
Eins mit der Musik und eine Performance, die zumindest kurzzeitig alle Probleme des Publikums heilt: Unter dem Motto „Unite & Heal“ tourt Tilar diesen April durch Deutschland. Der Tourstart im ausverkauften Hot Jazz Club am Freitag verbildlicht das Motto der Tour.
Die Band braucht kein Warm-Up, keinen Support-Act und keine Anmoderation. Schon die ersten Takte des bewährten Programms starten mit Energie und es dauert nicht mal einen Chorus, bis die ersten Tänze im Saal zu sehen sind. Nach wenigen Songs ihres ersten Albums “Over the Moon” überrascht die Gruppe mit dem Live-Debüt einiger Songs aus „Unite & Heal“, dem Namensvetter der Tour.
Die frische neue Stimme der Funk and Dance Szene
Nicht nur die mitreißende Musik, sondern auch die Texte der auf Englisch gesungenen Lieder berühren alle Anwesenden. Denn Tilar spielt funkige Tanzmusik über eine große Bandbreite von Themen: Neben Liedern über Liebe und Verliebtsein spricht das Ensemble auch von ADHS, Traumata und Sexismus.
Damit spannt Tilar einen gekonnten Spagat zwischen modernem Jazz, guter Laune und Ernsthaftigkeit. Das Publikum wird so nicht nur musikalisch, sondern auch zum Denken angeregt.
Schweigen ist Gold, Tilar ist Silber
Die weiß-silbernen Outfits der Band unterstützen den Space-Vibe, den die Band schon mit ihren Klängen erzeugt. Und der Raum ist vollständig im Bann der Musik – in Momenten angespannter Stille kommt kein Ton von den Zuhörenden. Dafür singen die begeisterten Jazz-Enthusiasten und Enthusiastinnen mit, wenn die Refrains von “Let It Go” und “More Than A Friend” erklingen. Und als das Publikum gedrittelt wird und einen dreistimmigen Backing-Chor bildet, könnte man meinen, man steht in der Mitte des gefüllten Preußen-Stadions.
Tight, Tight, Tilar
Von Anfang bis Ende gibt es kein Stimmungs-Tief. Strahlende Höhepunkte, aber auch delikate ruhige Momente beeindrucken mit einem 4-stimmigen Bläsersatz. Ein Bläsersatz, der so tight und abgestimmt ist, dass man beim Zuhören meinen könnte, die Blasinstrumente seien computergeneriert. Die kurze Pause ist nicht nur für die Band eine Gelegenheit, sich auf eine weitere Stunde bläserisch anspruchsvoller Musik vorzubereiten, sondern auch für das Publikum, um die zahlreichen Eindrücke der ersten Hälfte zu verarbeiten.
Ein Appell zwischen lockerer Tanzmusik und guter Laune
Nach weiteren bewährten Stücken von “Over the Moon” beendet die Sängerin Clara Lucas den offiziellen Teil mit einem Appell an die Zuhörenden, weiterhin Live-Musik zu unterstützen. KI bedrohe nicht nur junge kreative Köpfe wie Tilar in ihrer Existenz, sondern alle Musiker und Musikerinnen. Darum ruft Tilar dazu auf, immer und immer wieder in den Hot Jazz Club, zu Tilar-Konzerten oder Live-Musik jeder Art zurückzukehren.
Wenn man den zustimmenden Rufen und den Gesichtern der Fans glauben kann, werden sie wiederkommen. Denn Tilar hinterlässt nicht nur einen Raum voll stickiger Luft, sondern auch einen Raum voller junger Energie, frischer Kreativität und glücklicher Fans.
Dann zwei Zugaben, und der Jazz Club wird in ihre weltlichen Probleme zurückgeworfen. Wobei das größte Problem ist, dass Tilar erst nächstes Jahr wieder in Münster auftreten wird.
Mehr Infos zur Band Tilar könnt ihr auf ihrer Homepage und auf Instagram finden.
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