
Das Timing mutet etwas seltsam an: Am Samstagmittag, als von der Zeit für den dreitägigen NRW-Tag 2026 schon fast die Hälfte herum war, wurde er offiziell eröffnet. Dazu hatte sich die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur und der Landtagspräsident André Kuper auf die schwimmende Bühne an den Aaseeterrassen begeben, wo sie von Oberbürgermeister Tilman Fuchs begrüßt wurden.
Sie alle hoben hervor, dass dieser NRW-Tag ein besonderer sei, weil das Land Nordrhein-Westfalen damit auch seinen 80. Geburtstag feiert. „Ich finde, es gibt kaum etwas Besseres als jeden Tag im schönsten Bindestrichland der Republik aufzuwachen“, meinte Mona Neubauer. „In diesem Sinne: Happy Birthday 80 Jahre NRW!“
„Das schönste Bindestrichland der Republik“

„Wir sind ein unglaublich vielfältiges Land. Und deswegen ist es wirklich toll, dass wir hier in Münster feiern dürfen, weil Münster hat so vieles, was Nordrhein-Westfalen ausmacht“, betonte Münsters OB Tilman Fuchs. „Wir haben Geschichte und Zukunft vor Ort, also das, was auch NRW prägt. Wir haben Wissenschaft und Wirtschaft, wir haben Kultur und Lebensqualität. Und vor allen Dingen stehen wir für eine Stadtgesellschaft, die Vielfalt lebt. Und deswegen gehört der NRW-Tag schon lange nach Münster. Dass es 80 Jahre gedauert hat, das freut uns ums mehr, weil wir diese große Party hier feiern dürfen.“ Bei aller Koketterie übersah Fuchs damit – vielleicht mit Absicht – dass der NRW-Tag erst seit 2006 begangen wird und nicht schon seit der Gründung des Landes 1946.
Landtagspräsident André Kuper (CDU) erschien es wichtig, die Gemeinsamkeiten im Land zu betonen. Die grüne Wirtschaftsministerin Mona Neubaur nutzte beim Hinweis auf das Sommerkonzert vor dem Schloss die Gelegenheit hervorzuheben, dass Nordrhein-Westfalen meist eher bescheiden auftritt, „im Gegensatz zu anderen Ländern, wo sie sich mit Lederhosen verkleiden und immer ‚Mia san mia‘ rufen“. Womit sie den größten Applaus der ganzen Veranstaltung erntete, aber gleichzeitig das Bundesland bashte, in dem sie geboren wurde.

Nach ihrer Lieblingsmeile auf dem NRW-Tag befragt, nannte Neubaur die Blaulicht-Meile. Denn dort präsentieren sich die Profis im Rettungswesen und bei den Sicherheitsbehörden, und das sei bei jedem NRW-Tag nicht nur ihr persönliches Highlight, sondern auch der besuchenden Familien. André Kuper empfahl den Besuch der Stände auf der Nordrhein-Westfalen-Meile, wo die Stände des Landtags, der Landeszentrale für politische Bildung und der Landtagsfraktionen zu finden sind. Er verschwieg dabei, dass sich darunter auch die AfD-Fraktion befindet, gegen deren Auftreten während der dreitägigen Veranstaltung zwei Mahnwachen angemeldet worden sind. Tilman Fuchs empfahl allen Besuchern, die zum NRW-Tag nach Münster gekommen sind, an diesem Wochenende nicht hinter die Stände in den verschiedenen Straßen zu schauen, sondern später noch einmal zu kommen, um zu erleben, wie schön die Stadt sei.
Talks zu Energiewende und Katastrophenschutz
Da die Bühne, auf der die Eröffnung stattfand, zur Klimastadt-Meile gehört, gab es anschließend noch einen sogenannten Paneltalk zum Thema „Energiewende: Mit erneuerbaren Energien die Zukunft gestalten“. Mona Neubauer, zu deren Ressorts neben Wirtschaft und Industrie auch Klimaschutz und Energie gehören, betonte dabei, dass ein Ziel sein müsse, mit Klimaschutz gute Geschäfte zu machen und damit auch Arbeitsplätze zu sichern.
Bei der Entwicklung des Klimas sehe sie sie als besonders problematisch, dass Wasser „entweder zu viel in kurzer Zeit“ da sei, „oder lange Zeit viel zu wenig“. Ersteres führt dann zu Katastrophen wie die Unwetterkatastrophe 2021 in NRW und Rheinland-Pfalz oder der Starkregen in Münster 2014, letzteres zu den außerordentlich niedrigen Pegelständen im Rhein und die Waldbrände in der Eifel in diesem Jahr.

Auf die Waldbrände bezog sich auch Innenminister Herbert Reul bei seinem anschließenden Besuch am Aasee. Er hob im Gespräch mit Vanessa Meyer von der Polizei und Jörg Rosenkranz von der Feuerwehr Münster hervor, dass man hier Waldbrände vor ein paar Jahren kaum gekannt hätte: „Jetzt haben wir Spezialfahrzeuge für die Feuerwehr, mit denen die da reinfahren. Das ging mit dem Gelände vorher gar nicht, da mussten wir erst die technischen Voraussetzungen schaffen“.
Anlass für den Besuch des Innenministers am Aasee war eine spektakuläre Rettungsübung, die Feuerwehr und DLRG dort zusammen durchführten und vor allem Familien mit jungen Kindern anlockte.
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