
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Münsterland wendet sich gegen geplante Änderungen im Gesundheitsbereich. Nach Ansicht der Gewerkschaft würden Versicherte durch höhere Zuzahlungen bei Medikamenten zusätzlich belastet. „Wer in Münster zum Hausarzt geht, für den wird es teurer“, sagt Helge Adolphs, Geschäftsführer der NGG Münsterland.
Konkret kritisiert die NGG ein von der Bundesregierung geplantes Sparpaket, das nach ihrer Darstellung zu höheren Eigenanteilen bei Arzneimitteln führen würde. So sollen Versicherte künftig bis zu 15 Euro zuzahlen, mindestens aber 7,50 Euro. Bislang liege die Zuzahlung bei 5 Euro und sei bei 10 Euro gedeckelt. Adolphs warnt vor zusätzlichen Belastungen in einer Zeit, in der viele Haushalte bereits mit steigenden Kosten etwa für Miete, Lebensmittel und Mobilität zu kämpfen hätten.
Forderung nach geringerer Mehrwertsteuer
Statt höhere Zuzahlungen einzuführen, fordert die NGG Münsterland eine steuerliche Entlastung bei Medikamenten. Die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel solle von 19 auf 7 Prozent sinken. „Ob Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder Infusionen: 7 statt 19 Prozent für das, was in den Apotheken in Münster an Arzneimitteln über den Ladentisch geht. Das hätte einen enormen Effekt fürs Portemonnaie der Menschen“, sagt Adolphs. Eine niedrigere Besteuerung könne nach Einschätzung der Gewerkschaft auch die gesetzlichen Krankenkassen entlasten. In der Folge könnten die geplanten Zuzahlungen wieder sinken.
Kritik an der Teilkrankschreibung
Deutliche Kritik äußert die NGG außerdem an den Plänen zur Teilkrankschreibung. Dabei geht es nach Angaben der Gewerkschaft darum, dass Beschäftigte bei längerer Krankheit schrittweise wieder arbeiten sollen, etwa zu 25, 50 oder 75 Prozent. „Wer länger krank ist, schleicht – oder besser wohl: schleppt – sich dann in Etappen zurück zur Arbeit. Und das ärztlich verordnet“, sagt Adolphs.
Homeoffice und flexible Arbeitszeiten sollen dies nach den Vorstellungen der Bundesregierung erleichtern. Aus Sicht der Gewerkschaft greift das jedoch zu kurz. Adolphs verweist auf Berufe in Bäckereien und der Gastronomie, in denen die Arbeitsabläufe eng getaktet seien. In Backstuben und Küchen gebe es zu jeder Minute Zeitdruck und Stress. „Die Arbeit muss einfach gemacht werden. Sie nimmt keine Rücksicht auf Halb- oder Dreiviertel-Kranke“, sagt er. Solche Tätigkeiten unterschieden sich deutlich von Bürotätigkeiten.
Appell an Abgeordnete aus der Region
Zwar müssten einer Teilkrankschreibung Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen. Dennoch sieht die NGG Risiken. „Die Gefahr, dass Chefs Beschäftigte, die schwer und damit länger krank sind, dazu auffordern werden, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, ist groß“, sagt Adolphs. Das könne mit sanftem Druck, aber auch sehr direkt geschehen und sei aus seiner Sicht nicht förderlich für eine vollständige Genesung.
Die NGG Münsterland richtet deshalb einen Appell an CDU- und SPD-Bundestagsabgeordnete aus Münster und der Region. Sie sollten darauf hinwirken, die Pläne bei Zuzahlungen und der Mehrwertsteuer auf Medikamente zu verändern und die Teilkrankschreibung nicht umzusetzen, wie die NGG Münsterland in einer Medienmitteilung erklärt.
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