Zwischen Schaulust und Selbstfindung Ausstellung „Körperwelten“ gastiert ab heute in der Halle Münsterland

Diese Ausstellung geht unter die Haut. (Foto: Thomas Hölscher)
Diese Ausstellung geht unter die Haut. (Foto: Thomas Hölscher)

Am Donnerstagabend fand in kleinem Rahmen die Vorpremiere der weltberühmten Ausstellung „Körperwelten“ statt. Was die besondere Faszination ausmacht: In der Ausstellung werden echte menschliche Körperteile präsentiert – teilweise einzeln, teilweise zusammengesetzt zu vollständigen Körpern mit Knochen, Muskeln und Nerven. Vor dem Besuch durchaus ein befremdlicher Gedanke, der ein bisschen an den Nervenkitzel vor der Geisterbahn erinnert.

Wer sich traut, wird aber nicht erschrocken, sondern belohnt mit einer gleichermaßen lehrreichen und faszinierenden Reise, die wortwörtlich unter die Haut geht. Durch die verschiedenen Exponate werden nicht nur anatomische Zusammenhänge deutlich, sondern auch, wie Lebensstil, Bewegung, Ernährung und Emotionen unsere körperliche und seelische Gesundheit beeinflussen. Die aktuelle Ausstellung widmet sich unter dem Namen „Vital“ der Kraft, die in unserem Körper steckt – oder stecken kann, wenn man die richtigen Entscheidungen trifft.

„Ich freue mich sehr, dass die Ausstellung nach 31 Jahren auch nach Münster kommt, und ich glaube, die Stadt ist jetzt bereit dazu“, hieß Dr. Maria Näther, Geschäftsführerin des Messe und Congress Centrums Halle Münsterland, die Gäste willkommen. „Wir Münsteraner sind ja sportlich unterwegs, ob es das Joggen um den Aasee oder das tägliche Radfahren ist“, so Bürgermeister Klaus Rosenau, der stellvertretend für Oberbürgermeister Tilman Fuchs bei der Ausstellungsvorschau zugegen war. „Durch diese Ausstellung haben wir einen Einblick in das, was wir täglich beanspruchen.“

(v.l.:) Bürgermeister Klaus Rosenau, "Körperwelten"-Kuratorin Dr. Angelina Whalley und MCC-Geschäftsführerin Dr. Maria Näther. (Foto: Thomas Hölscher)
(v.l.:) Bürgermeister Klaus Rosenau, „Körperwelten“-Kuratorin Dr. Angelina Whalley und MCC-Geschäftsführerin Dr. Maria Näther. (Foto: Thomas Hölscher)

Positive Nachwirkung

Dr. Angelina Whalley ist Medizinerin und Kuratorin der Körperwelten-Ausstellungen und leitet das Institut für Plastination in Heidelberg. „In 30 Jahren haben über 57 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen weltweit die Ausstellung besucht. Damit gilt sie als die erfolgreichste Wanderausstellung der ganzen Welt“, sagt sie stolz und teilt ihre Erfolgstheorie: „Menschen gehen in diese Ausstellung, weil sie dadurch die einzigartige Möglichkeit bekommen, sich selbst zu sehen. Man betrachtet die Körper und entdeckt darin sich selbst. Unser Körper ist der Garant unseres Lebens, ohne ihn hätten wir keine Familie, keine Erlebnisse, keine Empfindungen … nichts. Wir sind auf das Funktionieren unseres Körpers angewiesen.“ Whalley geht sogar so weit, zu sagen, dass die Ausstellung den Blick auf das eigene Leben verändere.

„Der Wert dieser Ausstellung liegt darin, dass Menschen einen komplett neuen Blick auf ihren Körper gewinnen und ihn nicht mehr als selbstverständlich erachten.“ Belegt wird dieser nachhaltige Effekt durch eine repräsentative Umfrage der Universität Kassel: Besucher wurden vor, unmittelbar nach und sechs Monate später befragt. 9% haben angegeben, mit dem Rauchen aufgehört zu haben, 31% bemühen sich um eine gesündere Ernährung und 25% seien durch die Ausstellung sportlich aktiver.

Mutmachende Worte in Anbetracht der anfänglichen Gruselkabinett-Befürchtung. Die Ausstellung beginnt seicht mit Knochen und bunten Gipsabdrücken von Oberkörpern – ach nein, es SIND ja wirklich Oberkörper! In großen Glaskästen steht man Angesicht zu Angesicht mit aufwendig präparierten und zusammengesetzten hautlosen Menschen. „Ich bin zum ersten Mal bei einer ‚Körperwelten‘-Ausstellung und finde es total faszinierend“, sagt eine Besucherin. „Klar hat man in der Schule mal gehört, wo was sitzt bei uns, aber es war schon was anderes, die ganzen unterschiedlichen Schichten aus Muskeln, Fasern, Zellen und Nervenbahnen so explizit einzeln zu sehen.“

Die Exponate halten einem etwas vor Augen, das unangenehm ist: die eigene Vergänglichkeit. Aber: Sie ermutigen auch, die endliche Zeit mit dem Wunderwerk Körper zu schätzen. „Körperwelten“ vereint die rationalen Wissenschaften Biologie und Medizin mit einer Komponente, die wohl bei allen Erwartungen an die Ausstellung am meisten überrascht: Philosophie. „Was möchte ich noch machen bevor ich sterbe?“, heißt es am Ende der Ausstellung. Habt ihr eure Antwort darauf?

Die Ausstellung „Körperwelten Vital“ ist geeignet ab 6 Jahren und läuft bis zum 6. September 2026. Tickets gibt es hier.

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