
Der symbolische Machtwechsel ist vollzogen: Oberbürgermeister Tilman Fuchs hat am Sonntag auf dem Prinzipalmarkt den Stadtschlüssel an Prinz Christian II. übergeben. Bis Aschermittwoch liegt das närrische Sagen in Münster damit beim Stadtprinzen.
Schon am Morgen sammelten sich die Karnevalsgesellschaften auf dem Stubengassenplatz. Um 11:11 Uhr setzte sich der Zug in Richtung Rathaus in Bewegung. Auf dem Prinzipalmarkt führten BMK-Präsident Thorsten Brendel und Leonie Boer, ehemalige Stadtjugendprinzessin, durch das Programm. Brendel begrüßte neben den zahlreichen münsterschen Karnevalistinnen und Karnevalisten auch die niederländischen Freunde der „De Gaffel Aöskes“ aus dem niederländischen Losser und hob die jahrzehntelange Freundschaft hervor. Für den Rosenmontagszug morgen sind erneut Wagen und Fußgruppen aus Losser dabei.
Schärfste Boygroup Münsters
Musikalisch wurde es früh laut: Die Promenadenspatzen, von Brendel als „Die neueste und schärfte Boygroup der Stadt“ angekündigt, sangen unter anderem ihre Version von „Bella Napoli“ sowie gemeinsam mit den „3 Nikoläusen“ den Titel „Promenade, Promenade“. Auf die Frage, ob sie wiederkommen, kam von der Bühne ein klares „Ja klar“. Danach traten die Kindertollitäten der Narrenzunft Aasee, KG Soffie von Gievenbeck, KG Sprakel, KG Schwarz-Gold Telgte und der KG Freudenthal auf. Die gesangliche Zugabe mit Oberbürgermeister Fuchs folgte direkt mit dem Social Media Meme „Gute Laune“.
Jugendprinzenpaar auf Teleskoplader
Das Stadtjugendprinzenpaar Max I. Michels und Rosalie I. Westen fuhr auf einem Teleskoplader auf den Prinzipalmarkt ein und setzte damit früh einen sichtbaren Akzent. Den Stadtschlüssel übergab Oberbürgermeister Tilman Fuchs an die beiden ohne längeren Widerstand. Einen Baustellenhelm erhielt er dabei nicht als „Tausch“ für den Schlüssel, sondern als eigene symbolische Geste im Auftritt des Jugendprinzenpaares. Naheliegend war dabei eine Anspielung auf die vielen Baustellen in Münster, die an diesem Tag wohl karnevalistisch aufgegriffen wurde. Mit einem Augenzwinkern sagte Fuchs, dem Jugendprinzenpaar gebe er den Schlüssel lieber als Prinz Christian, weil er dort etwas mehr Vertrauen habe. Zugleich kündigte er aber an, die Macht nach ein paar Tagen wieder zu übernehmen.
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Später griff Fuchs gemeinsam mit Karnevalssänger „Eppi“ selbst zum Mikrofon und machte die Bühne kurz zur Mitsingzone: Mit „Münster, wir lieben dich, weil du die schönste bist, … leger gestylt und hipp …“ bekam der Prinzipalmarkt einen der publikumsstärksten Momente des Nachmittags.

Stadtprinz im Wiedertäuferkorb
Dann folgte der große Auftritt von Prinz Christian II., der in einem Wiedertäuferkorb auf den Prinzipalmarkt gefahren wurde. Die Inszenierung spielte zugleich auf die Wiedertäuferkörbe an St. Lamberti und auf die Muttergesellschaft KG Die Wiedertäufer des Prinzen an. Im einem Dialog zwischen Rathausbalkon und Bühne wurde es dann pointiert. Prinz Christian II. eröffnete mit: „Du wirst in die Geschichte Münsters eingehen als der Oberbürgermeister mit der kürzesten Amtszeit. Der Frohsinn nimmt ab heute seinen Lauf. Ich bin gerade dem Käfig entfleucht. Ich habe ihn für dich warm gehalten.“
Im weiteren Schlagabtausch tauchte mehrfach das Bahn-Motiv auf, mit Anspielungen auf Pünktlichkeit und Hochgeschwindigkeit. Das passte zur Biografie des Prinzen, der lange bei der Bahn-BKK tätig war. Entsprechend fielen auch Sätze wie: „Du wirst auch einen ICE erleben, der mit 300 km/h durch das Rathaus fliegen wird.“ Fuchs konterte wiederum mit einer Spitze in Richtung Bahn-Zuverlässigkeit.
Abwehrversuche versagten
Auf die Frage, ob er den Schlüssel freiwillig herausgebe, sagte Fuchs: „Ach Christian, das glaubst du ja wohl selber nicht. Ich habe den ja gerade erst bekommen, vor ein paar Monaten. Da gebe ich den so schnell nicht wieder ab.“ Der Satz traf den politischen Kontext genau: Fuchs ist erst seit dem 1. November im Amt und hatte den Schlüssel als neuer Oberbürgermeister somit tatsächlich erst vor kurzer Zeit selbst übernommen.
Närrische Verordnungen
Alle symbolischen Abwehrversuche halfen am Ende nicht, auch nicht karnevalistische Schutzmacht der KG „Die Bösen Geister“. Prinz Christian II. nahm den Stadtschlüssel in Empfang und führt Münster nun bis Aschermittwoch närrisch an. Im Anschluss wurde die „Prinzliche Bulle“ verlesen, also der satirische Verordnungstext für die Karnevalstage. Die Punkte reichten von Tempo 30 für „Denkprozesse der Stadtverwaltung“ über grün umlackierte Fahrradwege und gebührenfreies Parken für Kostümierte bis zu Taxi-Drohnen, Kanal-Badetagen und einem Messi-Einsatz bei Preußen Münster.

„Eine große Familie“
Zum Abschluss präsentierte Prinz Christian II. seine Sessions-Hits. Sein Lieblingssong setzte den Schlusspunkt mit einer Botschaft, die zur Stimmung auf dem Prinzipalmarkt passte: „Wir sind eine große Familie, wir gehören zusammen, hier ist keiner allein.“
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