Ein Prinz ganz privat Interview mit dem neuen Prinz Karneval Christian Grünefeld

Hausbesuch beim neuen Narrenoberhaupt der Stadt Münster, Prinz Christian II. (Foto: Thomas Hölscher)
Hausbesuch beim neuen Narrenoberhaupt der Stadt Münster, Prinz Christian II. (Foto: Thomas Hölscher)

Der 65-jährige Christian Grünefeld erlebt ab morgen (11.11.) seinen großen Traum: Er ist der neue Prinz Karneval der Stadt Münster. ALLES MÜNSTER hat den gebürtigen Ostfriesen zuhause in Münster-Süd besucht, um den Mann hinter dem Ornat kennenzulernen.

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Fangen wir doch mal ganz am Anfang an. Du bist in Ostfriesland geboren. Wie kann man die Mentalität von Ostfriesen und Westfalen vergleichen – gibt es da irgendwelche Parallelen?

Die Ostfriesen sind eher ruhig, zurückhaltend und gediegen. Da ist die westfälische Art natürlich etwas herzlicher, hier geht man schon etwas mehr aufeinander zu. Um die Freundschaft von einem Ostfriesen zu gewinnen, das dauert schon ein bisschen.

Würdest du sagen, du bist ein typischer Ostfriese?

Nein, ich bin auch nur ein halber Ostfriese. Mein Vater war Ostfriese und meine Mutter ist Ostpreussin. Ich glaube, ich habe mehr von meiner Mutter geerbt. Sie hat immer gerne Leute eingeladen. Wir waren bei uns zu Hause immer eine große Runde, zum Beispiel wenn mein Vater bei der Jagd etwas erlegt hat. Ich würde also sagen, die Offenheit habe ich von meiner Mutter.

Wann und warum bist du nach Münster gezogen?

Mich hat es ins Münsterland gezogen, weil ich erst damit geliebäugelt habe, hier zu studieren. Das hat sich dann aber zerschlagen. Als dann ein Bekannter von mir erzählte, dass bei ihm in der Krankenkasse noch Leute gesucht werden, habe ich mich dort beworben. Eisenbahn ist schon ein spannendes Thema. Ich bin ein sogenannter „Alt-Eisenbahner“ – das heißt: Ich wurde vor 1994 eingestellt, genau bevor die deutsche Bundesbahn privatisiert wurde. Somit habe ich das große Glück, noch eine Betriebsrente zu bekommen.

Hat dir der Job Spaß gemacht oder wäre etwas anderes eher dein Traumjob gewesen?

Das war fast mein Traumjob, muss ich sagen. Ich habe bei der Bundeswehr in Ostfriesland zwei Jahre gedient und war dort beim Sanitätsbataillon 11. Ich habe in der dortigen Sanitätseinheit viele Kurse gemacht und mir so medizinisches Wissen angeeignet, was mir natürlich in meinem Beruf Vorteile gebracht hat.

Ich habe sehr eng mit dem medizinischen Dienst zusammengearbeitet, habe viele schwierige Fälle mit ihm ausgehandelt und zum Schluss in meiner Pflegekasse zehn Jahre lang meine Krankenkasse vor sämtlichen Sozialgerichten, von Aachen bis Itzehoe, vertreten.

Klingt nach viel Verantwortung. Nun bist du aber relativ „frisch“ in Rente.

Seit etwas über einem Jahr. Ich bin mit genau 64 in Rente gegangen, mit leichten Abschlägen, aber das macht meine besagte Betriebsrente wieder wett. Meine Frau war ja schon in Rente und wir wollten endlich mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten haben.

Christian Grünefeld und seine Tollitute Ulla haben sich im Karneval kennengelernt. (Foto: Thomas Hölscher)
Christian Grünefeld und seine Tollitute Ulla haben sich im Karneval kennengelernt. (Foto: Thomas Hölscher)

Wann und wie haben du und Ulla euch kennengelernt?

Kennengelernt haben wir uns im Karneval, genauer gesagt im Jahr 1994 auf dem sogenannten „Böse-Buben-Ball“, einem Kostümball der KG Wiedertäufer. Bei mir hat es an dem Abend direkt gefunkt, als ich sie gesehen habe. Das war an der Lamberti-Kirche in der „Ewigen Lampe“, leider gibt es die heute nicht mehr. Da haben damals sehr viele Karnevalsvereine gefeiert und einen Riesenspaß gehabt, bis ein Polizist und eine Krankenschwester in die Gegend gezogen sind und sich ständig über die Ruhestörung beschwert haben. Die Dreifachverglasung hatte leider auch nichts genützt und so musste die Musik leiser gedreht werden. Das führt dazu, dass so nach und nach alle Vereine abgesprungen sind und der Laden schließen musste.

Die nächsten Wochen werden Christian und seine Tollitute Ulla auf den Bühnen dieser Stadt verbringen. (Foto: Jasmin Otman)
Die nächsten Wochen werden Christian und seine Tollitute Ulla auf den Bühnen dieser Stadt verbringen. (Foto: Jasmin Otman)

Aber ihr zwei habt die Chance ja zum Glück noch genutzt. Weißt du noch, als was sie verkleidet war?

Klar. Sie war im 60er-Jahre-Stil gekleidet und trug Hotpants. Sie sah so toll aus, dass natürlich auch einige andere Männer hinter ihr her waren. Die konnte ich aber aus dem Feld schlagen und wir haben bis morgens um 7:00 Uhr gefeiert.

Ulla, stimmt das so alles?

Ja, ich kann mich auch noch genau dran erinnern. Er war als Zwerg verkleidet.

Hat es dich auch direkt erwischt?

Nein, nicht sofort. Bei mir ist der Funke erst drei Jahre später übergesprungen. Er hat dann immer wieder angerufen und wir haben alle Veranstaltungen der Wiedertäufer zusammen besucht.

Welche Eigenschaften schätzt du besonders an Christian?

Dass er so ehrlich, offen, respektvoll und liebevoll ist.

Christian, ihr habt euch ein ganz besonderes Hochzeitsdatum ausgesucht…

Ja, ein schönes Datum. Wir haben am 12.12.12. im Lothringer Kloster geheiratet. Wir hatten zum Glück den großen Saal oben, wo aber nur 25 Stühle standen, es waren allerdings 85 Gäste da! Der Rest musste stehen. Unser Standesbeamter war der letzte männliche Standesbeamte Gerd Dittmar, Mitglied bei der KG Schweine Schinken Schützen. Und als er mitbekam, dass ich Karnevalist bin, war das Eis gebrochen. Für den Sektempfang nach der Trauung hatten wir so zweieinhalb Stunden einkalkuliert, daraus wurden aber vier Stunden, bis wir uns zum Essen im Ratskeller loseisen mussten. Zum Schluss sind wir dann noch über den Weihnachtsmarkt gegangen.

Am 12.12.2012 haben Christian und Ulla im Lotharinger Kloster geheiratet. (Foto: privat)
Am 12.12.2012 haben Christian und Ulla im Lotharinger Kloster geheiratet. (Foto: privat)

Was sind denn außer dem Karneval noch Deine Hobbies?

Ich spiele gerne Doppelkopf, das habe ich bei der Bundeswehr gelernt bzw. lernen müssen. Ich war einer von zwölf und der Letzte in der Gruppe, der nicht Doppelkopf spielen konnte. Wir haben immer um eine Flasche Bier gespielt und als ich dann drei Kisten verloren hatte, konnte ich es. (lacht)

Ein weiteres Hobby von Ulla und mir ist Fahrradfahren. Ein ehemaliger Kollege von mir erstellt die Touren, guckt sich vorab Gasthöfe aus, wo wir übernachten können, schöne Kneipen, wo man zwischendurch einkehren kann und so weiter. So haben wir mittlerweile 15 Fahrradtouren gemacht – von Passau nach Wien, rund um den Bodensee, ein Elbe-Tour und eine an der Weser entlang.

Ganz schön sportlich!

Bewegung tut ja immer gut. Ulla und ich wollen jetzt auch einen Tanzkurs besuchen. Ich bin dann damals extra das Tanzen angefangen, weil mir wichtig war, dass meine spätere Frau tanzen kann. Nach sieben Tanzkursen bei Husemeyer war ich aber immer noch Single! (lacht)

Jetzt die entscheidende Frage an Ulla: Kannst du tanzen?

Ja. Ich habe 20 Jahre getanzt.

Dann ist dein Traum doch in Erfüllung gegangen, Christian!

Oh ja! Ich habe sie damals noch inkognito auf den Luftwaffenbällen erlebt in der Halle Münsterland. Damals war ich als Leutnant der Reserve dort zu Gast und sie ist mit ihrer Tanzformation in allen drei Sälen aufgetreten. Das war ein Riesenprogramm, die Luftwaffenbälle damals waren fantastisch!

Was tanzt ihr zusammen am liebsten?

Am besten klappt der Wiener Walzer. Langsame Walzer, Foxtrott, Disco-Fox und Cha-Cha-Cha sind auch okay. Es macht natürlich besonders Spaß, wenn man mit einer Frau tanzt, die die gleichen Schritte kennt. Beim Tango kann man die Frau schlecht führen, wenn sie die Schritte nicht kennt.

Verratet ihr schon, mit welchem Tanz ihr den Prinzenball eröffnet?

Mit dem Wiener Walzer.

Die Wohnzimmerwände sind dekoriert mit Dokumenten seiner Muttergesellschaft "Die Wiedertäufer". (Foto: Thomas Hölscher)
Die Wohnzimmerwände sind dekoriert mit Dokumenten seiner Muttergesellschaft „Die Wiedertäufer“. (Foto: Thomas Hölscher)

Prinz Karneval der Stadt Münster zu sein war ja lange dein großer Traum. Was wird denn jetzt nach dem Aschermittwoch dein neues Herzensprojekt, was du angehst?

Ich lasse es einfach auf mich zukommen. Langweilig wird mir aber sicherlich auch als Rentner nicht. Ich werde mit der Prinzengarde unterwegs sein und auch die zukünftigen Prinzen begleiten. Zusätzlich bin ich seit 18 Jahren noch Präsident eines Schützenvereins und seit einem Jahr Präsident des Karnevalsclubs CCH in Hiltrup. Da habe ich noch ein paar Betätigungsfelder. Das Schöne ist: Wenn die Schützenzeit vorbei ist, fängt die Karnevalszeit an. Also bei uns kommt im Jahr keine Langeweile auf. (lacht)

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