Eine Pudeldame mischt den Hot Jazz Club auf Deutschpop-Band aus Lübeck feierte am Samstag ihre Münster-Premiere / Und als Bonus: Die Band im Interview

David Grabowski und Jonas Nay von der Band Pudeldame kennen sich schon seit Schülerzeiten. (Foto: Claudia Feldmann)
David Grabowski und Jonas Nay von der Band Pudeldame kennen sich schon seit Schülerzeiten. (Foto: Claudia Feldmann)

Beim Begriff Pudeldame denkt sicher jeder sofort an einen Vierbeiner und mit Sicherheit nicht an Musik. Um erfolgreich und ganz oben in Suchmaschinen aufzutauchen, entschied sich die Band 2016 für den neuen wie tierischen Bandnamen, die seit 2013 als Northern Lights ihre ersten Erfolge feierte.

Die Band Pudeldame besteht aus den beiden Schulfreunden Jonas Nay (Gesang, Keyboard) und David Grabowski (Gitarre, Gesang, Synthesizer), sowie Nico Bauckholt (Bass, Gesang) und Moritz Hamm (Schlagzeug). „Kein schlechtes Wetter“ heißt ihre aktuelle Tour und wurde der Wetterprognose zumindest am vergangenen Samstag mehr als gerecht.

Viel Applaus für die Vorband JoschY

Die Vorgruppe JoschY begann um 20:15 Uhr ihr Programm zur musikalischen Primetime und fand schnell Anklang beim Publikum. Tatsächlich ist vor allem der Song „Schisser“ ein ziemlicher Ohrwurm, den die Bremer Newcomer als Quartett spielten, da ein Bandmitglied an dem Abend fehlte. Neben der aktuellen Single „Brief“ gab es insgesamt acht Songs zu hören, die das Publikum mit viel Applaus quittierte.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann Pudeldame die Bühne. Es begann mit „Yoyo“ ganz entspannt und man spielte sich schnell in die Herzen des Publikums. Das lag sehr an Frontmann und Sänger Jonas Nay, der stets Interaktion mit dem Publikum suchte. Ob ein Singalong mit einer Zuschauerin in sein Mikrofon oder eine herzliche Umarmung eines weiblichen Fans, der tatsächlich extra aus Baden-Baden für das Konzert nach Münster angereist war – es war eine sehr persönliche und dem Publikum stets zugewandte Performance.

Für Wünsche aus dem Publikum die Setlist über den Haufen geworfen

Die Band gab sich sehr nahbar und schmiss auch mal die geplante Setlist über den Haufen, um Wünsche der Fans zu erfüllen. Ob Balladen wie „Weinen“, die aktuelle Single „Paket“, „Berlin Midde“, der Hot Jazz Club wurde schnell zur Tanzfläche. Natürlich durften Fan-Favorites wie die rockige Nummer „Egalität“ nicht fehlen und erst recht nicht das vielleicht bekannteste Lied „Kinder ohne Freunde“. Unser Favorit an dem Abend war aber definitiv der Song „Ich sein mit dir“, den Pudeldame zusammen mit Veigh Malow produziert hat.

Nach 90 Minuten verneigte sich eine zufriedene Band vor ihrem Publikum, das lautstark applaudierte und im Anschluss das persönliche Gespräch mit der Band suchte.

Musikalisch herrschte schönstes Wetter im Hot Jazz Club und wir können bestätigen, dass Pudeldame viel mehr als ein Geheimtipp ist, sondern diesen Jungs die ganz große Bühne gehört.

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„David Hasselhoff wurde uns gestohlen“ – Die Band Pudeldame im Interview

Vor ihrem Konzert im Hot Jazz Club hatten wir die Band Pudeldame zum Interview getroffen. Hier präsentieren wir euch Ausschnitte daraus:

Jonas du hast euren Sound kürzlich als „dancy und sexy“ beschrieben. Trifft also Deutschpop oder Neopop als Oberbegriff euren Musikstil oder wie würdest du ihn unseren Lesern beschreiben?

Pudeldame (Jonas): Beim letzten Album („Kinder ohne Freunde“, 2021) war der Dance-Approach stärker. Beim jetzigen Album („Kein schlechtes Wetter“, 2025) ist es eindeutig mehr der Indie-Approach. Ich bin daher sehr gespannt, wie es heute Abend beim Publikum ankommt, weil wir ja auch direkt neben Candlelight-Tischen spielen, was für eine besondere Atmosphäre sorgt.

Ich vermisse zwei Männer auf der Bühne, nämlich David Hasselhoff [Teil der alten Bühnenrequisite] und Jon [ehemaliger Drummer] – und die Palme ebenfalls.

Pudeldame (lachend): David Hasselhoff wurde uns gestohlen. Ich glaube die Palme auch, dafür haben wir jetzt Regenschirme als Deko. Aber um deine Frage zu beantworten, Jon ist aus privaten Gründen und im Guten ausgeschieden. Eben weil wir uns schon seit der Schulzeit kennen und wie eine kleine Familie untereinander sind, war es eine harmonische Trennung, aber eben auch schmerzhaft. Dafür war der Übergang zu Moritz als neuen Drummer bei uns umso fließender, weil er damals als noch „eingekaufter Musiker“ schon Teile des Albums mit eingespielt hat.

Für eure aktuelle Tournee „Kein schlechtes Wetter“ habt ihr auf Social Media ein offenes Casting veranstaltet, um Künstlern die Möglichkeit zu geben, bei euch im Vorprogramm zu spielen. Heute Abend steht die Band JoschY vor euch auf der Bühne. Wie habt ihr die Auswahl getroffen bei den ganzen Einsendungen und warum haben die Jungs aus Bremen den Zuschlag bekommen?

Pudeldame (David): Es kamen viele Einsendungen und wir haben uns die Bands angehört. Das Lustige ist, dass ich Gitarrist Fabio von JoschY, der inzwischen auch in Leipzig Jazzgitarre spielt, schon vor ein paar Jahren kennengelernt habe. Damals habe ich in Hamburg einen Jazz-Workshop gegeben und er ist extra aus Bremen angereist, um teilzunehmen und war sozusagen mein Schüler in diesem Jazz-Workshop.

Jonas und David, ihr komponiert nebenbei auch Filmmusik. David, du hast zum Beispiel für den Krimi „Polizeiruf 110“ [„Sie sind unter uns“, ARD September 2025] mit dem extrem harten Stoff eines Amoklaufs in einer Schule den Score komponiert. Wie läuft da die Komposition ab? 

Pudeldame: (David) Das kommt ganz darauf an, wie der Workflow der Produktionsfirma oder der Regie ist. Man kann auf jeden Fall Score-Ideen und Score-Skizzen entwickeln zum Drehbuch. Oder man kriegt den fertigen Film und macht eine Spotting-Session und entscheidet zusammen mit der Regie nach Gefühl.

Lasst uns noch kurz beim Thema Film bleiben, denn du, Jonas, bist neben Pudeldame vor allem ein erfolgreicher Schauspieler. Du hast u.a. mit Schauspielgrößen wie Lars Eidinger zusammen vor der Kamera gestanden. In eurem gemeinsamen Film „Persischstunden“ (2020), der an eine wahre Geschichte angelehnt ist, spielst du einen SS-Rottenführer, der aktiv an der Erschießung von Juden beteiligt ist. Wie sehr fordert einen das emotional, so eine Rolle zu spielen und mit einer SS-Uniform herumzulaufen?

Pudeldame: (Jonas) Das fordert einen doll! Es war auch während der Entstehung für unser jetziges Album so, dass ich mit „The Tattooist of Auschwitz“ eine Serie gedreht habe, wo ich einen real existierenden SS-Schergen gespielt habe. Das nimmt einen so sehr mit, dass tatsächlich viele Songs, die wir heute Abend spielen, dort am Filmset entstanden sind. Für mich ist das eine Art und Weise der Verarbeitung, ein Eskapismus und Reset mit so einem Drehtag umzugehen.

In „Persischstunden“ spielt auch David Schütter an deiner Seite, mit dem du bereits 2014 in dem Drama „Wir sind jung. Wir sind stark.“ zusammen gedreht hast, das die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen von 1992 beschreibt. Sprechen wir von dem gleichen David Schütter, der auch an eurem Song „Berlin Midde“ (2020) mitgeschrieben hat?

Pudeldame: (Jonas) Exakt! David Schütter habe ich 2014 bei den Dreharbeiten kennengelernt und er ist der Grund, warum wir auf Deutsch schreiben – was wir vorher unter dem alten Bandnamen Northern Lights nicht gemacht haben. Ich habe damals von David verfasste Songtexte gelesen und ihn um Hilfe gebeten, weil ich mir das Texten auf Deutsch zu der Zeit nicht richtig zugetraut habe. Durch David habe ich überhaupt erst gelernt, mit Sprache in der Form umzugehen.

Jonas, du hast auch schon mit einem Münster-Tatort Urgestein zusammen gedreht, Axel Prahl hat nämlich deinen Vater in „Vadder, Kutter, Sohn“ (2017) gespielt. Konntest du ihn in seiner Rolle des Frank Thiel in unserer Münsteraner-Krimireihe nicht dazu überreden, mal eine Leiche zu spielen, die im Aasee treibt? Was habt ihr so zusammen in den Drehpausen angestellt?

Pudeldame (Jonas, lacht): Das mit der Leiche weiß ich nicht, aber wir haben beim Casting zusammen musiziert. Wie du ja sicher weißt, spielt Axel in einer Band und ich hatte meine kleine Gitarre dabei, die ich manchmal zum Filmset mitnehme. Dann gab es halt schon diesen einen Song, der in den Film kommen sollte, und wir haben den zusammen gesungen. Direkt auf den Rückweg vom Casting habe ich den Anruf gekriegt: „du hast die Rolle!“. Also eine schönere Symbiose gibt es ja gar nicht.

Da ihr jetzt gleich auf die Bühne müsst noch eine abschließende Frage, was sind nach dieser Tour eure Pläne für 2026?

Pudeldame: Wir wollen gerne ein Live-Album veröffentlichen und einen Konzertfilm.

Jungs ganz herzlichen Dank für das sehr nette und unterhaltsame Gespräch.

Pudeldame-Frontmann Jonas Nay backstage beim Interview mit ALLES MÜNSTER. (Foto: Claudia Feldmann)

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