, er sei passionierter Spaziergänger. „Und wie oft muss ich ausweichen, weil der Fußgängerweg entweder von parkenden Autos oder von Fahrrädern blockiert ist“, kritisiert er.
Stadt der Wissenschaft und Lebensart
Doch der Chemiker findet auch lobende Worte: „Münster ist eine Studenten-Stadt. Das ist überhaupt erst die Voraussetzung, um Großes in der Forschung aufzubauen.“ Dem Slogan des Stadt-Marketings „Münster ist eine Stadt der Wissenschaft und der Lebensart“ stimme er zu. „Lebensart kann man hier wirklich Tag für Tag spüren. Und dass die Wissenschaft auch eine gewisse Bedeutung hat, kann man daran erkennen, dass ich zu diesem Neujahrsemofang eingeladen wurde. Und auch tatsächlich Menschen gekommen sind. Darüber freue ich mich sehr. Für das Jahr 2026 wünschen wir Batterie-Forscher und Batterie-Forscherinnen Ihnen Folgendes: Immer genügend Energie bei nicht so hoher Spannung!“
- Kommunikation stärkt Vertrauen Oberbürgermeister Tilman Fuchs lud zum Neujahrsempfang ins Rathaus - 14. Januar 2026
- „Böse Geister“ mit gutem Herz werden getauft Am Sonntag fand die "Ehren- und Obergeistertaufe" der KG Böse Geister im Rathaus statt - 1. Dezember 2025
- Gentlemen only! Am Freitag fand im JOVEL die 39. Herrensitzung der "KG Böse Geister" statt - 29. November 2025
