
Drei Tage Kulturgut füllten am vergangenen Wochenende die Ränge des Theaters. Von Big-Band-Jazz über Tanz bis hin zu Improvisationstheater und Poetry Slam war die gesamte Bandbreite des Kulturangebots vertreten. Über 600 Studierende wirkten an dem einzigartigen Programm des „Neue Wände“-Festivals mit.
Schon das Eröffnungsprogramm am Freitag erfüllt mit einem abwechslungsreichen Programm die Kultur-Gelüste des gesamten Publikums. Das Blechbläser-Ensemble „Galaxy Brass“ beginnt das Festival mit der Eurovision-Hymne. Danach spielt es ein Repertoire, das den Charakter des Festivals gut widerspiegelt: Neben typisch klassischer Literatur wie der Jupiter-Hymne erklingen auch moderner Jazz und eigene Schlager-Arrangements, zum Beispiel „Samba Si, Arbeit No“ als zehnstimmiger Bläsersatz.
Internationale Hoch(schul)-Kultur
Das diesjährige Motto „Neue Wände … goes Europe“, schon von der Eurovision-Hymne angekündigt, vereint nicht nur die gesamte Hochschulkultur Münsters, sondern auch Musizierende aus den verschiedenen Partnerstädten der Universität Münster. Julia Milewska aus Polen schreibt emotionalen Blues und Jazz, „Hillfort“ aus York experimentiert mit den verschiedensten Instrumenten und Stilrichtungen. Die internationalen Bands treten mit einer offenen, nahbaren Atmosphäre auf und erzählen von Problemen und Situationen, die für Studierende aller Hochschulen relevant sind. Denn bei „Neue Wände“ geht es um die Musik selbst und nicht darum, wo die Musizierenden herkommen.
Werner Herzog beim Bandswap
Neben den altbekannten Hochschulgruppen wie dem Studierendenorchester, den Big Bands oder dem Medi-Chor treten bei „Neue Wände“ auch neuere und kleinere Gruppen auf. Unter anderem beim Bandswap wechseln sich am Samstagnachmittag dreizehn Bands ab, um von 15.30 bis 23 Uhr ein pausenloses Banderlebnis zu schaffen.

Die Musik der Combo „Alte Boden“ klingt dabei, anders als der Name vermuten lässt, sehr jung. Mit einem Mix aus Jazz, Fusion und Werner-Herzog-Zitaten spricht die Musik dem Publikum direkt aus dem Herzen. Mitreißende R’n’B-Klänge mit Saxofonsolo und einer Audiospur über verrückte Pinguine passen genau zu dem, was „Neue Wände“ sein soll: ein Ort, um neue Kulturideen auszuprobieren. Und ehe man verarbeiten kann, was da musikalisch alles passiert, sind die 30 Minuten Auftritt vorbei. Aber es gibt keine Pause, es geht weiter mit „Pauli“, und dann sitzt man plötzlich bei der Aftershow-Party im Theatertreff.
Mit dem Kopf durch Neue Wände
Einige spannende Programmpunkte später findet das mehrtägige Musikprogramm sein großes Finale am Sonntagabend mit dem „Tapetenwechsel“. Ein Großteil der teilnehmenden Gruppen führt hier in verschiedenen Konstellationen kreative neue Programme auf. Tanzgruppen mischen sich mit Impro-Theater. Ein klassisches Hornquartett spielt Schlager über das schöne Italien, zusammen mit Chor und Band. Und der ukrainische Chor „Leontovich-Kapela“ singt zusammen mit der „Big Band 1“ von Frieden und Freundschaft.

Doch eines haben alle Auftritte gemeinsam: Leidenschaft und Freude. „Neue Wände“ ist kein Wettbewerb und keine Pflichtveranstaltung, es gibt keine Studienleistung und keine Abschlussprüfung. Alle Mitwirkenden stehen mit einem Lächeln auf der Bühne, die Moderation startet eine La-Ola-Welle, und beigetragen wird nur, worauf die Studierenden Lust haben. Und das, worauf die Studierenden Lust haben, ist Kunst. Lust auf Kultur. Lust auf neue Wände.
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