Ausstellung: Queeres Leben in der Kirche Initiative #OutInChurch / Martin Niekämper zeigt Fotografien Franz Hitze Haus

Fotograf Martin Niekämper zeigt Motive seiner Ausstellung „Gut. Katholisch. Queer. Für eine Kirche ohne Angst.“ (Foto: Bistum Münster / Thomas Mollen)
Fotograf Martin Niekämper zeigt Motive seiner Ausstellung „Gut. Katholisch. Queer. Für eine Kirche ohne Angst.“ (Foto: Bistum Münster / Thomas Mollen)

„Gut. Katholisch. Queer. Für eine Kirche ohne Angst.“ – unter diesem Motto zeigt die Akademie Franz Hitze Haus in Münster noch bis zum 10. August eine Foto-Ausstellung mit Porträts queerer Katholikinnen und Katholiken. Die Werke stammen von Fotograf Martin Niekämper, der Mitglieder der Initiative #OutInChurch in Szene gesetzt hat.

Wie das Bistum Münster in einer Medienmitteilung erklärt, zeigt die Ausstellung über 50 Porträts, die die Vielfalt und persönliche Geschichte der Teilnehmenden widerspiegeln. Die Fotos spielen mit Perspektiven, Licht und Farbe – mal im Detail, mal aus der Distanz. Die Aufnahmen entstanden nach intensiven Vorgesprächen per Videokonferenz und mehrstündigen Shootings in Kirchenräumen.

Zu den Porträtierten gehören auch Marie Kortenbusch und Monika Schmelter aus Lüdinghausen. Die beiden Frauen leben seit über 40 Jahren als Paar zusammen und waren lange im kirchlichen Dienst tätig. Ihre Beziehung hielten sie im Arbeitsumfeld jahrzehntelang geheim. In der Mitteilung des Bistums berichten sie, dass ihre Liebe in der Kirche „mit einer Schwere zugedeckt“ worden sei. Kortenbusch, einst Religionslehrerin, zeigt sich heute befremdet, dass ihre Liebe „nicht sakramental, sondern Sünde sein soll“.

Veränderungen angestoßen

Monika Schmelter, früher Ordensfrau, betont, sie habe zwar über einen Kirchenaustritt nachgedacht, wolle aber bleiben, „weil ich etwas bewegen will“. Die Initiative #OutInChurch habe ihrer Ansicht nach Veränderungen angestoßen, auch wenn sie die Entwicklung als noch nicht ausreichend empfindet. Eine Änderung der kirchlichen Lehre sei dringend notwendig: „Wie die Zeichen stehen, wird sich an der Lehre auf absehbare Zeit nichts ändern. Und das ist für queere Menschen kaum auszuhalten.“

Queeres Leben als „Geschenk Gottes“

Auch Dr. Johannes Sabel, Direktor der Akademie Franz Hitze Haus, sprach sich bei der Eröffnung für eine theologische Neubewertung aus. In seinen einführenden Worten verwies er laut Mitteilung auf das hebräische Original der Schöpfungsgeschichte, das nicht „als Mann und Frau“, sondern „als männlich und weiblich“ übersetzt werden müsse. Dies eröffne mehr Spielraum in der Deutung biblischer Texte. Queeres Leben könne, so Sabel, als „Geschenk Gottes“ verstanden werden. Sabel erinnerte zudem daran, dass queerfeindliche Übergriffe in Deutschland seit 2010 deutlich zugenommen hätten. „Es geht hier um Menschenrechte“, betonte er und kritisierte zugleich, dass Staat und Kirche in diesen Fragen nicht hinterherhinken dürften.

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