Ganz schön Münster Über die Schönheit Münsters – Oder auch nicht

Längst von ihren Besitzern vergessene Schrottleezen. (Foto: Scheller)
Längst von ihren Besitzern vergessene Schrottleezen. (Foto: Scheller)

Begibt man sich auf die Suche nach einem Synonym für die Worte „ganz schön“, so erscheinen Begriffe wie anziehend, ganz ordentlich und gut ansehend. Ist Münster ganz schön? Genauer hingeschaut: Wo ist es in Münster ganz schön?

Im internationalen Reiseführer „Condé Nast Traveller“ nimmt unter den deutschen Großstädten Bremen Platz 1 für beste Umweltqualitäten bei Müll und Luft ein. Freiburg belegt Platz 1 für Nachhaltigkeit und Sauberkeit. Ergänzend dazu, mit einer Portion Ironie gewürzt, darf behauptet werden: Münster ist die einzige Großstadt im Münsterland, die Platz 1 bei Müllentsorgung, Luftqualität, Nachhaltigkeit und Sauberkeit für sich in Anspruch nehmen darf.

Schrottis und Schmierfinken

Alle sehen es, und viele Bürger sowie Münster-Besucher haben sich längst daran gewöhnt. Tausende herrenlose Gammel-Leezen, die vor sich hin vegetieren, stehen im Stadtgebiet herum und blockieren Bürgersteige und Fußwege. Man munkelt, es seien bis zu 50.000 Schrott-Fahrräder, was die Fachleute der Stadtverwaltung aber für völlig übertrieben halten. Jedoch müssen jährlich rund 5.000 Schrottis aus dem öffentlichen Raum entfernt werden. Hier ein Vergleich dazu mit der fahrradfreundlichsten Stadt der Welt, Kopenhagen. Dort gibt es laut Schätzungen rund 700.000 Fahrräder. Experten sprechen von ca. 40.000 herumstehenden, schrottreifen Fahrrädern. Dort befestigt das Personal des Ordnungsamtes gelbe Bänder oder gelbe Aufkleber an den Lenkern. Stehen die Räder nach vier Wochen noch immer unverändert dort, werden sie ohne Wenn und Aber zum Recyclingplatz abgeholt, verkauft oder verschrottet. Zudem gibt es Initiativen, wo bei Aufräumaktionen auf einen Schlag bis zu 15.000 verlassene Schrottis, allein aus den Fahrradständern, entfernt und recycelt werden.

Verunstaltete Außenwand an der Überwasserkirche. (Foto: Scheller)
Verunstaltete Außenwand an der Überwasserkirche. (Foto: Scheller)

Als miese Öffentlichkeitsbeschmutzung müssen die illegalen Graffitis und Farbschmierereien erwähnt werden. Nicht nur widerlich und pietätlos, de facto das Image der Stadt schädigend und nicht genug bestrafbar, ist dieses antisoziale Verhalten in Form von leider immer wiederkehrenden Schmierereien und Antiparolen an privaten und öffentlichen Gebäuden. Es ist unbedingt anerkennenswert, mit welch stoischer Haltung verantwortliche Beschäftigte der Stadt für umgehende Entfernung der Schmierereien sorgen. Nur einige Beispiele: Rathaus und Überwasserkirche.

Dreckspatzen im städtischen Idyll

Abfallgefäße sind nicht für Hausmüll und schwere Flaschen geeignet. (Foto: Scheller)
Abfallgefäße sind nicht für Hausmüll und schwere Flaschen geeignet. (Foto: Scheller)

Münster ist mit einer vorzeigbaren „Grünen Lunge“ ausgestattet. Der botanische Garten, großzügig angelegte urbane Parkanlagen mit wuchtigen Bäumen und Entspannung anbietenden Rastplätzen an der mit 2.000 Linden umsäumten Promenade. Befremdlich jedoch reagieren Passanten, wenn sie sich einige dieser Ausruh-Orte genauer ansehen. Achtlos weggeworfene Kronkorken, zertretene Zigarettenstummel und klebrige Kaugummis liegen verstreut auf dem Boden herum, und alles Getränkeleergut, auch Wein- und Sektflaschen, wird zurückgelassen, weil „das Flaschensammeln die Armut der Bettler lindert“, wie mir eine junge Frau dieses Verhalten vorwurfsvoll erklären wollte. An den immer wieder mit Klebezetteln bedachten, obszön bemalten und vulgär bekritzelten Sitzbänken sowie in den Abfallbehältern findet die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (awm) nicht nur Müll von Besuchern, sondern leider oftmals auch illegal entsorgten Hausmüll. Und zwar so viel, dass die unteren Deckel der Gefäße es nicht mehr halten können, sodass aller Unrat auf dem Boden verstreut herumliegt. Das wiederum zieht Raben und Ratten an. Eine reifere Dame, die von den Blumenbeeten Schnittblumen klaute, antwortete dreist auf die Frage, ob ihr Tun das Wohlwollen der Allgemeinheit erfahre: „Das erlaube ich mir. Dieses hier ist Areal der Stadt, und ich bin Münsteranerin. Sonst noch Fragen.“

Welche Charaktere verbergen sich hinter antisozialer Persönlichkeitsstörung? Umweltbewusstes Verhalten korreliert oft mit den Persönlichkeitsmerkmalen Rücksichtnahme und Ordnungssinn, das Kontra ist Bequemlichkeit oder Faulheit (Littering-Phänomen). Das Zerschlagen von Glasflaschen und Zertreten von Pflanzen soll bewusst provozieren und Dominanz zum Ausdruck bringen. Sehr oft verbergen sich dahinter mangelnde Erziehung und fehlende Empathie, Geltungsbedürfnis und Frustration sowie erlebte Vernachlässigung in der Kindheit.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung

Obszönitäten auf ungepflegten Hinweisschildern am Aaweg. (Foto: Scheller)
Obszönitäten auf ungepflegten Hinweisschildern am Aaweg. (Foto: Scheller)

Beispiel: Nahezu jeder Mieter erhält beim Einzug in seine neue Wohnung von der Hausverwaltung eine Hausordnung, die einzuhalten ist. Und jeder Neubürger, der sich beim Einwohnermeldeamt als Neubürger der Stadt angemeldet hat, bekommt eine sehr aussagefähige Mappe mit Informationen über Münster. Jedoch finden die neuzugezogenen Personen keinerlei Hinweise über das gewünschte Verhalten in dieser Stadt. Wo findet man im Internetportal eine Auflistung über Bußgelder für Kleinmüll oder zerschlagene Flaschen etc.? Dagegen werden Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr auf der Internetseite Stadt Münster jedoch sehr präzise mit den jeweiligen Bußgeldern aufgelistet. Warum sensibilisiert man dann nicht auch die Menschen für ein sauberes Münster und kommuniziert aktiv die Themen Ordnungswidrigkeiten und Bußgelder bei Naturverschmutzung? Beispielsweise gerne auch als Anhang bei der jährlichen Information über Müllabfuhrtermine. Fragt man KI, so erscheinen nur einige Münster-Bußgelder: Wegwerfen von Kleinabfällen (Kippen, Kronkorken, Kaugummis) = 55,00 Euro Buße. Oder das Abstellen von Grillkohle neben dem Mülleimer: 100,00 Euro, zerschlagene Flaschen: bis zu 160,00 Euro.

Vergleiche: 2025 leitete das Ordnungsamt Münster 227.000 Verfahren wegen Verstößen im Straßenverkehr ein. 2024 kassierte die Stadt Münster 11,4 Mio. Euro von Verkehrssündern. So stellt sich die Frage des Kosten-Nutzenvergleichs. Wie viel mehr Personalaufwand ist erforderlich, um den Break-even-Point bei mehr als genug vorhandenen Ordnungswidrigkeiten an Öffentlichkeitsbe- und -verschmutzungen zu erreichen? Und ebenso lohnt sich dann auch ein Blick auf das aktuelle Image der Stadt. Um wie viel höher schätzen die Marketing-Verantwortlichen den Softfaktor, positiven Imagezuwachs, ein? Dazu am Schluss zwei abgewandelte Slogans des Unternehmens Henkel. Zunächst die ambivalente Version: (Persil) Münster, da weiß man, was man hat. Oder besser doch die zum Münsterland passende, überzeugend klare Aussage: Wer (Henkel) Münster sagt, meint Sauberkeit!

Münster ist in der Tat eine lebenswerte, schöne und von vielen Bürgern und Besuchern geliebte Stadt. Wären die genannten Mängel verschwunden, dann wäre sie noch einladender. Ein erster Schritt kann viel verbessern, wenn der uralte Spruch „Ein jeder kehre vor seiner Tür“ im wahrsten Sinn des Wortes umgesetzt wird.

Einfach MACHEN! – EINFACH! machen.

Unterstütze unsere Arbeit

Unser Lokaljournalismus ist dir mehr wert als nur ein Like? Jetzt spenden!

EUR
Du wirst zu PayPal weitergeleitet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert