Eine wahre Geschichte in Zauber getunkt LUMINISCENCE feiert mit Mechthild Großmann Premiere im St.-Paulus-Dom

Mit musikalischer Untermalung wird der Dom in wechselnde Lichtprojektionen gehüllt. (Foto: Thomas Shajek)
Mit musikalischer Untermalung wird der Dom in wechselnde Lichtprojektionen gehüllt. (Foto: Thomas Shajek)

Fast jeder Mensch, der in Münster lebt, ist beim abendlichen Spaziergang schon an ihm vorbeigeschlendert oder hat am Samstagmittag an seinem Fuße Blumen gekauft oder Bratkartoffeln gegessen. Bei jedem Stadtfest thront er als imposante Kulisse im Hintergrund. In unzähligen Städtetrip-Alben klebt mindestens ein Foto von ihm….aber: Kennt ihr eigentlich die ganz persönliche Geschichte des St. Paulus Doms?

Am gestrigen Abend fand im Dom die Deutschlandpremiere des französischen Lichtspektakels LUMINISCENCE statt. Etwa 500 Personen durften den Mix aus Kunst, Architekur, Musik, Licht und vor allem Geschichte am Donnerstagabend erleben.

Die Bänke sind geschmückt mit dicken Kerzen, es ist recht dunkel und der am Altar aufgestellte Chor, der sich aus Mitgliedern der Dom-Sing- Schule zusammensetzt, ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als eine Ansammlung dunkler Silhouetten.

Großer Vertrauensvorschuss

Ingrid Langheld, Geschäftsführerin von „Brainpool Live Entertainment“ erklärt, warum die Wahl für LUMINISCENCE ausgerechnet auf Münster gefallen ist. „Weil wir mit unserem Projekt durch das Bistum Münster einen wahnsinnig großen Vertrauensvorschuss bekommen haben.“ Für die Vorbereitungen habe das Team viele Nachtschichten einlegen müssen, da der normale Alltag im Dom natürlich nicht pausiert wurde. Die Offenheit für das Projekt bestätigt Dr. Antonius Hamers, Diözesanadministrator des Bistums Münster, in seiner Begrüßungsrede: „An diesem Ort feiern Menschen seit 1200 Jahren Gottesdienste und in diesem Jahr feiern wir, dass vor genau 800 Jahren der Grundstein zu dieser wunderbaren Kathedrale gelegt wurde.“ Im Laufe dieser Jahrhunderte habe der Dom vieles gesehen, erzählt Hamers. „Und über all diese Zeit hinweg hat er uns einen Ort des Glaubens gegeben, Heute freue ich mich besonders, das LUMINISCENCE unseren altehrwürdigen Dom in neuem Licht und Glanz erstrahlen lässt.“

Und dann geht es los. Mit musikalischer Untermalung wird den ohnehin schon kunstvollen Konturen der Kathedrale durch Lichtprojektionen nicht nur optisch Leben eingehaucht – man glaubt, der Dom zeige seine Seele. Meterhohe Farbkompositionen ranken dem alten Gemäuer der Kathedrale empor. Es erscheint, als habe der engelsgleiche Gesang des Chores mit seiner stimmlichen Kraft die Fähigkeit, die Wände, Säulen und Decken zu bemalen. Ein bisschen wie in einem Disney-Film.

Tatort-Star verleiht dem Dom ihre Stimme

Und auch wenn man in der Ankündigung für diese neue Veranstaltungsreihe gelesen hat, dass Mechthild Großmann („Tatort“) die Geschichte des Doms erzählen wird, überrascht einen dennoch die Intensität der markant tiefen Stimme in diesem Arrangement. „Ich offenbare euch nun das Wertvollste, was ich habe: meine Geschichte“, beginnt die Stimme aus dem Off. Die gebürtige Münsteranerin ist bei der Premiere persönlich zugegen. Als Kind habe sie immer ein Blümchen zum Kardinal von Galen bringen müssen, erzählt sie, und heute darf sie dem Dom ihre Stimme geben. „Wenn das meine Mutter noch erlebet hätte!“ Ob sie dieser Aufgabe daher mit besonderer Ehrfurcht begegnet sei, möchte ALLES MÜNSTER wissen. „Es war eine besondere Aufgabe und ich habe sie wirklich sehr genossen, aber nein, Ehrfurcht ist bei der Arbeit nicht gut, man sollte eher nachdenken.“

Mechthild Großmann und Weihbischof Dr. Stefan Zekorn im Gespräch mit ALLES MÜNSTER. (Foto: Thomas Shajek)
Mechthild Großmann und Weihbischof Dr. Stefan Zekorn im Gespräch mit ALLES MÜNSTER. (Foto: Thomas Shajek)

Und das hat die Schauspielerin getan – gemeinsam mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn. „Wir haben uns über Stunden unterhalten und genau überlegt, wie man den Text am besten formuliert, das Vorhaben am besten umsetzt. Mit Ehrfurcht hatte das nichts zu tun.“ „Aber mit sehr viel Einfühlungsvermögen“, ergänzt Weihbischof Zekorn, „schon in unserem Gespräch hatte ich den Eindruck, ich höre wirklich den Dom sprechen. Das fand ich ganz großartig.“

„Was man fühlt“

Dieses Gefühl dürften nach dem Abend zahlreiche Menschen teilen. Im Auge der erfahrenen Schauspielerin und Synchronsprecherin liege das aber keineswegs nur an ihrer unverkennbar dunklen Klangfarbe. „Wissen Sie, es geht nicht darum, wie tief man brummt, sondern was man fühlt.“ Womöglich liegt da der gemeinsame Nenner aus den verflochtenen Themen Kunst, Religion, Musik, Geschichte und Architektur: Das Gefühl. Und so wird der ein oder andere Münsteraner beim nächsten Besuch auf dem trubeligen Wochenmarkt kurz innehalten, seinen Blick über das bunte Obst und Gemüse hinweg zu dem riesigen Bauwerk schweifen lassen und ihn anlächeln. Wie einen alten Freund.

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