
Oberbürgermeister Tilman Fuchs sprach in seiner Rede im Rathausinnenhof vor zahlreichen Schülerinnen und Schülern aus, was vielen der anwesenden Erwachsenen in dieser Form möglicherweise noch nicht bewusst war, dass dies die letzte Generation sein wird, die Überlebende des nationalsozialistischen Terrors noch als Zeitzeugen kennenlernen konnten. Umso wichtiger sei es, so betonten alle Rednerinnen und Redner, dass die Erinnerung an diese Zeit nicht verblassen und Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.
Mit einer Gedenkveranstaltung im Rathausinnenhof haben die Stadt Münster, Kirchen und Schulen am Dienstag, 27. Januar, an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert. Oberbürgermeister Tilman Fuchs gedachte gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die während der NS-Zeit ermordet wurden. Anlass war der 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. Der stadtweite Gedenktag fand zum zehnten Mal statt.
Neben den jüdischen Opfern erinnerten die Beteiligten auch an weitere vom NS-Regime verfolgte Gruppen, darunter politische Gegnerinnen und Gegner sowie Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Überzeugungen oder Lebensweise ausgegrenzt und ermordet wurden.
Oberbürgermeister Fuchs betonte die Bedeutung der Erinnerungskultur für die Gegenwart. Freiheit, Demokratie und Solidarität seien keine Selbstverständlichkeiten, sagte er. Wer sich mit der Geschichte auseinandersetze, stärke die Gesellschaft im Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Hass.
Die beteiligten Schulen hatten sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema befasst. In Projekten recherchierten die Jugendlichen Biografien von NS-Opfern, besuchten Gedenkstätten und stellten Bezüge zur Stadt Münster her. Teilweise dienten Stolpersteine im Umfeld der Schulen als Ausgangspunkt. Die Ergebnisse der Arbeiten zum Schwerpunkt „Heimat, Flucht und Exil“ präsentieren die Schülerinnen und Schüler unter anderem in Ausstellungen, Podcasts und Kurzfilmen.
Kranzniederlegung am Zwinger und Gottesdienst
Am Nachmittag folgte eine Kranzniederlegung am Zwinger an der Promenade. Daran beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen sowie Oberbürgermeister Fuchs. Im Anschluss fand ein ökumenischer Gottesdienst in der St.-Lamberti-Kirche statt.
Pfarrer Martin Mustroph, evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster, erinnerte daran, dass der Holocaust nicht erst mit Auschwitz begonnen habe. Die Shoah habe ihren Anfang in Ausgrenzung, Entrechtung und der Aberkennung der Menschenwürde gefunden. Angesichts aktueller Wahlerfolge rechtsextremer und demokratiefeindlicher Parteien sei es umso wichtiger, die Erinnerung wachzuhalten. Dem antisemitischen und rassistischen Denken setze Münster bewusst ein offenes und vielfältiges Stadtbild entgegen.
Zum Gedenktag wehten an Schulen und öffentlichen Gebäuden in Münster die Flaggen der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen auf Halbmast oder mit Trauerflor.
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