
Der Hawerkamp ist seit Anfang der 90er zum kulturellen Schmelztiegel in Münster avanciert. Sein Bestehen ist dabei aber keine Selbstverständlichkeit, sondern der subkulturellen Szene in Münster zu verdanken, die sich erfolgreich gegen den von der Stadt Münster im Bebauungsplan vorgesehenen Abriss der Industriebranche wehrte. Das wurde am Mittwoch mit der 25. Ausgabe des Festivals „Erhaltet den Hawerkamp“ gefeiert. Vorher haben wir uns aber mit Carsten Peters, dem Vorsitzenden des Hawerkamp-Vereins, über die Geschichte dieser besonderen Location unterhalten.
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ALLES MÜNSTER: Carsten, du bist jemand, der von Anfang an den Erhalt und vor allem die Entwicklung vom Hawerkamp maßgeblich mitgeprägt hat. Erzähl uns mal ein bisschen von den Anfängen und den Herausforderungen.
Carsten Peters: Ich gehörte Anfang der 90er Jahre zu den vielen Jugendlichen, die zum Kamp kamen und beeindruckt waren von den zu Clubs umgenutzten Fabrikhallen. Es war ein Eintauchen in eine andere Welt – und das ist es für mich bis heute geblieben. Ein anderes Stück Münster. Nicht geplant, nicht glattgebügelt. Rau und einzigartig.
Als wir 1999 den Erhaltet den Hawerkamp e.V. gründeten, war der Kamp Abrissgelände, die CDU hatte gerade bei der Kommunalwahl die absolute Mehrheit geholt. Aber das OVG NRW hatten den aktuellen Bebauungsplan aufgehoben. Dieser hatte für das Areal eine Überplanung mit Gewerbe und Wohnen und den Abriss des Kamps vorgesehen, jedoch die Anliegen der damals noch ansässigen Industriebetriebe nicht ausreichend berücksichtigt.
Das war für uns die Möglichkeit, eine Neubeplanung des Geländes zu fordern und damit den Kamp-Erhalt. Damit haben wir viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht und intensiv für den Erhalt geworben.
2004 war es dann soweit. Der Rat beschloss den Erhalt des aktuellen Gebäudebestandes und eine Selbstverwaltung durch unseren Verein – einstimmig. Dem vorangegangen war eine intensive Debatte über Kultur in der Stadt. Münster wollte 2010 Kulturhauptstadt werden und der Kamp war wichtiger Bestandteil der Bewerbung.
2006 ging es dann mit der Selbstverwaltung los. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten konnten erste Erfolge umgesetzt werden: 2010 konnte die Ausstellungshalle ihre Arbeit aufnehmen, eine umgebaute Lagerhalle, die seitdem für Ausstellungen, viele Kooperationen und die Förderung von Kunst und Kultur genutzt wird. Ein Meilenstein.
Seit 2010 gibt es auch das „Kamp-Flimmern“, das Open-Air-Kino-Projekt in Kooperation mit dem Cinema auf der Freifläche in der Mitte des Geländes.

Wie sieht es aktuell mit dem Pachtvertrag für das Hawerkamp Gelände aus und welche Aufgaben liegen konkret vor euch?
2012/13 übernahm der neue Trägerverein Hawerkamp 31 e.V. die Selbstverwaltung, nunmehr ein reiner Mieter*innenverein und der Vertrag mit der Stadt wurde bis zum 31.12.2025 verlängert. Aktuell verhandeln wir mit der Stadt über einen Erbpachtvertrag mit möglichst langer Laufzeit. 30 Jahre sollen es auf jeden Fall sein.
Aufgaben, die konkret vor uns liegen, sind es, die Dächer zu sanieren und die Gebäude energetisch zu sanieren. PV auf die Dächer, Leitungen erneuern und vieles anderes mehr. Der Großteil des Gebäudebestandes ist rund 100 Jahre alt und war das Firmengelände der Firma Peter Büscher und Sohn (pebüso) und ging 1988 in die Insolvenz. Ein Jahr später begannen die ersten Ansiedlungen durch die Insolvenzverwaltung.

Wenn du persönlich auf fast drei Jahrzehnte Hawerkamp zurückblickst, was waren für dich ganz besondere Momente?
Das Selbstverwaltungsprojekt mit seinem Nutzungsmix aus Clubs, Ateliers, Handwerkern, Verlag, Illustratoren, Graphikern, Künstler*innen, Schraubern, soziokulturellen Vereinen ist in der Bundesrepublik tatsächlich einzigartig.
Höhepunkte waren 2016 ein NRW-weites Symposium zur Stadtentwicklung und 2017 die Eröffnungsfeier der Skulptur Projekte mit mehr als 10.000 Menschen auf dem Gelände.
Das Wichtigste ist für mich, wenn ich nach 27 Jahren zurückschaue ist, dass es gelungen ist, das Gelände zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es nicht ein Intermezzo im Abrissgelände blieb. Sondern ein eigenständiges Kulturgelände, das stets kreativer Freiraum war und bleiben soll, für mehrere Generationen ein wichtiger Platz im Leben ist und seinen festen Platz in der Stadt hat.
Mich hat der Kamp mein Leben lang begleitet. Konzerte, Party, Ausstellungen, Kino, Festivals. Und eben ein ganz eigener Ort in der Stadt.
Danke, Carsten, für die interessanten Einblicke und deine persönlichen Erinnerungen. Wir machen uns nun auf zur 25. Ausgabe vom Hawerkamp Festival.
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Schon bei den ersten Schritten Richtung Hawerkamp, dessen Einfahrt zwischen Jovel und der Halle Münsterland gelegen ist, wird klar: Hier beginnt ein besonderes Areal. Eine endlos lange Mauer auf der linken Seite mit stetig neuen Graffitis begleitet einen zum Herzen des Geländes.
Das Hawerkamp Festival, initiiert vom Mietverein Hawerkamp e.V., lädt jedes Jahr alle Gäste ein, Kultur und Musik gleichermaßen zu erleben.
Das KCM, das im vergangenen Jahr bereits sein 40. Bestehen feierte und seit Gründung im Jahr 1985 ein wichtiger Treffpunkt für queeres Leben wurde, veranstaltete – wie all die Jahre – eine bunte Party. Gerade Ende der 90er waren die dortigen Partys ein wichtiger Anlaufpunkt für Jugendliche, um Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen zu können. Gestern Abend war das Publikum so bunt gemischt wie die Musik, denn das Repertoire bewegte sich zwischen Whitney Houston und The Prodigy.
Verlässt man die dortige Tanzfläche kurz und begibt sich in die nächste Etage, konnte man sich in ihrem offenen Atelier die Kunst von Martina Pott ansehen und mit der Künstlerin ins Gespräch kommen. Auch in der Ausstellungshalle, die etwas versteckt im hinteren Teil des Geländes liegt, gab es ein Highlight zu entdecken. Die WERKSCHAU von Egbert Lütke Fahle zeigte Arbeiten von 1984 bis 2026.
In der Sputnikhalle, einer der bekanntesten und traditionsreichsten alternativen Veranstaltungsstätten im Kulturrevier auf dem Hawerkamp Festival, spielte die Band „Uwe against the machine“. Es hieß hier: Moshpit oder Mäuschen, konnte man sich doch ganz vorne in die Menge stürzen oder den Auftritt entspannt von etwas weiter hinten verfolgen. Bei der Coverversion von „Basket Case“ (im Original von Green Day, 1994) kochte die Stimmung.
Anschließend wurde in der großen Halle, wie jedes Jahr, zu Rock und Alternative-Klängen von DJ Chris gefeiert, im angrenzenden Sputnik Café spielten DJ Niggels und DJ Paradroid EBM, Industrial und Wave. Einer der beliebtesten Treffpunkte auf dem Hawerkamp Festival war erneut ganz klar der Innenhof der Sputnikhalle, wo man open air bei Drinks und Reggea chalwa Sound von DJ Frank gemeinsam zur untergehenden Sonne tanzen konnte.
Technoider ging es in den Clubs weiter. Der legendäre Fusion Club, der im nächsten Jahr bereits sein 30. Jubiläum feiert, hatte unter anderem mit Steve Stix und Talasia Maze zwei Münsteraner Urgesteine als DJs parat, die bis um 5 Uhr morgens die Tanzfläche kochen ließen. Nicht weniger elektronisch ging es präsentiert von Bassmania im Favela zu, entspannte 90er gab es „all night long“ im angrenzenden Fade Club.
Das Hawerkamp Festival ist vor allem für Erstis und Neuankömmlinge in Münster eine gute Gelegenheit, sich mit nur einer Eintrittskarte einen Überblick über die hiesige Clubkultur zu verschaffen. Die vielen fröhlichen Gesichter und die entspannte Atmosphäre zeigten uns bereits während des Festivals, dass die Jubiläumsausgabe ein voller Erfolg war.
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