
Sie ist ein echter Hingucker, die Fassade des ehemaligen Romberger Hofs im Innenhof des münsterschen Theaters. Bis zu ihrer Zerstörung im zweiten Weltkrieg war sie die Gartenseite eines ehemaligen Adelshofes. Inzwischen nagt allerdings deutlich der Zahn der Zeit am alten Gemäuer. Für 320.000 Euro soll sie nun restauriert werden.
Zu einem Theaterbesuch gehört zumindest in den Sommermonaten für viele das Glas Sekt im Innenhof während der Pause. Der Kontrast zwischen der modernen Nachkriegsarchitektur des Theaters und der Fassade aus dem 18. Jahrhundert ist schlichtweg bezaubernd und – wie die Leiterin des Ortskuratoriums Münster der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Sigrid Karliczek, feststellt – deutschlandweit einmalig. Der erhöhte Innenhof des Theaters liegt auf Höhe des ersten Stocks des Romberger Hofs. Zum Gesamtensemble gehören zwei große Platanen, die bereits aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg stammen sollen und vom Theater wie in riesigen Blumentöpfen gewissermaßen umbaut wurden. Genau genommen gehört auch die Skulptur-Raum-Konzeption von Kaspar Thomas Lenk dazu, die wie schräge Münzenstapel aussehen und aus dem Jahr 1972 stammt.
In einem sehr schlechten Zustand

Was die Bomben des zweiten Weltkriegs nicht schafften, erledigten Witterungseinflüsse und gut gemeinte aber leider kontraproduktive Restaurierungsarbeiten an der Rückseite der Fassade, die aus Ziegelsteinen besteht. In der 1970ern wurden die Fugen mit besonders hartem Zement ausgefüllt. „Das Material war damals sehr beliebt, viele Keller wurden damit gebaut. Die Folgen sieht man heute“, wie Karliczek erläutert. Wasser, das in das Gestein eindringt, kann wegen des dichten Mörtels nicht mehr austreten, eine schleichende Gefahr für das Material. Auch der Baumberger Sandstein, der zahlreiche Ornamente aufweist, ist an seine Grenzen gekommen, „Es geht um die Bewahrung des Ist-Zustands. Die Fassade ist aktuell in einem sehr schlechten Zustand, das muss man aufhalten, sonst geht es an die Statik“, wie Dr. Frauke Berghorn von der städtischen Denkmalbehörde erklärt.
Die Gesamtkosten von 320.000 Euro müssen nicht vollständig von der Stadt getragen werden, 90.000 Euro kommen vom Land und 100.000 Euro gibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dazu. Für die Überbringerin des dazugehörigen Förderbescheids, Sigrid Karliczek, war dies der letzte ihrer Dienstzeit, wie sie sagt. Kürzlich feierte sie ihren 80. Geburtstag im Schloss Senden und plant nun ihren Rückzug aus der Tätigkeit für die Stiftung. „Dieser Innenhof ist einer meiner Lieblingsorte in Münster. Die Fassade aus dem 18. Jahrhundert, die alten Platanen und das Theater aus den 1950er Jahren, das ist wie eine Theaterkulisse!“ Als solche wurde der Innenhof tatsächlich bereits häufiger genutzt, vor allem für Tanzaufführungen. Damit ist jetzt erstmal Schluss, aber die Bauarbeiten finden ohnehin überwiegend in der aktuellen Spielpause statt. Beendet sollen die Arbeiten dann Ende Oktober sein.
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