
Was erwartet man nach 14 Jahren von einer etablierten Band, die seit Jahren – auch ohne viel neues Material – wieder ausverkaufte Shows spielt? Ein etwas aufgewärmtes Best-Of, die alten Ideen nochmal ein bisschen poliert und durch den produktionstechnischen Fleischwolf gedreht? Viele Fans der H-Blockx sind gar nicht mehr davon ausgegangen, dass wirklich noch mehr als die ein oder andere Single erscheint, vielleicht hier und da mal eine Kooperation mit alten Freunden und Wegbegleitern.
Doch weit gefehlt – das neue Album erscheint morgen (6. März) und knüpft in bester Art und Weise an die „guten alten Zeiten“ in den 90ern an, ohne dabei verstaubt oder wie ein billiger Aufguss vergangener Heldentaten zu wirken. Man ist in sich gegangen, hatte nach zahlreichen Shows wieder Lust auf neues Material, hat im Hintergrund schon an Musik gebastelt, irgendwann kamen dann auch neue Texte dazu. Laut Sänger Henning Wehland wurde dazu tief in den eigenen Emotionen geschürft: „Steddy [Schlagzeuger und Produzent – Red.] und Gudze [Bassist – Red.] haben mir nur eine Regel gegeben: Die Texte müssen so authentisch wie möglich sein“. Das merkt man den Texten an, hier wird reflektiert, bedauert, aber auch herausgeschrien.
Funke springt noch über

Die besondere Zusammenarbeit ohne Druck, Zwang oder Einflüsse von außen fasst Steddy als bestes Rezept für ein gelungenes Album zusammen: „Ich glaube, das Entscheidende für den Entstehungsprozess war, dass diesmal niemand von außen Einfluss genommen hat. Wir waren so sehr bei uns wie noch nie. Es ging darum, etwas zu machen, woran alle in der Band wirklich Spaß haben. Ich glaube fest daran, dass diese Energie auch bei den Zuhörerinnen und Zuhörern ankommt“.
Veröffentlichung beim „Donots“-Label

Begeistert zeigt sich auch Ingo Knollmann, Sänger der Donots, auf deren Label „Solitary Man Records“ „Fillin the Blank“ erscheint: „Gute 30 Jahre später bringen Henning, Gudze, Tim und Steddy im Jahr 2025 nach diversen Platten und unzähligen Konzerten endlich ihr zweites Album raus. Richtig gelesen. Das ZWEITE H-BLOCKX Album, nach all den Alben zuvor seit „Time To Move“. Denn so unbeschwert, leicht, direkt, hittig und ja, cool, war Münsters Quartett mit dem goldenen Schlüssel der Herzen zur Dom-Stadt ehrlich seit Jahren nicht.“ Mit der Kooperation zwischen den beiden Bands wird alte Freundschaft gepflegt, der DIY-Gedanke gehegt und eine Zusammenarbeit fortgesetzt, die sich schon über mehrere gemeinsame Konzerte und Open Airs erstreckt.
Reingehört!
Aber wie klingt das Ganze dann am Ende? Wir durften uns das neue Album schon einmal ganz genau anhören.
Fillin The Blank – Track by Track
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Straight Outta Nowhere
Holla die Waldfee! Da hat jemand Bock auf Brett! Das Intro-Riff hätte auch einer Thrash-Metal-Band gut zu Gesicht gestanden. Weiter geht’s mit typischem groovigen H-Blockx-Stil, der Sprechgesang kommt direkt auf den Punkt, die Gitarre streut melodische Elemente mit Wiedererkennungswert ein, man möchte kurz „Move ya!“ rufen. Oder doch lieber „Rising High“?
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Lights out
Hier legt die Rhythmusgruppe richtig los. Sehr akzentuiert, dann wieder schwer Alternative-rockend. Sehr repetitiv, fast mantra-artig. Sehr einprägsam!
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Beg to differ (Bully)
Hier springt einem zunächst der Old-School-Hip-Hop ins Gesicht, bevor im Chorus mit einem groovigen Gitarrenriff und Gang-Shouts die typischen H-Blockx-Trademarks ausgespielt werden.
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Desperado
Beim Intro und dem Chorus fühlt man sich auf angenehme Weise an die Eminem-und-Dido-Kollaboration bei „Stan“ erinnert, während in den Strophen zum aufs Wesentliche reduzierten Stakkato-Gitarrenriff gerappt und später auch verzweifelt geschrien wird. Neben dem Opener ein absolutes Highlight dieses Albums.
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Corns about 2 pop
Zwischen Beastie Boys, Everlast und Pop-Punk tanzt hier der Mais in der heißen Pfanne. Viel Nananana und ein sehr abwechslungsreicher Schlagzeugeinsatz hebt den Song aus der Masse hervor, auch wenn vielleicht ein bisschen viel gejammt und auf der Gitarre gegniedelt wird.
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Me and my horse
Hätte es schon Bibi-und-Tina-Filme in den Neunzigern gewesen, wäre das hier der Soundtrack. Es klappern die Hufe, es slappt der Bass. Das macht Laune, da möchte man mitbuchstabieren. Ob das (bzw.: der) hier besungene Pferd wohl Horst heißt?
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What the funk
Die Gitarre schwebt und fließt durch den Phaser, bevor groovig gestampft wird. Hinterher weiß man immer noch nicht, was zum Funk hier gerade abgegangen ist, aber für gründlichen Spaß auf der Tanzfläche dürfte gesorgt sein.
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Last Summer
Passend zum Wetter wird hier auch musikalisch wieder Sommer. Schöne nostalgische Nummer mit melodischer Retrospektive. Positiv stimmender Pop-Punk für die guten alten Zeiten.
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Come clean
Come clean hätte sich auch sehr gut auf einem Such-A-Surge-Album gemacht. Leicht melancholische Gitarren mit gefühlvollem Sprechgesang in den Strophen, „Alles-über-ein-Gitarrenriff-rausbrüllen“ im Chorus. Das funktioniert immer noch so gut wie vor 20 Jahren – und endlich wird auch ordentlich auf der Schallplatte rumgekratzt.
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Licky licky
Hat hier jemand „lofferty-pofferty-ding-dong“ gesagt? Ach ne, dieses Mal ist es „licky licky“. Die quatschige Gute-Laune-Nummer wird sicherlich live ganz gehörig gut ankommen.
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Timeless
Zeitlos. Das passt zum Album, zum Sound, zum Spirit der Band. „Ain’t nobody else doin‘ like this“. Dem ursprünglichen Crossover ist sicherlich niemand so treu geblieben wie die H-Blockx, was im Schlusstrack des Albums noch einmal würdig zelebriert wird.

H-Blockx - Fillin The Blank erscheint am 6.3.2026 bei "Solitary Man Records".
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