Mehr Pflegebegutachtungen erwartet Medizinischer Dienst rechnet vor Pflegereform mit deutlichem Anstieg

Vor der angekündigten Pflegereform erwartet der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe einen Anstieg der Pflegebegutachtungen. (Symbolbild: Jsme MILA / Pexels)
Vor der angekündigten Pflegereform erwartet der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe einen Anstieg der Pflegebegutachtungen. (Symbolbild: Jsme MILA / Pexels)

Der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe mit Sitz in Münster rechnet im Vorfeld der angekündigten Pflegereform mit deutlich mehr Pflegebegutachtungen. Hintergrund sind geplante Änderungen in der Pflegeversicherung, darunter höhere Voraussetzungen für die Einstufung in einen Pflegegrad.

„Wir rechnen mit einem deutlichen Vorzieh-Effekt, weil Versicherte noch in den Genuss der alten Pflegegradregeln kommen möchten“, sagt Dr. Martin Rieger, Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe. Für das zweite Halbjahr bereitet sich der Medizinische Dienst nach eigenen Angaben auf eine Steigerung der Aufträge um zehn Prozent vor.

Aufträge haben sich verdoppelt

Allein in Westfalen-Lippe haben sich die Aufträge für Pflegebegutachtungen in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt, wie der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe in einer Medienmitteilung erklärt. Im vergangenen Jahr gingen demnach 430.909 Aufträge ein. Der Medizinische Dienst führt die Pflegebegutachtungen im Auftrag der sozialen Pflegekassen durch.

Das Bundesgesundheitsministerium plant laut Mitteilung unter anderem, die Voraussetzungen für einen Pflegegrad anzuheben. Außerdem soll ein stärkerer Schwerpunkt auf Prävention und Rehabilitation gelegt werden, um den Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen zu verlangsamen.

Wie stark der erwartete zusätzliche Anstieg tatsächlich ausfallen wird, ist nach Angaben des Medizinischen Dienstes noch offen. „Das ist eine Schätzung von uns, die auf dem erwarteten demographischen Anstieg und dem Vorzieheffekt der Reform basiert“, sagt Rieger. „Wie groß dieser Effekt wirklich wird, wissen wir natürlich nicht. Wir treffen aber bereits Vorsorge, um auch einen noch stärkeren Anstieg der Begutachtungen noch fristgerecht bewältigen zu können.“

Digitale Terminvergabe soll helfen

Um den erwarteten Auftragszuwachs bearbeiten zu können, setzt der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe nach eigenen Angaben verstärkt auf eine digitale Terminvergabe und eine digitale Planung der Besuchstouren. Zusätzliche Stellen sollen für den erwarteten einmaligen Effekt nicht geschaffen werden.

Laut aktuellem Report Pflegebegutachtung halten sich Erstbegutachtungen und Höherstufungsbegutachtungen derzeit etwa die Waage. Dies sei eine Folge der Pflegereform von 2017, bei der die früheren drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt wurden. Die nun angekündigten Änderungen dürften nach Einschätzung Riegers sowohl Erstbegutachtungen als auch Höherstufungen betreffen. „Das ist natürlich ein einmaliger Effekt, den wir deshalb auch ohne zusätzliches Personal stemmen werden“, sagt Rieger. „Es bleibt gleichwohl eine Herausforderung, auf die wir uns natürlich gewissenhaft vorbereiten.“

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