
Sommerabende – auch wenn sie eher zu den kühleren des Jahres gehören – verbringt man an mindestens zwei Abenden im Jahr am besten im Vier-Jahreszeiten-Park in Oelde. Im Staub der Sparkassen-Waldbühne findet hier das von ALLES MÜNSTER präsentierte Oelde Open Air statt. Auch in diesem Jahr hat Veranstalter Markus Schulte mit seinem Team für Freitag und Samstag ein feines Lineup zusammengestellt.
Während am Freitagabend mit Pentastone, Any Given Day und Annisokay eher Freunde härterer Klänge auf ihre Kosten kamen, steht der Samstag im Zeichen des energiegeladenen Indie-Rocks. Dass es hier keinesfalls leiser zugeht als am Vorabend, machen Friends Don’t Lie aus Frankfurt am Main schon ab der ersten Minute sehr deutlich. Mit ihrem eingängigen Pop-Punk-Mix, der sich thematisch in deutscher und englischer Sprachen mit allen Facetten des Zwischenmenschlichen beschäftigt, kann das Trio das schon zahlreich anwesende Publikum sichtlich beeindrucken. Ein Opener, der seinen Job absolut ernst nimmt und zu überzeugen weiß.

Als Kapelle Petra die Bühne betreten, sind die Zuschauerränge der ausverkauften Waldbühne schon sehr gut gefüllt, auch wenn sich draußen immer noch eine lange Schlange am Einlass geduldet. Dass Kapelle Petra schon seit fast 30 Jahren im Geschäft sind, merkt man der Hammer Truppe (ja, sie kommen wirklich aus Hamm, das neue Album heißt auch so, trotzdem bitte ich für das Wortspiel um Entschuldigung) an. Immerhin sitzt niemand so professionell auf einem Campingstuhl wie Bühnenskulptur „Gazelle“, der jedoch später am Abend auch noch seine Qualitäten als Trompeter eindrucksvoll zur Schau stellt.

Das Vorhandensein einer menschlichen Bühnenskulptur als festes Bandmitglied ist eine Reminiszenz an die Anfangstage der Band, die deutlich mehr im Zeichen von Quatsch und Klamauk standen. Inzwischen ist man zu etwas ernsterem Indie-Rock übergegangen, ohne dabei jedoch das Augenzwinkern aus den Augen zu verlieren. Die Mischung aus alten und neuen Songs, Mitsinghymnen und Amüsement wird begeistert aufgenommen, es wird gehüpft und mitgegröhlt. Eine absolute Headlinershow vor dem Headliner, hier sind definitiv Unterhaltungsprofis am Werk.
Mit Einbruch der Dunkelheit wird es dann Zeit für den eigentlichen Hauptact. Madsen stürmen energiegeladen die Bühne, die aufgeheizte Stimmung der vorherigen Bands wird direkt nahtlos übernommen. Neben dem umfangreichen eigenen Material wird hin und wieder – sehr zur Freude des lautstark mitsingenden Publikums – auch auf den ein oder anderen kurz angespielten Coversong zurückgegriffen. Wer so viele wohlbekannte Hits im Programm hat wie Madsen, hat bei der Gestaltung eines solchen Abends selbstverständlich die Qual der Wahl. Diese Wahl traf augenscheinlich den Geschmack der Zuschauer, die Begeisterung aller Anwesenden war deutlich zu spüren und bis zum Ende des Abends noch weit durch den nächtlichen Park zu hören.

Aus allen Schaffensphasen wird aufgespielt, von frühen Werken wie „Die Perfektion“ und „Vielleicht“ über Klassiker wie „Du schreibst Geschichte“ und „Nachtbaden“ geht es mit mehr als nur „Ein bisschen Lärm“ zu neueren Stücken wie „Faust hoch“ – einem gerade in diesen Zeiten wichtigen Statement gegen den um sich greifenden Faschismus. So feiern Madsen einen gelungene musikalische Party, bis es am Ende heißt „Lass die Musik an“. Und das hätten sicherlich auch die Zuschauer dieses Abends gerne getan.
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