„Kein Bock mehr auf Abzocke“mit Kommentar  Die Stadtteilgewerkschaft „Berg Fidel Solidarisch“ brachte die Nachbarschaft gegen die LEG auf die Straße

Viele Mieter*innen hingen Banner und Plakate für „Berg Fidel Solidarisch“ heraus. (Foto: Isaak Rose)

Über 100 Menschen versammelten sich am Freitag im Herzen von Berg Fidel zum lautstarken Protest. Hintergrund ist die Raumkündigung der Stadtteilgewerkschaft Berg Fidel Solidarisch. Die Demonstrierenden werfen dem Wohnungskonzern LEG vor, die Initiative als Gefahr zu betrachten und sie deshalb verdrängen zu wollen. Die LEG ist allein in Münster Eigentümerin von über 6.000 Wohnungen.

Die Versammlung war ungewöhnlich groß: Mehr als hundert Menschen brachte die Initiative Berg Fidel Solidarisch auf die Straße. Was alle verband, war die Wut auf den Immobilienkonzern LEG. Dieser hatte der Stadtteilgewerkschaft ihren Raum gekündigt, der für die Nachbarschaftshilfe dringend benötigt wird, unter anderem für Beratungen bei Problemen mit Vermieter*innen. Laut einer Online-Petition der Initiative, die bereits rund 200 Unterschriften zählt, argumentiert die LEG, es sei „kein Mehrwert“ für das Viertel festzustellen.

In den Redebeiträgen klang das anders. Immer wieder ergriffen Mieter*innen das Wort und berichteten von ihren Erfahrungen. Statt Politikprofis sprachen Menschen, die teils zum ersten Mal auf einer Bühne standen; umso eindrücklicher wirkten die Geschichten direkt aus dem Leben. In der Zuschauerschaft kam das an: Die eigenen Nachbar*innen plötzlich so lautstark für ihre Rechte kämpfen zu sehen, ergriff die Demonstrierenden sichtlich.

Moderator Marvin von Berg Fidel Solidarisch eröffnete mit einem schlichten „Hallo, liebe Nachbarn“. Man habe „kein Bock mehr auf Abzocke“ bei der Miete. An die Adresse der LEG fand er deutliche Worte: „Nehmt endlich die Kündigung zurück, lasst uns in Ruhe, lasst uns organisieren und für unsere Rechte kämpfen.“

„Die Scheiße läuft immer noch in die Wohnung rein“

Sandor, der betonte, zum ersten Mal vor so vielen Menschen zu reden, erzählte von einer Mutter, in deren Wohnung 2023 Fäkalien aus der Toilette getreten seien. „Es ist jetzt 2026: Und die Scheiße läuft immer noch in die Wohnung rein.“ Daraufhin berichtete er von einer falschen Nebenkostenabrechnung. Die LEG selbst antworte ihm seit Jahren nicht auf seinen Widerspruch.

Auch die Rednerin Gabi, die in einer Weste der Initiative auftrat, stellte fest: „Ich weiß, wenn es um unsere Probleme geht, können wir reden bis morgen früh. Da gibt es kein Komma, keinen Punkt und kein Ende.“ Es gebe fast keine Wohnung, die nicht betroffen sei. Erst wenn die Presse konkrete Fälle aufgreife, passiere etwas. „Berg Fidel Solidarisch ist der LEG ein Dorn im Auge, das ist klar“, sagte sie, schob aber hinterher: „Wenn ich LEG wäre, würde ich alles machen, damit die Mieter zufrieden sind.“

Den Abschluss machte Fatima mit ihren Erfahrungen. Als sie eine Nebenkostenabrechnung bekam, habe sie zufällig die Initiative entdeckt. „Ich bin dann auch hingegangen und die haben mir tatsächlich geholfen. Die haben sich hingesetzt, sich meine Probleme angehört und ein Schreiben aufgesetzt.“ Sie sei froh, dass es „so eine Gewerkschaft hier gibt, die das mit Herzblut“ mache. Zur Frage des Mehrwerts fragte sie in Richtung Konzern: „Was habt ihr denn für einen Mehrwert für uns?“

Trotz der vielen Redebeiträge blieb die Demonstration bis zum Ende gut besucht, immer wieder schlossen sich Neugierige an. Lautstark skandierte die Menge Parolen wie „LEG! Es reicht“, „Keine Miete für Profite“ und „Enteignen!“.

Mobilisierung durch die Stadtteilgewerkschaft

Den Namen Berg Fidel Solidarisch kennt mittlerweile sicherlich jede Person im Viertel, nicht allein wegen der Demonstration und ihrer Arbeit, sondern auch weil sie im Stadtbild auftritt. So wurde anlässlich der Veranstaltung ein aufwändiges Wandbild neu gestaltet, unter anderem mit den Worten “Berg Fidel Solidarisch bleibt”. Im ganzen Viertel lassen sich zudem kaum ein paar Meter gehen, ohne Plakate der Gruppe zu entdecken. Besonders eindrucksvoll war die Solidarität der Anwohnenden. Etliche Mieter*innen hingen Banner und Plakate für die Gruppe heraus. Eine politisch aktive Person aus einem anderen Stadtteil fasste es auf der Demo gut zusammen: “Hier lässt sich viel lernen, was Mobilisierungsarbeit angeht. Hier werden wirklich Menschen erreicht.”

*****

Klassenkampf von oben durch den Vermieter. Ein Kommentar von Isaak Rose

Mieter*innen kündigen, wenn sie zu kritisch werden? So jedenfalls scheint die Strategie der LEG. Dass der Immobilienkonzern mit schlechter Presse zu kämpfen hat, ist nichts Neues. Eine kurze Internetrecherche zum Unternehmen lässt Mieter*innen bereits einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Das ist seit Jahrzehnten so. Über 6.000 Wohnungen werden von der LEG allein in Münster verwaltet. Wenn sich nur ein Bruchteil der Vorwürfe auf all diese Immobilien übertragen lässt, sollten politische Institutionen und die Stadtgesellschaft dringend aufhorchen. Zur Wahrheit gehört dabei auch, dass in solchen Situationen meistens geschwiegen wird. Viele lassen sich rausekeln oder akzeptieren Missstände, weil die Kraft fehlt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Die jetzige Kündigung von Berg Fidel Solidarisch scheint also nur ein Symptom zu sein. Und ein Mittel, mit dem Kritik erstickt werden soll. Würde die LEG auch versuchen, privaten Mieter*innen zu kündigen, die sich ihr gegenüber kritisch äußern?

Wenn man sich organisiert, um Veränderung zu schaffen, die Mächtigen aber immer Werkzeuge in der Hand halten, die einen fehlerhaften Status quo aufrechterhalten können, befinden wir uns in einer gewaltigen Schieflage. Der Konflikt zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen ist ein ungleicher Klassenkampf. Der einzige Vorteil, den die Mieter*innen haben, ist ihre deutliche Mehrheit. Das müssten sie allerdings erst einmal realisieren und sich füreinander einsetzen. Also eigentlich genau das tun, was Berg Fidel Solidarisch macht. Und was womöglich auch der Grund ist, warum die LEG eine kleine Stadtteilgewerkschaft so sehr fürchtet.

2 Kommentare

  1. Guten Tag
    Freitag 3.6.26 10:00 alle sind Herzlich Eingeladen Amtsgericht Dortmund
    Seit 3 Jahre kämpfen wir um Wahrheit und Gerechtigkeit es werre nett wenn die Presse auch vor Ort ist weil das was meine Familie passiert ist werde niemanden in Kopf passen bis jetzt ist noch kein Stadtanwalt tätig geworden obwohl liegt Alles auf dem Tisch
    Mit freundlichen Grüßen Familie Kedron

  2. Hallo ich heiße Petra Benning und wohne in Bocholt bei der LEG ich erlebe dort genau solche Geschichten vielleicht könntet ihr euch Mal mit mir in Verbindung setzen ich bin bei der sozialen Liste in Bocholt und habe die Linke aus Bocholt noch mit Beteiligt an der Sache vielleicht könnte ich euch noch helfen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert