Münster ist mit Alphaville „Forever Young“ 41 Jahre nach dem frühen Erfolg mit "Big in Japan" trat die Band um Sänger und Gründungsmitglied Marian Gold in der Stadt auf, "in der damals alles begann"

Auch wenn er von den Backgroundsängerinnen Elisabeth Markstein und Ulrike Weidemüller begleitet wird, bleibt die Stimme von Marian Gold prägend für die Band Alphaville. (Foto: Thomas Hölscher)

Im Frühjahr 1984 erschienen mit „Big in Japan“ und „Sounds Like a Melody“ die ersten Singles von Alphaville und im September dann das erste Album „Forever Young“. Es gibt wohl kaum einen, der diese Lieder nicht kennt, eine 80er-Jahre-Party ohne wenigstens eins davon ist geradezu undenkbar. Dieses inzwischen etwas krumme Jubiläum hat die Band in einer zeitlich über die Monate auseinander gezogenen Tournee mit dem Titel „Forever! Live – Best of 40 Years“ gefeiert, die am Freitag in Münster ihren Abschluss fand. Denn hier hat damals schließlich alles angefangen, was Leadsänger Marian Gold beim Auftritt in der Halle Münsterland mehrmals betonte.

Musikalisch hat sich das Projekt über die Jahre weiterentwickelt, vom Trio mit zwei Keyboardern hin zu der heutigen Band, in der Gitarrist David Goodes immerhin schon seit 1995 dabei ist und die Mitstreiter an Schlagzeug, Bass und Keyboards seit etwa zehn Jahren. Prägend ist und bleibt aber die unverkennbare Stimme von Marian Gold, der als einziger aus der Ur-Besetzung übrig geblieben ist. Da macht es dann gar nichts aus, wenn bekannte Lieder in einem ganz anderen Sound erklingen, als man sie von den alten Schallplatten aus den 1980ern gewohnt ist.

Und diese Lieder machen einen großen Teil dieser Jubiläumstour aus. Fast alle Stücke aus dem Debüt-Album waren zu hören – und das ist kein Wunder. Denn die Band hatte ihre Fans online nach ihren Wünschen gefragt und sich das Programm quasi diktieren lassen. Nur in einem Fall hat sich Marian Gold über dieses Diktum hinweg gesetzt und sein eigenes Wunschlied „Sensations“ selbst auf die Playlist gesetzt. So erzählte er es jedenfalls.

Der Erfolg mit Alphaville begann in Münster

Als charmanter Conférencier ließ Marian Gold am ganzen Abend hin und wieder ein paar kleine Anekdötchen einfließen. Natürlich erzählte er auch davon, dass er den Ausflug nach Münster genutzt hat, um Band und Begleitern die Stadt zu zeigen, in der damals der Erfolg mit Alphaville begann. Dazu gehörte auch das Haus am Dahlweg 94, in dessen Keller sich einst das Studio befand, in dem die ganzen Hits entstanden sind. Auf dem Weg zu Fuß vom Bahnhof in den Dahlweg sei ihm damals auch das Lied „Red Rose“ eingefallen, das auf dem zweiten Album veröffentlicht wurde.

Kaum hatte Gold erzählt, dass seine Tochter Lily Becker dieses Lied gerne mal mit ihm singen würde, erschien sie für dieses eine Duett auf der Bühne. Gerade bei ihrem Auftritt war zu spüren, wie familiär bei dieser Band das Miteinander auf der Bühne und wahrscheinlich auch dahinter ist. Egal ob die Bassistin Alexandra Merl, der Schlagzeuger Jakob Kiersch oder der Gitarrist David Goodes – alle bekamen ihren Raum, um zu glänzen. Allen voran aber der Keyboarder Carsten Brocker, der nicht nur nur die Sounds aus den 80ern und darüber hinaus  hervorzauberte, sondern dabei unentwegt tanzte oder hüpfte oder den anderen Bandmitgliedern Einsätze gab.

Jubiläumstournee fand am Freitag in Münster ihren Abschluss

Viel Energie zeigte auch das Publikum, obwohl die meisten darin wohl in den 80ern ihre Jugend erlebt haben. Immer wieder stand der ganze Saal im eigentlich bestuhlten Konzert auf, um zu tanzen oder wenigstens im Rhythmus zu klatschen – natürlich vor allem bei den Hits aus dem Debüt-Album. Da verwunderte es ein wenig, dass der Hit „Big in Japan“ schon als viertes Lied gespielt wurde. Aber auch spätere Songs, wie „Fools“ von 1994 oder „I Die for You Today“ von 2010 kamen sehr gut an.

Weniger überraschend war, dass die Band ihren bis heute immer wieder von von DJs remixten oder durch andere Musiker – von Karel Gott bis Jay-Z – gecoverten Erfolgstitel „Forever Young“ als letzten vor der Zugabe brachte. Dieses Lied sang dann das ganze Publikum eine Weile weiter, als nach knapp zwei Stunden das Saallicht eingeschaltet und das Konzert damit als beendet signalisiert wurde. Mit Alphaville fühlen sich die mit der Band gealterten Fans, die hier eindeutig in der Mehrheit waren, offensichtlich selbst „Forever Young“, egal wie alt sie auf dem Papier sein mögen.

Mehr Infos und kommende Konzerttermine findet ihr auf der Homepage der Band, auf Facebook und Instagram.

 

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