LIN startet Tour in Münster Erstes Konzert der „Become Who You Are“-Tour im Gleis 22

LIZZN (l.) und LIN standen zeitweise gemeinsam auf der Bühne. (Foto: Fabian Pegel)
LIZZN (l.) und LIN standen zeitweise gemeinsam auf der Bühne. (Foto: Fabian Pegel)

Am Samstagabend trat LIN im Gleis 22 in Münster auf. Es war der erste Auftritt der „Become Who You Are“-Tour. Das Besondere an der Performance: LIN ist nur eine Person, die gleichzeitig singt, Gitarre und Drums spielt, sowie Synthesizer und Loop-Station bedient. Mit dabei war außerdem Rapperin LIZZN, die als Voract aufgetreten ist und später als Feature beim Song „Femi(ni)cide“ mitgesungen hat.

Zunächst hatte LIZZN ihren Solo-Auftritt: „Ich mach bisschen Rap, bisschen Beat Box, bisschen Loop Station, bisschen Gesang, also von allem was dabei.“ Sie spielte unter anderem ihren Song „Magic“, in dem es um ihr inneres queeres Coming Out ging. Zorniger wurde es dann beim Song „Spürst du die Wut?“, wo sie auch das Publikum dazu animierte, an Sachen zu denken, die sie „abfucken“, so wie „die Sache mit Christian Ulmen“ oder „Sachen die einem generell auf den Piss gehen“. Gemeinsam riefen sie immer wieder: „Spürst du die Wut?“ Fröhlicher war sie danach, als sie von dem Top erzählte, das sie an hatte. Ihre sehr gute Freundin Ranya habe ihr das extra für die aktuelle Tour von LIN genäht.

Nonbinäres Coming-Out

LIN selbst war beim Betreten der Bühne später ebenfalls sehr gut gelaunt: „Heute ist Premiere, heute ist Tourstart. Was für eine Ehre, dass ihr alle gekommen seid!“ Und moderierte direkt einen Song an, der LIN persönlich ganz wichtig ist: „Es gibt ganz viele Menschen, die aufgrund verschiedener Dinge von der Dominanzgesellschaft ausgeschlossen werden. Das kann wegen der Herkunft sein, Glaube, Religion, sexuelle Orientierung oder Sexualität. Ich habe diesen Song geschrieben, so ein bisschen als mein nonbinäres Coming-Out.“

LIN beeindruckt auf der Bühne mit dem gleichzeitigen Spielen mehrerer Instrumente. (Foto: Fabian Pegel)
LIN beeindruckt auf der Bühne mit dem gleichzeitigen Spielen mehrerer Instrumente. (Foto: Fabian Pegel)

LIN erzählte davon, dass solche Dinge auch mit viel Angst verbunden seien und berichtete vom Erleben einer positiven Resonanz, die gezeigt habe, dass es eine Community gibt, die für einen da ist und sich für einen stark macht. Sehr persönlich war außerdem das Bühnenbild: Eine Wäscheleine im Hintergrund, die im Verlauf der Show immer mehr erweitert wurde. Am Anfang hing dort ein Spiegel, dann eine nonbinäre Flagge, ein Flechtzopf, ein Feminism-Shirt und Fußballhandschuhe. Später machte LIN noch ein Polaroidfoto mit dem Publikum und hing es ebenfalls auf.

„Die Revolution findet im kleinen statt“

LIZZN mit der Regenbogenfahne. (Foto: Fabian Pegel)
LIZZN mit der Regenbogenfahne. (Foto: Fabian Pegel)

Mit Blick auf das Osterfest erzählte LIN davon, dass Gespräche mit der eigenen Familie nicht immer leicht seien, aber man sie führen müsse: „Die Revolution findet im kleinen statt.“ Aber auch größere politische Themen wurden in den Songs thematisiert. Besonders lauten Applaus gab es, als LIN beim Song „Jin* Jiyan Azadi“ rief: „Free Iran, free Sudan, free Congo, free Palestine, free Yemen, free all the political prisoners, free Europe, USA and Russia from fascism.“ Beim Feature „Gerascophobia“, bei dem LIN gemeinsam mit Aufnahmen von Mo Zaman über die Angst vorm Älterwerden sang, wurden Ausdrucke vom Text im Publikum verteilt. Auf den Zetteln befanden sich außerdem QR-Codes zum Musikvideo sowie Werbung für die politische Organisation „Seebrücke“.

„Ist irgendwie sehr aktivistisch geworden“, sagte LIN lachend, als es dann mit dem Song „Femi(ni)cide“ weiter ging. LIN erklärte den Begriff Femizid als: „Morde an Frauen oder an femininen Personen, die ermordet werden, weil sie Frauen oder feminine Personen sind. Jedes Jahr werden die Zahlen mehr und gefühlt wird der politische Wille weniger, etwas dagegen zu tun.“ Da noch mehr aus der Zivilgesellschaft kommen müsse, forderte LIN die Menge auf, immer wieder laut mitzusingen: „I am a Feminist.“ LIZZN kam dafür ebenfalls nochmal auf die Bühne und sorgte mit für gute Stimmung.

Ein Konzert für alle

Für die Konzerte von LIN gibt es Preisnachlass für Menschen, die sich den normalen Eintritt nicht leisten können. (Foto: Fabian Pegel)
Für die Konzerte von LIN gibt es Preisnachlass für Menschen, die sich den normalen Eintritt nicht leisten können. (Foto: Fabian Pegel)

Nicht nur während der Show, sondern auch vorher beim Verkauf der Tickets machte LIN einiges anders als andere Künstler. Wer die Tickets nicht bei Eventim, sondern auf der Veranstaltungswebsite „Rausgegangen“ gekauft hat, konnte neben dem Normalpreis auch einen ermäßigten Preis auswählen. Der Rabatt kam dadurch zustande, dass Andere teurere Solitickets gekauft haben, für die sie freiwillig mehr bezahlten, damit sich Menschen mit weniger Einkommen ein Ticket leisten können.

Aber auch wer sich die ermäßigten 15 Euro nicht leisten konnte, wurde nicht ausgeschlossen. „Dann schreibt ihr mir einfach“, kündigte LIN auf Instagram an. Darüber hinaus werden die gesamte Tour über pro Stadt zwei Gästelistenplätze an Menschen verlost, die sich „in irgendeiner Form linkspolitisch engagieren“. Die Anwesenden haben das Konzert jedenfalls sehr genossen. Vor dem Merchandise-Stand sammelte sich später noch eine lange Schlange. Dort gab es unter anderem exklusive Tourshirts, Mützen und Streichhölzer mit der Aufschrift: „Burn the patriarchy“.

Fotos: Fabian Pegel

Unterstütze unsere Arbeit

Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!

EUR
Du wirst zu PayPal weitergeleitet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert