
Seit Ende März gibt es in Berg Fidel keine Hausarztpraxis mehr. Die Initiative Berg Fidel Solidarisch fordert nun ein kommunales medizinisches Versorgungszentrum für den Stadtteil und hat dafür Unterschriften gesammelt.
Seit Ende März 2026 gibt es in Berg Fidel keine Hausarztpraxis mehr. Die bislang einzige Praxis im Stadtteil hat geschlossen. Trotz längerer Ausschreibung habe bislang keine Nachfolge für den Kassensitz gefunden werden können, wie Berg Fidel Solidarisch in einer Medienmitteilung erklärt.
Unterschriften an die Stadt übergeben
Für viele Menschen im Stadtteil bedeute das, dass sie für hausärztliche Termine künftig weitere Wege in Kauf nehmen müssten. „Wie kann es sein, dass nun alle von uns für einen Termin quer durch die Stadt müssen? Viele von uns sind älter, wenig mobil und haben chronische Krankheiten. Und wenn wir akut krank sind, sollen und wollen wir doch nicht über 15 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur nächsten Praxis fahren. Da ist das Ansteckungsrisiko für andere doch viel zu hoch“, wird Daniella aus Berg Fidel in der Mitteilung zitiert.
Im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz am Mittwoch, 24. Juni, wurden nach Angaben der Initiative knapp 100 Unterschriften für eine Hausarztpraxis in Berg Fidel an Cornelia Wilkens, die Vorsitzende der Gesundheitskonferenz, übergeben. Die Unterschriften drückten Enttäuschung und Frustration aus und seien eine Aufforderung an die Stadt, eine Lösung vor Ort zu finden, erklärt Nino von Berg Fidel Solidarisch.
Bei der Gesundheitskonferenz, an der laut Mitteilung auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe teilnahm, sei unter anderem über den geplanten Gesundheitskiosk gesprochen worden, der im kommenden Jahr in Berg Fidel entstehen soll. Was dieser konkret leisten werde, sei nach Darstellung der Initiative noch unklar. Fest stehe aus ihrer Sicht aber, dass ein Gesundheitskiosk keine Ärztin und keinen Arzt ersetzen könne.
Forderung nach kommunalem Zentrum
In Berg Fidel leben nach Angaben von Berg Fidel Solidarisch derzeit knapp 6000 Menschen. Die Initiative verweist darauf, dass dies deutlich mehr Patientinnen und Patienten seien, als üblicherweise einem Kassensitz zugerechnet würden. Zugleich habe sich die bisherige Hausarztpraxis unter der Leitung von Dr. Post nach Darstellung der Initiative nicht rentiert. Als Gründe nennt Berg Fidel Solidarisch unter anderem einen vergleichsweise niedrigen Anteil privat krankenversicherter Menschen sowie ein geringeres Einkommensniveau im Stadtteil.
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„Solange das Gesundheitssystem und die ärztliche Versorgung auf Profite ausgerichtet ist, werden Stadtteile wie Berg Fidel vernachlässigt werden. Trotz langer Ausschreibung des Kassensitzes wurde keine Nachfolge für die Praxis gefunden. Der Standort rentiert sich einfach nicht und das finanzielle Risiko ist anscheinend zu hoch“, erklärt Nino von Berg Fidel Solidarisch.
Die Initiative fordert deshalb die Einrichtung eines kommunalen medizinischen Versorgungszentrums. Bei einem solchen Modell würde nach ihrer Darstellung die Stadt den Kassensitz halten und Ärztinnen und Ärzte als Beschäftigte anstellen. Dieses Modell finde zunehmend in ländlichen und städtischen Gebieten Anwendung, in denen sich keine Ärztinnen oder Ärzte selbstständig niederließen.
Sorge um weitere Angebote
Berg Fidel Solidarisch sieht in der Schließung der Praxis einen weiteren Einschnitt in die Daseinsvorsorge im Stadtteil. Bereits in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung Münster-Hiltrup habe Natalia Sikach von Berg Fidel Solidarisch darauf hingewiesen, dass im Stadtteil immer mehr Angebote verschwänden. „Post, Sparkasse, Arztpraxis – alles verschwindet hier und die Räume bleiben leer zurück“, wird sie in der Mitteilung zitiert.
Die Sorge der Initiative richtet sich auch auf mögliche Folgen für weitere Einrichtungen im Stadtteil. So gebe es in Berg Fidel Befürchtungen, dass ohne die benachbarte Hausarztpraxis auch die Apotheke unter Druck geraten könnte. Berg Fidel Solidarisch fordert deshalb, dass Politik, Verwaltung und Kassenärztliche Vereinigung Maßnahmen ergreifen, um die hausärztliche Versorgung im Stadtteil wieder sicherzustellen.
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