
Die Münsteraner Krimi-Königin Henrike Jütting meldet sich mit dem mittlerweile sechsten Roman um die Ermittlerin Katharina Klein zurück. Wie üblich geht es hier nicht zotig-humorig zu (sonst wären die Geschichten sicherlich längst verfilmt worden – im Fernsehen müssen Münster-Krimis wohl leider immer noch vor allem lustig sein), sondern verzwickt-rätselhaft in bestem Agatha-Christie-Stil. Dem Lesespaß tut dies selbstverständlich keinen Abbruch, denn schon von der ersten Seite an versteht die Autorin es, ihre Leser in die Geschichte hereinzuziehen.
Wie schon in den letzten Romanen gerät Kommissarin Katharina Klein mehr durch Zufall und persönliche Verbindungen in einen neuen Fall. Ausgerechnet ein Freund ihrer neuen Pilates-Bekanntschaften wird Opfer einer blutigen Attacke – und die Kommissarin ist von Anfang an direkter involviert, als ihr lieb ist. Doch die Erzählung beginnt bereits deutlich früher, nämlich im Jahr 1986. Hier schafft Jütting es, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen, während sie – immer im Wechsel mit der heutigen Zeit – eine Freundesgruppe durch ihren Alltag bis zu einem dramatischen Wendepunkt begleitet, der gleichzeitig auch ein Wendepunkt für die Ermittlungsarbeit des Teams um Kommissarin Klein sein soll. Aber besteht der erhoffte Zusammenhang zwischen zwei zeitlich so weit entfernten Tötungsdelikten wirklich?
Der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen ist der Spannung jedenfalls durchaus zuträglich, immer wieder enden die Kapitel mit Cliffhangern, bevor es auf der nächsten Zeitebene ebenso spannend weitergeht. In bewährter Kammerspiel-Art bleiben sowohl Figuren als auch Spielorte überschaubar, werden aber durch die Entdeckung neuer Querverbindungen immer wieder durcheinandergewirbelt und neu verknüpft.
Auch an Herausforderungen für die Kommissarin mangelt es in diesem verzwickten Fall nicht: Die Verdächtigen sind eine eingeschworene Clique, die Bandscheibe ist nur selten da, wo sie hingehört, der ursprüngliche Fall liegt fast 40 Jahre zurück und zu allem Überfluss muss sie auch noch ihren erkrankten Chef vertreten. Genügend Hindernisse also, um auch den sechsten Fall bis zur letzten Seite spannend zu halten. Wer den Sommer mit einem wirklich spannenden, hervorragend erzählten Krimi ausklingen lassen möchte, findet in „Hafentod“ die perfekte Urlaubslektüre, die zugleich das Münster-Heimweh lindert.
Henrike Jütting: Hafentod. Kriminalroman aus Münster. KBV Verlag 2025. 320 Seiten. 15,00 Euro. ISBN 978-3-95441-723-0
Am 18. September stellt die Autorin den neuen Kriminalroman in der Stadtbücherei am Alten Steinweg vor. Beginn der Lesung ist um 19:00 Uhr. Tickets kosten 5 € und sind im Vorverkauf in der Stadtbücherei erhältlich.
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