„Holland-Hitler“ muss in Münster vor Gericht Nach Äußerungen am Rande eines Neonazi-Aufmarschs vergangenen Sommer in Münster / "Keinen Meter"-Bündnis kündigt Mahnwache an

Stefan Wijkamp macht auch optisch keinen Hehl aus seiner Begeisterung für Adolf Hitler. (Foto: Bührke)
Stefan Wijkamp macht auch optisch keinen Hehl aus seiner Begeisterung für Adolf Hitler. (Foto: Bührke)

Der niederländische Neonazi Stefan Wijkamp, der wegen seines an Adolf Hitler angelehnten Erscheinungsbildes als „Holland-Hitler“ bekannt ist, muss sich am Freitag wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Münster verantworten.

Auslöser des Verfahrens ist ein Videointerview, das Wijkamp am Rande des Neonazi-Aufmarschs am 19. Juli 2025 in Münster gab. Der Aufmarsch war die dritte rechtsextreme Demonstration innerhalb weniger Wochen in Münster und stieß – wie die vorherigen – auf deutlichen Gegenprotest. Auch die Gerichtsverhandlung wird von einer Mahnwache begleitet. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hat diese für Freitag ab 12 Uhr vor dem Amtsgericht angemeldet.

Hitler-Verherrlichung

Im Mittelpunkt des Prozesses stehen offenbar Äußerungen, die Wijkamp in dem Interview machte. Darin bezeichnet er sich unter anderem selbst als „Holländer Nazi“ und äußert mehrfach Bewunderung für Adolf Hitler. So sagt er: „Ich bewundere Adolf Hitler. Meine Liebe für Deutschland heißt Adolf Hitler.“ An anderer Stelle bezeichnet er Hitler als „Genie“, als „Weltwunder“ und erklärt: „Der Führer ist alles, steht über alles.“ Auf die Frage, was Adolf Hitler Gutes getan habe, antwortet Wijkamp: „Er hat alles gut gemacht. Hitler war der Allerbeste.“ Auch zu den nationalsozialistischen Konzentrationslagern äußert sich Wijkamp. Auf die Frage nach den KZ sagt er: „Ich denke ganz anders über KZ.“ Eine weitere Erläuterung folgt in dem bekannten Interviewausschnitt nicht.

Darüber hinaus fordert Wijkamp einen ethnisch homogenen Staat. Wörtlich sagt er: „Ein Volk muss eins bleiben, ein Volk muss reinrassig bleiben.“ Mit Blick auf die Migrationspolitik erklärt er außerdem: „Ich will eigentlich ein reinrassiges germanisches Deutschland und ein einrassiges germanisches Holland“ sowie „Unser Volk braucht Hilfe, unser Volk zuerst, wir zuerst.“

Seit Jahrzehnten in der Neonazi-Szene aktiv

Wijkamp gehört seit Jahrzehnten zur niederländischen und deutschen Neonazi-Szene. Bekannt wurde er Anfang der 2000er-Jahre durch öffentliche Auftritte, bei denen er sein Aussehen bewusst Adolf Hitler anglich. Der Spitzname „Holland-Hitler“ geht auf diese Inszenierung zurück.

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Er war unter anderem Mitglied der niederländischen rechtsextremen Partei Nederlandse Volks-Unie (NVU) und kandidierte 2002 bei den Kommunalwahlen in Landgraaf. 2008 wurde er von einem Gericht im belgischen Hasselt zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er bei einer Neonazi-Veranstaltung auf dem deutschen Soldatenfriedhof im belgischen Lommel unter anderem den Hitlergruß gezeigt hatte. 2017 wurde Wijkamp in den Bundesvorstand der inzwischen aufgelösten Neonazi-Partei „Die Rechte“ gewählt. In den vergangenen Jahren trat er wiederholt bei rechtsextremen Demonstrationen in Deutschland auf, darunter auch in Münster.

Mahnwache vor dem Amtsgericht

Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hat für Freitag ab 12:00 Uhr eine Mahnwache vor dem Amtsgericht Münster angemeldet. „Wir sind vor Ort und präsent, wenn Nazis in die Stadt kommen, auch um zu verhindern, dass sich mögliche NS-Unterstützer*innen dort versammeln können. Wir werden über unsere Social-Media-Kanäle weiter informieren, sobald nähere Einzelheiten bekannt sind“, erklärt Bündnissprecher Carsten Peters.

(Update, 23. Juli, 14:30 Uhr) – Die Mahnwache beginnt um 12:00 Uhr, die Verhandlung um 14:00 Uhr. Wir haben die Zeiten im Text angepasst.

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