
Wie der Bürgerausschuss Münsterscher Karneval (BMK) in einer Medienmitteilung erklärt, will der Dachverband des münsterschen Karnevals neue Wege gehen, um die Finanzierung zentraler Veranstaltungen wie dem Sessionsauftakt, der Schlüsselübergabe und dem Rosenmontagsumzug langfristig zu sichern. Am Donnerstagabend fand dazu eine außerordentliche Sitzung des BMK im Hotel Atlantic statt. Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsgesellschaften waren gekommen, um gemeinsam über mögliche Lösungen zu beraten.
BMK-Präsident Thorsten Brendel betonte zum Auftakt die Gemeinschaft und das gemeinsame Ziel, das den BMK und seine Mitglieder verbinde. Hintergrund der Sitzung war die nach eigener Aussage „vernichtende Einnahmestruktur“ des Ausschusses. Wie BMK-Schatzmeister Frank Wobbe erläuterte, würden lediglich 3,5 Prozent der Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge gedeckt. Der überwiegende Teil des Budgets stamme aus Spenden und städtischen Zuschüssen. Besonders letztere könnten angesichts möglicher politischer Veränderungen unsicher werden, so Wobbe. Hinzu kämen steuerrechtliche Belastungen aus den Jahren 2023 und 2024.
Letzter Rosenmontagszug stand kurz vor Absage
Finanziell unter Druck geraten ist der münstersche Karneval auch durch äußere Umstände wie Inflation, wirtschaftliche Stagnation und vor allem gestiegene Anforderungen an die Sicherheitskonzepte – etwa zur Terrorabwehr. In der vergangenen Session stand der Rosenmontagsumzug kurz vor der Absage: Zusätzliche Kosten von rund 30.000 Euro hätten den BMK beinahe gezwungen, das Traditionsereignis ausfallen zu lassen. Nur durch kurzfristige Hilfe privater Sponsoren und eine einmalige Sonderzuwendung der Stadt Münster konnte das närrische Debakel verhindert werden.
„Jeckentaler“ als freiwillige Spende
Um solche Unsicherheiten künftig zu vermeiden, stellte der Schatzmeister die Idee eines „Jeckentalers“ vor: Ein freiwilliger Spendenbeitrag von einem Euro pro erwachsenem Gast bei Karnevalsveranstaltungen. Dieser Weg sei nach interner Abwägung der einzig gangbare, um sowohl die Gesellschaften als auch den BMK selbst nicht direkt zu belasten.
Auch andere Vertreterinnen und Vertreter der Karnevalsgesellschaften äußerten sich zur prekären Lage. Torsten Laumann, Präsident der KG ZiBoMo in Wolbeck, erklärte laut Mitteilung, auch bei seiner Gesellschaft machten Mitgliedsbeiträge nur etwa fünf Prozent des Gesamtbudgets aus. Höhere Eintrittspreise könnten durch zusätzliche Kosten – etwa für GEMA-Gebühren – noch weiter steigen. Wobbe betonte, dass es sich beim „Jeckentaler“ ausdrücklich um eine freiwillige Spende handle.
Komplexe Situation
Ex-Stadtprinz Andreas Koch wies darauf hin, dass Spenden steuerlich geltend gemacht werden könnten. Die Beiträge müssten dann allerdings auf Eintrittskarten ausgewiesen werden. Übereinstimmend äußerten sich viele Teilnehmer solidarisch mit dem BMK, machten aber zugleich auf die Komplexität der Situation aufmerksam – insbesondere auf rechtliche Fragen, die noch zu klären seien. Robert Erpenstein, Präsident der CCC in Coerde, sprach die sozialen Herausforderungen an. In Stadtteilen mit hoher sozialer Belastung könne bereits ein Euro mehr zur Eintrittsbarriere werden. Auch eine mögliche Erhöhung der Mitgliedsbeiträge innerhalb der Vereine wurde mit Blick auf kleinere Gesellschaften kontrovers diskutiert.
Kaum noch Einsparmöglichkeiten
BMK-Ehrenpräsident Dr. Helge Nieswandt betonte, dass beim Ausschuss kaum noch Einsparpotenzial vorhanden sei. BMK-Vizepräsident Roland Grünagel schlug die Gründung eines Fördervereins vor, machte aber zugleich deutlich, dass es dafür engagierte Mitstreiter brauche. „Wir müssen jetzt handeln, Ideen sammeln, Konzepte entwickeln und ehrenamtlich aktiv werden. Wir tun das für den Karneval“, so Grünagel. Oliver Schmidt von den Narrenfreunden Hiltrup sprach von einer bedrohlichen Lage: „Es ist drei Minuten vor Zwölf.“ Der BMK mache „einen unfassbar guten Job“, nun sei es an den Gesellschaften, mit eigenen Ideen zur Rettung beizutragen. Laut Präsident Brendel soll eine Projektgruppe die gesammelten Ideen nun weiterentwickeln.
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