„Viele sind schwer gezeichnet“ Münsteraner-Projekt für Menschen ohne Krankenversicherung veröffentlicht Jahresbilanz

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Dr. med. Gabrielle von Schierstaedt koordiniert das Projekt "Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung". (Foto: Malteser / Christian Eschhaus)
Dr. med. Gabrielle von Schierstaedt koordiniert das Projekt “Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung”. (Foto: Malteser / Christian Eschhaus)

Im vergangenen Jahr wurden 250 Untersuchungen von insgesamt 150 Patientinnen und Patienten in der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) in Münster durchgeführt. Größtes Problem, so Dr. med. Gabrielle von Schierstaedt, Ärztin und Koordinatorin dieses Projektes, sei nach wie vor die Finanzierung dieses rein ehrenamtlichen Hilfsangebotes.

Hauptsächlich behandelt das sechsköpfige MMM-Ärzteteam in den Fachgebieten Allgemeinmedizin, Gynäkologie und Zahnmedizin. Somit ist im Vergleich der Vorjahre (rund 240 Untersuchungen) eine leichte Steigerung erkennbar. „Ohne Spenden könnten wir diese medizinische Hilfe nicht leisten“, unterstreicht Dr. Gabrielle von Schierstaedt die Notwendigkeit der finanziellen Hilfen. Allerdings haben sich seit der Kooperation mit der Clearingstelle „Klar für Gesundheit“ der Caritas Münster und der Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender seit Oktober 2016 die Situation für viele Patienten deutlich verbessert. Dank der intensiven Beratung würden etwa 70 Prozent der Patienten den Weg zurück in eine Krankenversicherung finden, heißt es dazu von den Maltesern in Münster.

Mit rund 50 Prozent stammt die größte Zahl der Patientinnen und Patienten, wie auch in den früheren Jahren aus südosteuropäischen EU-Ländern, besonders Bulgarien und Rumänien. Bei den Behandlungen waren 132 aus Osteuropa, 28 mit deutscher Staatsbürgerschaft und die übrigen stammen aus Afrika und Südamerika. Von den Patientinnen und Patienten waren 19 älter als 50 Jahre,  82 zwischen 49 und 20 Jahren. 82 Schwangere wurden von der katholischen Hilfsorganisation betreut.

Viele der zu behandelnden Personen kämen erst sehr spät und gesundheitlich schwer gezeichnet in die Sprechstunde der Malteser. Immer mit dem Gedanken im Kopf, ganz am Ende angelangt zu sein. Im Grunde gehe es darum, das Dickicht aus Gesetzen und Paragrafen zu lichten und berechtigte Ansprüche durchzusetzen. Bei Deutschen ohne Krankenversicherung sei das mittlerweile kaum noch ein Problem. „Wir fragen nicht, wo es ein Fehlverhalten der zu behandelnden Person in der Vergangenheit gab, sondern gehen den strukturellen Problemen auf den Grund“, betont Dr. von Schierstaedt. Bei ausländischen Patientinnen und Patienten sei es schon deutlich schwieriger Ansprüche geltend zu machen. Das beginne schon bei Urkunden und fehlenden Bescheinigungen.

Ganz schwierig gestalte sich die Arbeit mit Menschen, die ohne geklärten Aufenthaltsstatus in die Praxis kämen. Immerhin rund 10 Prozent der Fälle. „Hier sind wir immer wieder auf viel guten Willen von Fachärzten und Krankenhäusern angewiesen, ohne die wir hier in Münster nicht helfen könnten“, ist Dr. von Schierstaedt sehr dankbar. Dass ihre Hilfe auch weiterhin gebraucht wird, davon ist die engagierte Ärztin überzeugt. Auch im nächsten Jahr rechnet sie wieder mit über 200 Patienten in ihrer kleinen Sprechstunde am Daimlerweg.

Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung in Münster

Öffnungszeiten ohne Anmeldung: dienstags von 10.00 bis 14.00 Uhr (aktuell wegen Corona keine Sprechstunde)
Adresse: Daimlerweg 33, 48163 Münster
Tel.: (0251) 971210

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