
„SHESUS loves you“ stand auf einem der hinter der Halle Münsterland geparkten Tour Trucks und ja, Liebe hatte Carolin Kebekus im Gepäck und davon extrem viel. Der eigentlich für den 28. Februar angekündigte Termin war krankheitsbedingt auf den 9. September verschoben worden. An den Gesprächen in der Halle merkte man schon vor der Show, wie sehr sich die Fans auf diesen Nachholtermin gefreut haben.
Carolin Kebekus darf man inzwischen als Stammgast in Münster bezeichnen, auch wir berichteten bereits in der Vergangenheit über ihre stets ausverkauften Shows. Nach „Pussy Terror“ (2014), „Alpha Pussy“ (2016), „Pussy Nation“ (2021) und einer Babypause war die Spannung auf das neue Programm groß.
Wie bibelfest das katholische Münster ist, wurde direkt zu Anfang mit der Lesung aus Genesis (Kapitel 1, Vers 1-2 4a) überprüft. Eine tiefe Männerstimme nämlich rezitierte die berühmten Verse von Himmel und Erde und sah, dass Münster gut genug für SHESUS war. Engelsgleich und in unschuldigem Weiß schwebte Carolin Kebekus von Nebel umhüllt auf dem SHESUS Mobil um Punkt 20 Uhr auf die Bühne.
Comedy-Show mit FSK 16

Dass die Halle Münsterland bis auf den letzten Platz ausverkauft war, muss man nicht extra erwähnen. Dass die Show laut Veranstalter mit einer FSK 16 daherkommt, allerdings schon. Wer nämlich denkt, die Comedienne zu kennen, weil man sie mal im TV gesehen hat, der kennt sie nicht wirklich und wird live eines Besseren belehrt.
„Wir befinden uns heute in der Bubble der Liebe und Hass bleibt draußen“, ist Kebekus‘ klare Ansage ans Publikum, was den ersten großen Beifallssturm hervorrief. „Münster, ich habe einen Menschen gemacht.“ Caro ist Mama geworden. Punkt!
Humorvoll wie selbstkritisch erzählt Kebekus über das Mutterwerden und das Muttersein, wieviel Glück aber auch Entbehrungen damit einhergehen. Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Tipps der Freundinnen oder Apps, „Mit Kindern ist es wie mit Pfannkuchen, der erste wird scheiße.“
„Die Urangst einer jeden Mutter ist doch, wird mein Baby hässlich?“
„Die Urangst einer jeden Mutter ist doch, wird mein Baby hässlich? Sieht mein Baby aus wie ein dicker CDU-Politiker mit Glatze?“ Kebekus nimmt am liebsten sich selbst auf die Schippe. Dabei ist es nicht nur die knallharte und pointierte Rhetorik der Künstlerin, die bestens unterhält, sondern auch ihr Können, all das grobmotorisch zu untermalen.
Was öffentliches Stillen für absurde Reaktionen hervorrufen kann, oder sich schwanger auf die Bühne zu stellen, belegt Kebekus durch persönliche Erlebnisse und Hasskommentare. Auf ihrem Smartphone hat sie die besten Beleidigungen gespeichert und liest unter anderem eine von „Alpha Jochen 88“ vor („Warum hat die nicht abgetrieben?“), der auf seinem Social Media-Profil auf Fotos vor seiner Modelleisenbahn posiert. „Bei Jochen und seiner Eisenbahnkulisse frage ich mich, ist das da Schnee auf den Bergen, oder hat der aufs Pappmaché gewichst?“.
Kebekus macht dennoch klar, dass sie nichts lustiger findet, als eben solche Hasskommentare. Absurderweise nahmen die Hasskommentare erst recht zu, nachdem ihre Schwangerschaft bekannt wurde.
Caro spricht Klartext, spart nichts aus. Allein das Wort „Titten“ fällt mindestens ein Dutzend Mal.
Und sie dreht den Spieß um in Richtung Till Lindemann von Rammstein: „Wenn das hier heute ein Rammstein-Konzert wäre, dann hätte ich jetzt schon zwei von euch gebumst“.
Kebekus thematisiert Sittenverrohung in der Gesellschaft

Hier legt Kebekus den Finger in die Wunde, und zwar nicht indem sie Feminismus und knappe Röcke anprangert, sondern indem sie die Sittenverrohung in der Gesellschaft thematisiert. „Muss eine junge Frau, die auf ein Konzert geht, echt damit rechnen, von einem Ü60 Typen gebumst zu werden? Wer zur Hölle designt eigentlich so eine Suck Box? Wo gibt man sowas in Auftrag?“.
Damit einhergehend fragt Kebekus, ob es wirklich diese Bad Boys sind, die Frauen wollen. Der böse Junge aus dem Kindergarten, der dir immer Sand in die Augen geschmissen hat, aber alles natürlich nicht so meint.
Kebekus bezeichnet sich selbst als privilegiert und selbstbestimmt und wirbt auch für einen offenen Umgang mit weiblicher Selbstbefriedigung, die sie einfach in Carolinieren umtauft. Ihr ist es wichtig bei aller Unterhaltung im Programm vor allem Frauen Respekt zu zollen. Sie macht darauf aufmerksam, was es bedeutet in der heutigen Zeit als Frau straffrei abtreiben zu können und verneigt sich vor dem Beruf der Hebamme.
Tenor soll aber niemals Spaltung der Geschlechter sein, sondern vielmehr ein Miteinander auf Augenhöhe mit mehr Gerechtigkeit.
„Für mich ist Gott kein leicht reizbarer älterer Mann“
Ja, Kebekus hat auch gegen die Katholische Kirche ausgeteilt, nicht nur bei der Show im katholischen Münster. Sie bekräftigte aber gestern Abend erneut, dass sie nicht ungläubig sei. „Ich glaube auch an Gott. Aber für mich ist Gott kein leicht reizbarer älterer Mann, sondern für mich ist Gott Liebe. Ich glaube an die Liebe und ich glaube, dass Liebe sehr viel schaffen kann.“
Das Finale endete mit einem von Carolin Kebekus umgeschriebenen „Hallelujah“, das das Publikum begleitet von vielen Handylichtern mitsang. Mit viel Dankbarkeit und einem Lächeln im Gesicht entließ die Comedienne nach gut 2 1/2 Stunden Show ihre Fans in die Nacht.
Carolin Kebekus zeigt mit ihrem Programm SHESUS erneut, wie Differenziertheit und Direktheit funktionieren kann. Sie duckt sich nie weg und ist vor allem gegen Nazis und jede Form der Diskriminierung stets laut und scheut keine Konfrontation. So ist es fast ein Zufall, dass ihr Protestvideo „Wie blöd du bist“ – eine herrliche Parodie gegen Rechts – vor genau 10 Jahren im September erschien. Anstand ist eben keine Propaganda, menschliches Miteinander kein Regierungsauftrag und ein Ja zu Diversität erst recht nicht der Weltuntergang.
SHESUS sagt: Amen, Bitches!
- Docklands Festival gibt Line-up 2026 bekannt Jubiläumsausgabe überrascht mit fünfter Bühne - 15. Januar 2026
- Eine Pudeldame mischt den Hot Jazz Club auf Deutschpop-Band aus Lübeck feierte am Samstag ihre Münster-Premiere / Und als Bonus: Die Band im Interview - 25. November 2025
- Kim Wilde bleibt wild! Die 80er-Jahre-Ikone begeisterte am Freitag das Publikum im ausverkauften JOVEL - 22. November 2025
