Gegendemos und antifaschistisches Radio Keinen-Meter-Bündnis führt am Samstag mehrere Kundgebungen entlang der Nazi-Route durch / Radio Q sendet ab 14 Uhr antifaschistische Songs für Anwohner

Das Keinen-Meter-Bündnis führt am Samstag mehrere Kundgebungen entlang der Nazi-Route durch. (Archivbild: Carsten Bender)

Wenn morgen erneut Rechtsextreme in Münster aufmarschieren, führt das Bündnis „Kein Meter den Nazis“ dagegen an unterschiedlichen Plätzen mehrere Kundgebungen durch. „Wir werden erneut deutlich machen, dass Münster kein gutes Pflaster für Nazis ist. Für Rassismus, Faschismus und Antisemitismus darf es keinen Platz geben“, erklärte dazu der Bündnissprecher Carsten Peters. Radio Q wird ab 14 Uhr antifaschistische Songs spielen, Anwohner können damit ihr Radio nutzen, „um den Nazi-Aufmarsch musikalisch passend zu begleiten“.

Der rechtsextreme „Freundeskreis Siegfried Borchardt“, der im Juli zwei Mal in Münster zur Demonstration aufgerufen und damit Innenstadt und vor allem die Bahnhofsgegend für mehrere Stunden lahm gelegt hat, droht jetzt schon mit einer „Weihnachtsüberraschung“ und einem „Demo-Marathon 2026 in Münster“. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Polizei bei ihnen auch an diesem Samstag wieder allerhand Verstöße gegen das Versammlungsgesetz feststellen wird. Da die Überprüfung dessen und auch die Ansprache an die Organisatoren der rechtsextremen Demo meist nicht so einfach ist, hält es deren Aufmarsch schon mal eine Weile auf.

Rechtsextreme planen Rahmenprogramm für Wartezeit
Die Polizei wird sicher wieder viele Gründe haben, beim rechtsextremen Aufmarsch genau hinzuschauen. (Archivbild: Carsten Bender)

Die Rechtsextremen betrachten diese polizeilichen Maßnahmen als Schikanen und wollen die Wartezeiten diesmal unter dem Motto „wenn’s mal wieder länger dauert“ mit einem Rahmenprogramm überbrücken. In einem Post auf der Facebook-Seite der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (Ex-NPD) in Dortmund kündigen die Veranstalter unter anderem den „Live-Auftritt eines Liedermachers“ an. Damit kopieren sie das sonst bei Gegendemonstrationen gegen Rechts übliche Angebot.

Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass sie damit die sicher wieder zahlreichen Gegendemonstranten in Münster beeindrucken werden. Die werden sich am Samstag ab 13 Uhr an verschiedenen Stellen in der Nähe des Nazi-Aufmarsches versammeln: am Bremer Platz gegenüber dem Hamburger Tunnel, an der Paul-Wulf-Statue am Servatiiplatz, in der Nähe des Verwaltungsgerichts an der Piusallee sowie ab 13.15 Uhr am Bült und der Mauritzstraße.

Rechtsextreme Demo diesmal auf anderer Strecke

Der Bahnhofsvorplatz sowie die Straßen vom Bahnhof bis zum Ludgeriplatz werden im Gegensatz zu den rechtsextremen Aufmärschen im Juli diesmal verschont bleiben. Beginnen wird dieser wohl am Osteingang des Bahnhofs, um dann über den Servatiiplatz voraussichtlich zur Polizeiwache Innenstadt zu ziehen (als Alternative zur ursprünglich geplanten Demonstration vor dem Polizeipräsidium am Friesenring). Das nächste Ziel soll das Verwaltungsgericht an der Piusallee sein. Es ist zu erwarten, dass die Polizei wieder energisch versuchen wird, den Marsch der Rechtsextremen und die Gegendemonstranten an den unterschiedlichen Versammlungsflächen und auch an der Strecke dazwischen voneinander getrennt zu halten.

Das Keinen-Meter-Bündnis bewertet kritisch, dass die Polizei „den Nazis eine derart lange Route ernöglicht“. Dem Bündnis stößt vor allem auf, „dass die Nazis über die Mauritzstraße laufen werden“. Denn bei den Protesten gegen die CDU und deren Kooperation mit der AfD im Bundestag Anfang des Jahres hatte die Polizei eine Sperrung der Mauritzstraße für Versammlungen grundsätzlich aus Gründen der Sicherheit und Verhältnismäßigkeit abgelehnt.

Antifaschistische Songs auf „Radio Q“
Eine der Gegen-Kundgebungen wird an der Paul-Wulf-Statue am Servatiiplatz stattfinden. (Archivbild: Thomas Hölscher)

Begleitend zu den Demonstrationen wird das Campusradios „Radio Q“ ab 14 Uhr antifaschistische Songs spielen. Dieses Angebot richtet sich vor allem an alle, die ihre Wohnung am Streckenverlauf der rechtsextremen Demo haben, und sich an den Protesten gegen den Naziaufmarsch beteiligen wollen. Der Sender kann per UKW über die Frequenz 90,9 MHz oder als Webradio unter www.radioq.de empfangen werden. Vielleicht finden sich ja einige, die ihre Lautsprecher in die Fenster stellen.

Vermutlich von 17 bis 18 Uhr, wenn die Rechtsextremen Münster wieder verlassen, ist ein Kulturprogramm der Gegendemonstranten auf dem Bremer Platz geplant. Daran werden sich zum Beispiel der Poetry Slammer Andi Substanz und der „Luftruinen“-Herausgeber Jörg Siegert beteiligen.

„Wir sind überzeugt, dass die Münsteraner*innen sich den Nazis wieder in großer Zahl entgegenstellen und so deutlich machen werden, dass in dieser Stadt kein Platz für Nazis ist“, so Carsten Peters, „Einen Tag vor der Kommunalwahl werden wir für unsere Demokratie einstehen und so auch für den Sonntag ein deutliches Zeichen setzen: Keinen Meter und keine Stimme den Nazis!“

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