Friedenspreis für NATO stößt auf Kritik Friedensinitiativen sehen Widerspruch zur Botschaft des Westfälischen Friedens

Auch im kommenden Jahr wird die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. ihren Friedenspreis im Rathaus verleihen. (Archivbild: Bastian E.)
Auch im kommenden Jahr wird die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. ihren Friedenspreis im Rathaus verleihen. (Archivbild: Bastian E.)

Die Entscheidung der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. (WWL), den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens 2026 an die NATO zu verleihen, sorgt in Münster für Kritik. Die Friedensinitiativen Münster e.V. halten die Ehrung für „höchst fragwürdig“ und sehen einen Widerspruch zur Botschaft des Westfälischen Friedens.

Die Auszeichnung wird erneut im kommenden Jahr im Rathaus von Münster verliehen. Stellvertretend für das Bündnis soll NATO-Generalsekretär Mark Rutte den Preis entgegennehmen. Die WWL beschreibt in ihrer Begründung für ihre Entscheidung die NATO als Bündnis, das in einer Zeit globaler Unsicherheit Verlässlichkeit schaffe, Partnerschaft fördere und „Frieden durch Stabilität“ ermögliche. Betont werden unter anderem die Aufnahme Finnlands und Schwedens, die Unterstützung der Ukraine ohne direkte Kriegsbeteiligung sowie langjährige Einsätze wie KFOR im Kosovo. Die NATO stehe demnach für eine regelbasierte Sicherheitsordnung, die Konflikte eindämme und Eskalation vorbeuge.

Friedensinitiativen: „Entscheidung nicht nachvollziehbar“

Die Friedensinitiativen Münster e.V. sehen das anders. Sie sprechen von einer Entscheidung, die „nicht nachvollziehbar“ sei und der Botschaft des Westfälischen Friedens widerspreche. Ein zentraler Kritikpunkt ist der Kosovo-Krieg 1999: Die NATO habe Jugoslawien damals ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats angegriffen. Aus Sicht der Initiative war dies der erste völkerrechtswidrige Krieg in Europa nach 1945 – ausgerechnet diese Organisation nun mit einem Friedenspreis auszuzeichnen, halten sie für falsch.

Auch wird die aktuelle Aufrüstung der NATO-Staaten aufgeführt. Unter Verweis auf eine im Auftrag der UN erstellte Studie heißt es, die geplanten zusätzlichen Rüstungsinvestitionen verursachten jährlich fast 200 Millionen Tonnen zusätzliches CO₂ – etwa ein Drittel der jährlichen Emissionen Deutschlands. Die Initiative bewertet das als Verschärfung der Klimakrise und als Widerspruch zu langfristiger Friedenspolitik.

Grundsätzlich stellen die Friedensinitiativen das zugrunde liegende Friedensverständnis infrage. Der Westfälische Frieden von 1648 habe für „Frieden durch Dialog“ gestanden, also für lange Verhandlungen und Interessenausgleich. Demgegenüber verkörpere die NATO aus ihrer Sicht vor allem Abschreckung durch Aufrüstung und die Androhung militärischer Gewalt. Statt eines Militärbündnisses wären nach ihrer Ansicht Akteure naheliegender gewesen, die sich für Abrüstung und Rüstungskontrolle einsetzen.

WWL: „Argumentation bleibt bestehen“

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte WWL-Geschäftsführer André Vielstädte am Abend mit, die Argumentation der Wirtschaftlichen Gesellschaft bleibe „wie in der vergangenen Woche veröffentlicht“ bestehen. Auf die konkreten Einwände der Friedensinitiativen ging er nicht näher ein. Der Westfälische Friedenspreis wird seit 1998 alle zwei Jahre vergeben und erinnert an das Friedenswerk von Münster und Osnabrück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert