Rock, Freundschaft und Gänsehautmomente Jupiter Jones, H-Blockx und Donots feiern "Mega Münster Slam" vor dem Schloss

Donots-Frontmann Ingo Knollmann spielt mit dem Publikum. (Foto: Carsten Pöhler)
Donots-Frontmann Ingo Knollmann spielt mit dem Publikum. (Foto: Carsten Pöhler)

Der „Mega Münster Slam“ begann am Samstag nicht erst auf der Bühne vor dem Schloss, sondern bereits zur Mittagszeit im Spec-Ops am Aegidiimarkt. Dort warteten Fans auf exklusives Konzert-Merch, ehe die Donots sich selbst und ihre Instrumente auf Lastenrädern anlieferten und gemeinsam mit den H-Blockx Mini-Gigs spielten. Stunden später verwandelten Jupiter Jones, H-Blockx und Donots den Schlossplatz in eine große Open-Air-Bühne – und machten aus dem Konzert einen Musiktag, der sich quer durch Münster zog.

Schon am Mittag war spürbar, dass dieser Samstag mehr werden würde als ein gewöhnlicher Tourstopp. Im Spec-Ops herrschte dichtes Gedränge, ehe die Donots ihre Instrumente stilecht auf Lastenrädern anlieferten. H-Blockx-Schlagzeuger Stephan „Steddy“ Wilmking bewies Improvisationstalent und trommelte kurzerhand auf den Polstern zweier Barhocker. Die kleinen Auftritte machten mächtig Lust auf den Abend.

Das Fahrrad blieb dabei das wiederkehrende Motiv des gesamten Tages: Selbst eines der exklusiven Shirts trug den augenzwinkernden Schriftzug „You Gotta Bike For Your Right To Party“. Später kamen die Donots auch zum Schloss mit dem Fahrrad. Und beim Finale ließ sich Sänger Ingo Knollmann während „We’re Not Gonna Take It“ auf einem Fahrrad über die Köpfe des Publikums tragen – einer der spektakulärsten Momente des Abends.

Festivalstimmung vor dem Schloss

Während sich der Schlossplatz am Abend langsam füllte, entstand auf der großen Wiese schon lange vor Konzertbeginn fast Festivalatmosphäre. Fans saßen in Gruppen im Schatten der Bäume, unterhielten sich, holten sich Essen oder standen an den Merchandise-Ständen an. Mit dem Auftritt von Jupiter Jones füllte sich schließlich auch der Bereich direkt vor der Bühne.

Jupiter Jones eröffneten den "Mega Münster Slam". (Foto: Carsten Pöhler)
Jupiter Jones eröffneten den „Mega Münster Slam“. (Foto: Carsten Pöhler)

Den Auftakt übernahm mit Jupiter Jones eine Band, deren Sänger Nicholas Müller seit Jahren in Münster lebt. Entsprechend fühlte sich der Auftritt vor heimischem Publikum fast wie ein Heimspiel an. Neben bekannten Songs präsentierte die Band auch aktuelles Material. Nach dem Konzert bedankten sich Jupiter Jones in den sozialen Medien ausdrücklich dafür, dass das Publikum auch die Songs vom neuen Album so begeistert gefeiert habe.

Kurz vor dem letzten Song wurde es still. Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin widmete Nicholas Müller das Stück der queeren Community. „Lasst Euch Mut zurufen. Wählt keine Faschisten! Lasst Euch nicht unterkriegen!“, rief er den Besuchern zu.

Ein Traum geht für die H-Blockx in Erfüllung

Nach Jupiter Jones gehörte die Bühne dann den H-Blockx. Für Sänger Henning Wehland war der Abend weit mehr als ein Konzert. Es sei immer ein großer Traum gewesen, gemeinsam mit den Donots und Jupiter Jones vor dem Schloss in Münster zu spielen.

Die Münsteraner Band machte zugleich deutlich, dass sie nach ihrem Album-Comeback nicht nur von ihrer Vergangenheit lebt. Gleich fünf Songs stammten vom aktuellen Album FILLIN_THE_BLANK. Gleichzeitig verwandelten Klassiker wie Move, How Do You Feel?, Countdown to Insanity, Little Girl, Leave Me Alone! und Risin’ High den Schlossplatz in einen großen Mitsingchor.

Auch für die H-Blockx ein Heimspiel. (Foto: Carsten Pöhler)
Auch für die H-Blockx ein Heimspiel. (Foto: Carsten Pöhler)

Besonders persönlich wurde Wehland vor „Desperado“. Offen sprach er über seine frühere drohende Alkoholabhängigkeit. Er sei zeitweise beinahe so weit gewesen, sich „mit Alkohol die Zähne zu putzen“. Erst ein Aufenthalt auf einem Reiterhof habe sein Leben verändert. Seit fünf Jahren trinke er keinen Alkohol mehr. Deshalb sei „Desperado“ heute der wichtigste Song seines Lebens.

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Eine Freundschaft, die Jahrzehnte verbindet

Mit den Donots erreichte der „Mega Münster Slam“ seinen Höhepunkt. Obwohl Donots und H-Blockx seit vielen Jahren eng befreundet sind, gemeinsam auf Festivals spielten und sich immer wieder gegenseitig auf die Bühne holten, war es ihre erste offiziell gemeinsame Show in Münster. Die Verbundenheit endet dabei nicht auf der Bühne: Das aktuelle H-Blockx-Album erschien über Solitary Man Records, dem Label der Donots.

Auch musikalisch zeigte sich eine Gemeinsamkeit. Wie die H-Blockx setzten auch die Donots nicht ausschließlich auf ihre größten Hits. Aktuelle Songs wie „Heut ist ein guter Tag“, „Keiner kommt hier lebend raus“, „Problem kein Problem“ oder „Dann ohne mich“ standen gleichberechtigt neben Klassikern wie „Calling“, „Wake the Dogs“, „Dead Man Walking“, „Kaputt“ und „So Long“. Nostalgie allein war an diesem Abend keinem der drei Acts genug.

Ein Abend voller Münster-Geschichten

Immer wieder schlugen die Donots Brücken zu ihrer eigenen Geschichte mit Münster. Frontmann Ingo Knollmann erinnerte an die Zeit, in der er in der Stadt lebte und der Hansaring zu den wichtigsten Treffpunkten der Band gehörte. Passend dazu hatten die Donots ihre Fans schon im Vorfeld aufgerufen, nach dem Konzert dort weiterzufeiern. Beim Song „Hansaring 2:10 Uhr“ machte Knollmann aus einer fiktiven Notfallsituation kurzerhand einen „Erste-Hilfe-Kurs“. Tausende Besucher wedelten daraufhin mit den Armen durch die Luft.

Die Donots hatten "keinen Bock auf Arschlöcher". (Foto: Carsten Pöhler)
Die Donots hatten „keinen Bock auf Arschlöcher“. (Foto: Carsten Pöhler)

Für einen weiteren außergewöhnlichen Moment sorgte die Band während „Kaputt“. Tätowierer Kolja wurde samt Liege auf die Bühne geholt. Gesucht wurde eine Person, die sich mitten im Circle Pit ihr erstes Tattoo stechen lassen wollte. Melanie meldete sich – und ließ sich, umringt von tanzenden Fans, einen Blitz tätowieren.

Auch gegen Rechtsextremismus bezogen die Donots an diesem Abend mehrfach klar Stellung. Nachdem aus dem Publikum „Nazis raus“-Rufe zu hören waren, sagte Ingo Knollmann: „Münster ist so fucking stabil.“ Später berichtete er, einigen Besuchern seien auf dem Gelände „Kein Bock auf Nazis“-Patches und ähnliche Aufnäher abgenommen worden. „Wir haben keinen Bock auf Arschlöcher! Dieser („Mittel-„, Anm. d. Red.) Finger ist für Euch!“, machte der Sänger die Haltung der Band unmissverständlich deutlich.

Die Donots fühlen sich auf der Bühne vor dem Schloss pudelwohl - hier mit Gitarrist Guido Knollmann (li.). (Foto: Carsten Pöhler)
Die Donots fühlen sich auf der Bühne vor dem Schloss pudelwohl – hier mit Gitarrist Guido Knollmann (li.). (Foto: Carsten Pöhler)

Musik, Engagement und ein weiteres Großereignis

Während des Konzertabends sammelte die Initiative „Viva con Agua“ Pfandbecher für Trinkwasserprojekte. Sowohl H-Blockx als auch Donots riefen das Publikum mehrfach zur Unterstützung auf. Vor allem während des Donots-Auftritts flogen zahlreiche leere Becher gezielt Richtung Bühne, damit sie für den guten Zweck eingesammelt werden konnten.

Trotz ausgelassenster Stimmung mit Circle Pits und tausenden tanzenden Besuchern verlief der Abend ruhig. Nach Angaben der Johanniter gab es keine besonderen Vorkommnisse. Hinter dem Mega Münster Slam stand mit Kingstar Music ein Veranstalter, dessen Wurzeln eng mit Münster verbunden sind. Das Unternehmen gründete unter anderem das Vainstream Rockfest und kehrte mit dem Mega Münster Slam für einen besonderen Konzerttag an den Schlossplatz zurück.

Für die Donots selbst war der Abend offenbar ebenso besonders wie für viele Fans. Auf Social Media fasste die Band ihre Eindrücke noch am Abend knapp zusammen: „Das war heftig.“ Lange ruhig bleibt es auf dem Schlossplatz allerdings nicht. Schon heute Abend folgt mit Paul Kalkbrenner das nächste Großereignis vor der Schlosskulisse.

Fotostrecke: Mega Münster Slam (01.08.2026)

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